• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • New Normal im deutschen Emissionsmarkt: Kapitalerhöhungen ziehen deutlich an

01.10.2020

New Normal im deutschen Emissionsmarkt: Kapitalerhöhungen ziehen deutlich an

Beitrag mit Bild

© moomsabuy/fotolia.com

Auch im deutschen Emissionsmarkt etabliert sich im Corona-Jahr 2020 eine neue Normalität: Trotz zuletzt anziehender Volatilität gingen im dritten Quartal 2020 drei Unternehmen im Prime Standard an die Frankfurter Börse und spielten dabei insgesamt ein Emissionsvolumen in Höhe von 702 Millionen Euro ein. Zudem werden Kapitalerhöhungen zur Finanzierung immer beliebter: Das entsprechende Volumen stieg im dritten Quartal auf das höchste Niveau seit mehr als zwei Jahren. Gleich drei Unternehmen holten sich mit Milliardenplatzierungen frisches Geld am Kapitalmarkt.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie die Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt erfasst.

Märkte weiter auf Erholungskurs – Volatilität bleibt hoch

„Im dritten Quartal setzte sich die wirtschaftliche Erholung trotz anhaltender Covid-19 Pandemie fort. Für Nervosität und Risikoscheu bei den Investoren sorgt jedoch die Angst vor einer weiteren Ansteckungswelle und die wirtschaftlichen Auswirkungen eines möglichen zweiten Lockdowns – angesichts steigender Neuinfektionen in zahlreichen EU-Ländern ist dies kein unrealistisches Szenario“, sagt Nadja Picard, Capital Markets Leader für PwC Europe.

Hinzu komme die Unsicherheit über den Ausgang der US-Wahlen Anfang November und die wachsende Gefahr eines ungeregelten Brexits.

„Die zuletzt gestiegene Volatilität im Aktienmarkt ist Ausdruck der wieder zunehmenden Vorsicht der Anleger. Unterstützend für Aktien bleibt dagegen die hohe Liquidität, bedingt durch Niedrigzinsen und fiskalpolitische Maßnahmen. Die Schwankungen gehören zur neuen Normalität im Corona-Jahr 2020. Aber auch in diesem Umfeld bleiben Börsengänge und Kapitalerhöhungen möglich, wie das dritte Quartal gezeigt hat“, ergänzt Carsten Stäcker, Leiter Equity Advisory bei PwC Deutschland. „Besonderes Investoreninteresse finden Unternehmen mit strukturellen Wachstumschancen in den Bereichen Technologie, Gesundheitswesen, erneuerbare Energien sowie auch Rekapitalisierungen führender Unternehmen in zyklischen Sektoren.“

IPOs bleiben hinter den Erwartungen zurück

Zwischen Juli und September wagten sich drei Unternehmen aufs Frankfurter Börsenparkett und spielten mit ihren Debüts – ohne die Mehrzuteilungsoptionen – insgesamt 702 Millionen Euro ein (Q2 2020: 187 Millionen Euro / Q3 2019: 2.149 Millionen Euro, jeweils bei zwei IPOs): der Rüstungskonzern Hensoldt, der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert und – bereits Mitte Juli – der Private-Equity-Investor Brockhaus Capital Management. Der Börsenstart verlief bei den Debütanten jedoch teilweise holprig: Hensoldt und Knaus Tabbert konnten ihre ursprünglichen Erwartungen an das Emissionsvolumen nicht erfüllen und enttäuschten am ersten Handelstag zunächst mit deutlichen Kurseinbußen.

Zu den drei Erstnotizen kam der lange erwartete Spin-Off der Energiesparte von Siemens, der mit einem Volumen von knapp 9 Milliarden Euro bzw. einer Marktkapitalisierung von 16 Milliarden Euro die größte Notierungsaufnahme dieses Jahres darstellt. Auch die erste Börsenbewertung von Siemens Energy lag spürbar unter den zuvor geäußerten Erwartungen. Da es sich um eine Konzernabspaltung handelt, fließt sie jedoch nicht als Neuemission in die Analyse ein.

Kapitalerhöhungen geprägt von drei Milliardentransaktionen

Während die Neuemissionen durch niedrige und mittlere Volumina gekennzeichnet sind, konnten bei den Kapitalerhöhungen mehrere große Transaktionen erfolgreich abgeschlossen werden: Insgesamt elf Unternehmen entschieden sich im dritten Quartal über eine Kapitalerhöhung frisches Geld an der Börse zu besorgen. Das Volumen lag mit rund 6,6 Milliarden Euro mehr als drei Mal so hoch wie im Vorquartal (Q2 2020: 2,0 Milliarden Euro bei ebenfalls elf Kapitalerhöhungen / Q3 2019: 646 Millionen Euro bei fünf Kapitalerhöhungen) – und nähert sich damit dem Niveau des starken Jahres 2018 an.

Siemens Healthineers platzierte das Rekordvolumen von knapp drei Milliarden Euro, um den Kauf des Krebstherapie-Spezialisten Varian teilweise zu finanzieren. Außerdem platzierten gleich zwei DAX-Konzerne im dritten Quartal neue Aktien im Milliardenvolumen: RWE will mit Hilfe einer Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Euro das Geschäft mit erneuerbaren Energien ausbauen. Und das Immobilienunternehmen Vonovia besorgte sich eine Milliarde Euro frisches Kapital, um Schulden zu tilgen.

„Kapitalerhöhungen sind aktuell ein beliebtes Finanzierungsmittel. Unternehmen nutzen die Erholung an den Märkten, um durch frisches Eigenkapital ihre Bilanz zu stärken oder auch Wachstumschancen durch Akquisitionen zu finanzieren“, so Nadja Picard weiter.

Fremdkapitalemissionen rückläufig

Das Transaktionsvolumen bei den Fremdkapitalinstrumenten war im dritten Quartal hingegen rückläufig. Die Anzahl der Deals im Investment-Grade-Bereich halbierte sich fast – von 37 im zweiten Quartal auf 19 im dritten Quartal 2020. Das durchschnittliche Emissionsvolumen ging ebenfalls leicht zurück: von 877 Millionen Euro im zweiten Quartal auf 804 Millionen Euro.

„In den ersten beiden Quartalen haben wir einen regelrechten Ansturm auf Fremdkapitalinstrumente erlebt. Unternehmen haben in diesem Zeitraum ihre Liquiditätspuffer für zukünftige Unsicherheiten aufgefüllt. Dieser Ansturm hat sich nun stabilisiert. Auffällig ist insbesondere die verstärkte Emission von Green und Sustainability Bonds.“ Carsten Stäcker, Leiter Equity Advisory bei PwC Deutschland

Und auch im Markt für High-Yield-Bonds lässt sich eine verminderte Aktivität bei gleichzeitig rückläufigen durchschnittlichen Volumina beobachten. Das Volumen lag im dritten Quartal im Schnitt nur noch bei 644 Millionen Euro (Q2 2020: 878 Millionen Euro).

Ausblick: Drei weitere Börsengänge liegen im vierten Quartal drin

Für das restliche Jahr 2020 und das erste Quartal 2021 ist Nadja Picard vorsichtig optimistisch: „Mit Compleo Charging Solutions und Velero Immobilien haben bereits zwei weitere Unternehmen ihre IPO-Pläne im Prime Standard konkretisiert. Darüber hinaus erwarten wir aufgrund der zuletzt volatileren Marktbedingungen im verbleibenden Jahr jedoch nicht mehr als zwei bis drei weitere erfolgreiche Börsengänge. Und auch für 2021 ist die Pipeline bereits gut gefüllt.“ Dabei hänge viel vom weiteren Verlauf der Pandemie ab: „Für einen positiven Stimmungswandel, der das Umfeld für Kapitalmarkt-Transaktionen verbessern könnte, würden insbesondere Erfolgsmeldungen aus der Impfstoffforschung sorgen“, so das Fazit der PwC-Experten.

(Pressemitteilung PwC vom 01.10.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© tashatuvango/fotolia.com

24.02.2026

Startup-Stimmung 2026: Zwischen Zuversicht und Frust

Deutschlands Startups sind beim Blick auf die Lage des eigenen Unternehmens gespalten: Rund ein Drittel (35 %) berichtet von einer Verbesserung im vergangenen Jahr, fast ebenso viele (30 %) aber von einer Verschlechterung. Für weitere 35 % ist die Lage unverändert. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Bitkom Research unter 133 Tech-Startups in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Jedes

Startup-Stimmung 2026: Zwischen Zuversicht und Frust
Meldung

pitinan/123.rf.com

23.02.2026

Deutsche Finanzinstitute setzen zunehmend auf KI

Eine neue globale Studie von Finastra, einem Anbieter von Software für Finanzdienstleistungen, zeigt, dass eine nahezu flächendeckende Einführung von KI bei deutschen Finanzinstituten zu beobachten ist. Nur noch drei Prozent der Finanzinstitute in Deutschland geben an, keinerlei künstliche Intelligenz einzusetzen. Dies ist ein klares Signal für den Übergang von der Experimentierphase zur Umsetzung in der

Deutsche Finanzinstitute setzen zunehmend auf KI
Meldung

irrmago/123rf.com

18.02.2026

Umsatzrückgänge und Arbeitsplatzabbau in der deutschen Industrie

Der Stellenabbau in der deutschen Industrie hält an: Im Lauf des Jahres 2025 sank die Zahl der Beschäftigten bei Industrieunternehmen in Deutschland um 124.100 bzw. 2,3 %. Damit setzte sich der Negativtrend des Vorjahres fort, als bereits 56.000 Jobs gestrichen wurden. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der Industriejobs in Deutschland um 266.200 – ein

Umsatzrückgänge und Arbeitsplatzabbau in der deutschen Industrie
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)