07.04.2026

Nahost-Krieg bremst weltweiten IPO-Markt

Im Jahr 2026 dominieren wenige große IPOs, während kleinere Börsengänge unter geopolitischem Druck deutlich zurückgehen.

Beitrag mit Bild

murrstock/123rf.com

Nach einem vielversprechenden Start ins Jahr 2026 führten neue geopolitische Spannungen und der weltweite Anstieg der Energiepreise zu einem deutlichen Rückgang auf dem IPO-Markt: Die Zahl der Börsengänge schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 % und lag mit 230 auf dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Zuletzt waren im zweiten Quartal des COVID-Jahres 2020 mit 195 IPOs weniger Börsengänge registriert worden als im abgelaufenen Quartal.

Emissionsvolumen steigt

Obwohl deutlich weniger Unternehmen den Sprung aufs Parkett wagten, stieg das Emissionsvolumen deutlich: um 36 % auf 40,6 Milliarden US-Dollar. Während die Zahl der Börsengänge mit einem Emissionsvolumen oberhalb von 500 Millionen US-Dollar von 14 auf 22 stieg, gab es deutlich weniger kleinere IPOs: Die Zahl der Börsengänge mit einem Wert von weniger als 100 Millionen US-Dollar sank von 237 auf 146.

Der weltweit größte Börsengang des ersten Quartals fand in Europa statt: Der tschechische Munitionshersteller CSG erzielte bei seiner Erstnotiz an der Amsterdamer Euronext erzielte ein Platzierungsvolumen von 4,5 Milliarden US-Dollar.

Verteidigungsindustrie prägt IPO-Geschehen in Deutschland

Auch in Deutschland prägte das deutlich gestiegene Investoreninteresse Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie das IPO-Geschehen: Von den drei Unternehmen, die in Deutschland im ersten Quartal an die Börse gingen, lassen sich zwei – Vincorion mit einem Volumen von 345 Millionen Euro sowie Gabler mit 133 Millionen Euro – dem Rüstungssektor zuordnen. Zusätzlich absolvierte der österreichische Kupfer-Spezialist Asta Energy den Börsengang an der Frankfurter Börse und erzielte dabei ein Emissionsvolumen von 191 Millionen Euro. Zudem ist die Hamburger Arenit Industrie SE im Rahmen einer Privatplatzierung an den schwedischen Nasdaq First North Premier Growth Market gegangen.

Neben Aerospace & Defense bleibe auch Künstliche Intelligenz mit den erwarteten Blockbuster IPOs aus den USA ein zentraler Treiber des IPO-Marktes – allerdings verschiebt sich der Fokus zunehmend weg von reinen Visionen hin zu konkreten, skalierbaren Anwendungen, insbesondere im Bereich KI Infrastruktur, Rechenzentren, Halbleiter und industrielle Anwendungen.

Das sind Ergebnisse des aktuellen IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

IPOs auf sechs-Jahres-Tief

Dr. Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY. „Die neue Zuspitzung der Krise im Nahen Osten hat sich weltweit stark auf die IPO-Märkte ausgewirkt, die Zahl der IPOs ist auf ein sechs-Jahres-Tief gesunken. Wir erleben stark steigende Energiepreise, eine erhöhte Volatilität an den Kapitalmärkten und zeitweise starke Rückgänge an den Aktienmärkten. Parallel dazu sind auch wieder handelspolitische Unsicherheiten stärker in den Fokus gerückt. Allerdings gibt es keinen vollständigen Stopp aller Aktivitäten, sondern eher eine starke Konzentration der Investorennachfrage auf ausgewählte Sektoren und etablierte Unternehmen, die bereits vor dem Börsengang eine kritische Größe, robuste Geschäftsmodelle und eine überzeugende Erfolgsbilanz vorweisen können.“

Trotz des herausfordernden Umfelds zeigen sich die globalen IPO-Märkte insgesamt bemerkenswert widerstandsfähig, findet Steinbach: „Zwar wurden einzelne Transaktionen verschoben oder hatten Schwierigkeiten bei Preisfindung, jedoch profitieren Verteidigungs-, Luftfahrt- und Infrastrukturwerte vom geopolitischen Umfeld, so dass man in diesen Bereichen fast schon von einem IPO-Boom sprechen kann.“

Internationale Märkte im Jahresvergleich

  • In China (einschließlich Hongkong) wurden 68 Neuemissionen (Vorjahr: 50) gezählt mit einem Gesamtwert von 16,7 Mrd. US-Dollar – ein Plus von 181 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der größte Anstieg unter allen relevanten Börsenplätzen.
  • Der US-Markt lag bei der Zahl der Deals (27; minus 55 %) im Minus; das Emissionsvolumen lag mit 10,2 Milliarden US-Dollar 13 % höher als im Vorjahreszeitraum.
  • In Europa gingen zwar weniger Unternehmen an die Börse als im ersten Quartal 2025 (28; minus 18 %). Dank des Mega-IPOs von CSG stieg aber das Platzierungsvolumen deutlich: um 48 % auf 6,4 Milliarden US-Dollar.
  • Beim Blick auf die Branchen dominierten Advanced Manufacturing (42 IPOs, 11,3 Milliarden US-Dollar) und Technology (38 IPOs, 8,8 Milliarden US-Dollar).
  • Im Ranking der größten Börsengänge des ersten Quartals folgen auf CSG das US-Energieinfrastrukturunternehmen Forgent Power Solutions mit einem Emissionsvolumen von 1,7 Milliarden US-Dollar und dahinter der chinesische Fleischproduzent Muyuan Foods mit 1,4 Milliarden US-Dollar.

(EY vom 01.04.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


Weitere Meldungen


Meldung

©pixbox77/fotolia.com

08.04.2026

Mehr als jedes fünfte Unternehmen spürt negative Effekte des Klimawandels

Mehr als jedes fünfte Unternehmen (21 %) in Deutschland sieht sich bereits von negativen Folgen des Klimawandels betroffen. Das sind rund 800.000 Unternehmen. Besonders große Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz leiden unter den mannigfaltigen Auswirkungen der Erderwärmung: 74 % von ihnen geben an, zumindest teilweise von negativen Konsequenzen betroffen zu sein. Unter den größeren

Mehr als jedes fünfte Unternehmen spürt negative Effekte des Klimawandels
Meldung

©EtiAmmos/fotolia.com

08.04.2026

Zahlreiche Branchen durch Lieferketten-Probleme in prekärer Lage

Die Störung der globalen Lieferketten beeinträchtigt Deutschlands Wirtschaft. Krisen, wie die faktisch gesperrte Straße von Hormus im Zuge des Iran-Krieges oder die Vorherrschaft Chinas bei Seltenen Erden, haben gravierende Folgen für die Versorgung der deutschen und europäischen Unternehmen mit Rohstoffen, Energie und Technologie. „Der Iran-Krieg ist ein Bremsklotz für den Aufschwung, der durch sinkende Zinsen

Zahlreiche Branchen durch Lieferketten-Probleme in prekärer Lage
Meldung

©designer491/fotolia.com

07.04.2026

M&A in Europa: Stabiler Markt, neue Dynamik

Das Jahr 2025 war durch eine Fortsetzung der käuferfreundlichen Trends gekennzeichnet, darunter eine zunehmende Verwendung von Earn-out-Vereinbarungen, längere Verjährungsfristen und weniger low Liability Caps. Kaufpreisanpassungen und die Nutzung von Gewährleistungsversicherungen (W&I-Insurance) blieben im Vergleich zu 2024 weitgehend unverändert auf hohem Niveau. Andere Transaktionskennzahlen, wie die anhaltende Seltenheit von MAC-Klauseln (Material Adverse Change) und Sicherheiten für

M&A in Europa: Stabiler Markt, neue Dynamik
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)