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20.11.2020

Nur innovative und anpassungsfähige Tech-Unternehmen überleben

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© gearstd/fotolia.com

Virtualisierung des Vertriebs, künstliche Intelligenz, Cloud Computing: Technologieunternehmen müssen sich laufend neu erfinden, denn der Markt verändert sich permanent. Das Risiko, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu verlieren, ist im Technologiesektor 12 Prozent höher als im Einzelhandel und sogar 25 Prozent höher als in der Finanzdienstleistungsbranche. Tech-Konzerne investieren deshalb insbesondere in Automatisierung, krisenfeste Lieferketten, digitale Services und Homeoffice-Ausstattung.

Das sind Ergebnisse des „Technology Report 2020 – Taming the Flux“ der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company.

„Im Technologiesektor erhalten Unternehmen nur selten eine zweite Chance“, erklärt Christopher Schorling, Bain-Partner und Co-Autor der Studie. „Je länger eine Firma zu den Nachzüglern in der Branche gehört, desto schwerer findet sie wieder Anschluss. Deshalb ist es für Tech-Firmen wichtiger denn je, schon heute zu verstehen, was ihr Geschäftsmodell in ein paar Jahren revolutionieren wird.“

Fünf Trends stehen im Fokus

Der globale Bain-Report beleuchtet die Wertschöpfung in der Tech-Branche, die zentralen Wettbewerbsfelder und die Chancen im operativen Geschäft. Geprägt ist Branche derzeit von fünf zentralen Trends:

  1. Disruption erfordert eine kontinuierliche Neupositionierung. Tech-Märkte unterliegen einem ständigen Umbruch mit sich rasch verändernden Wettbewerbsverhältnissen. Viele Unternehmen reagieren darauf, indem sie ihr Geschäft an Entwicklungen wie Globalisierung oder Cloud Computing anpassen. Dabei versäumen sie es, nach ganz neuen Lösungen zu suchen. Sie übersehen, dass die Märkte der Zukunft nur selten den Regeln der Vergangenheit folgen. „Die Tatsache, dass das Geschäftsmodell eines Technologiekonzerns leicht zu gefährden, aber nur schwer zu reparieren ist, macht diese Managementaufgabe zu einem Drahtseilakt“, betont Schorling.
  2. Lieferketten müssen neu aufgestellt und krisenfester werden. Produzierende Unternehmen und Logistikdienstleister stehen vor zwei Herausforderungen: Corona-Pandemie und Handelskonflikte bedrohen die etablierten Lieferketten. Gleichzeitig verändern sie Nachfrage und Konsumverhalten. Während beispielsweise der Bedarf an Homeoffice-Equipment steigt, werden technische Komponenten für die Autoindustrie weniger benötigt. Für Tech-Unternehmen bedeutet das, effiziente und widerstandsfähige Lieferketten aufzubauen. Insbesondere der Aspekt der Krisenfestigkeit hat durch die Corona-Beschränkungen an Bedeutung gewonnen. Die wichtigsten Faktoren dabei sind ein flexibles Lieferantennetzwerk, sichere digitale Arbeitsprozesse, Echtzeitanalysen, realitätsnahe Simulationen und schnelle Reaktionszeiten in der Entscheidungsfindung.
  3. Automatisierung bedeutet weit mehr als Kostensenkung. Tech-Konzerne, die stärker in Automatisierung investiert haben, kommen besser durch die Corona-Krise. Sie erzielen höhere Umsätze, ihre Beschäftigten arbeiten produktiver und ihre Lieferketten sind weniger störanfällig. Diese Vorreiter hatten bereits vor der Pandemie geplant, 51 Prozent ihrer manuellen Prozesse in den nächsten zwei Jahren zu automatisieren. Der Durchschnitt aller Branchen liegt bei 35 Prozent. Das reicht vom Testen von Software bis hin zur Verwaltung von Cloud-Infrastruktur. Aktuell beabsichtigt die Tech-Industrie zudem, im Schnitt 38 Prozent ihrer Beschäftigten auch zukünftig im Homeoffice arbeiten zu lassen. Die Unternehmen haben festgestellt, dass die Automatisierung Mitarbeitenden helfen kann, Fehler bei der Arbeit zu Hause zu reduzieren und insbesondere die Zusammenarbeit im Team spürbar zu verbessern. „Die besten Firmen verschaffen sich durch die Automatisierung enorme Vorteile bei den Arbeitsabläufen und übertreffen ihre Wettbewerber in puncto Geschwindigkeit und Effizienz“, stellt Bain-Experte Schorling fest.
  4. Der Konflikt zwischen den USA und China beeinflusst die Unternehmensstrategie. Diese geopolitische Auseinandersetzung bedeutet auch eine zunehmende ökonomische Entkopplung der beiden Länder. Für Tech-Unternehmen sind damit zum Teil harte Entscheidungen bei Produkten, Kunden, Belegschaft, Lieferketten und Geschäftsbeziehungen verbunden. China bleibt ein wichtiger und schnell wachsender Markt der für bis zu 25 Prozent der globalen Nachfrage nach Servern, Netzwerktechnik, PCs und Smartphones steht. Der Bedarf an den meisten technischen Produkten wächst in China doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.
  5. Fusionen und Übernahmen in der Tech-Branche beschleunigen sich. 82 Prozent aller M&A-Aktivitäten in der Technologiebranche waren 2019 sogenannte Scope-Deals. 2015 waren es noch 50 Prozent. Unternehmen sichern sich auf diese Weise vor allem rasch wachsende Marktsegmente, Eigentumsrechte oder spezialisierte Talente, um den rasanten technologischen Umbruch zu bewältigen. Zwar kamen die M&A-Aktivitäten im zweiten Quartal 2020 aufgrund der Corona-Pandemie und der sich verschärfenden Lage an den Kreditmärkten auch im Tech-Sektor weitgehend zum Stillstand. Doch die Aktienkurse vieler Tech-Unternehmen haben sich als relativ widerstandsfähig erwiesen. Zudem verfügen Tech-Firmen über vergleichsweise große Liquiditätsreserven, mit denen sich weitere attraktive Übernahmen finanzieren ließen.

Ganz gleich, ob Tech-Unternehmen durch M&A wachsen oder selbst neue Geschäftsfelder erschließen. Die Strategie wird bestimmt vom technologischen Wandel innerhalb eines Marktsegments und den Stärken des Unternehmens. Auf dieser Basis kann das Management gezielt in Produkte, Dienstleistungen, Partnerschaften, Fusionen und Übernahmen investieren.

„Der Umbruch im Technologiesektor beginnt gerade erst“, so Schorling. „Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten, der strategischen Herausforderungen und der dringlichen Frage nach der Vereinbarkeit von Technik und Gesellschaft müssen die Unternehmen kreativ und schnell agieren.“

(Pressemitteilung Bain & Company vom 16.11.2020)


Redaktion

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