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22.05.2019

Pharmabranche arbeitet an künftiger Ausrichtung

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© Olivier Le Moal/fotolia.com

Die größten Pharmaunternehmen der Welt haben ihre Umsätze aus dem Pharmageschäft 2018 leicht gesteigert: Sie gingen um 0,9 Prozent auf 460,8 Milliarden Euro nach oben. Gleichzeitig sank das operative Ergebnis aus dem Gesamtgeschäft der 22 untersuchten Konzerne um 1,8 Prozent auf 150,9 Milliarden Euro.

Die deutschen Unternehmen entwickelten sich insgesamt unterdurchschnittlich: Der Umsatz aus dem Pharmageschäft sank leicht um 0,3 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro, das Gesamt-EBIT gab um zwei Prozent auf 14,7 Milliarden Euro nach – lediglich Boehringer Ingelheim konnte das EBIT um 16,7 Prozent steigern, sonst wäre der Rückgang noch deutlicher ausgefallen.

Die Pharmaunternehmen weltweit haben zudem ihre Investitionen in die Zukunft gesteigert: Sie weiteten ihre Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Vergleich zu 2017 um 1,4 Prozent auf 88,7 Milliarden Euro aus.

Schon jetzt haben die Unternehmen ihre Pipeline prall gefüllt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Wirkstoffe, die sich in der klinischen Entwicklung befinden, um 4,6 Prozent. 2017 hatte es sogar einen noch deutlicheren Sprung um 17,2 Prozent gegeben.

Aufgrund des geringen Umsatzwachstums und der hohen Investitionen in die Zukunft sank allerdings die EBIT-Marge der 22 untersuchten Konzerne im zweiten Jahr in Folge und betrug durchschnittlich 25,6 Prozent. 2016 machte der operative Gewinn noch 26,8 Prozent des Gesamtumsatzes aus, 2017 waren es 26,4 Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 22 größten Pharmaunternehmen der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY erstellt hat.

„Die Pharmaunternehmen können sich weiter über hohe zweistellige Margen freuen“, kommentiert Gerd Stürz, Marktsegmentleiter Life Sciences für Deutschland, die Schweiz und Österreich bei EY. „Allerdings wachsen die Bäume auch in dieser Branche nicht mehr in den Himmel. Neue Wirkstoffe und echte Therapiedurchbrüche müssen erst teuer entwickelt werden. Der Erfolg ist ungewiss, das Risiko bleibt hoch. Regulatorische Anpassungen und Preisdiskussionen in wichtigen Märkten wie den USA belasten die Gewinnmarge zusätzlich.“

Siegfried Bialojan, Leiter des EY Life Science Center in Mannheim, ergänzt: „Die steigenden Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie die prall gefüllte Pipeline zeigen, dass die Pharmaunternehmen weiterhin auf die klassische Wirkstoffentwicklung setzen und versuchen, in ihren jeweiligen Haupttherapiegebieten die Marktführerschaft zu erreichen. Wenn es ihnen gelingt, ein bestimmtes Preisniveau durchzusetzen und das neu entwickelte Medikament in den wichtigsten Märkten zu etablieren, kann das künftiges Wachstum sichern. Allerdings ist der Wettbewerbsdruck in den größten Therapiebereichen wie der Onkologie enorm – vom großen Kuchen bleiben nur kleine Stücke.“

Top-Ten mit steigenden Kennzahlen – Verfolgerfeld bleibt zurück

Schon jetzt entwickelt sich die Branche mit zwei Geschwindigkeiten: Während die zehn umsatzstärksten Pharmaunternehmen ihre Umsätze und das operative Ergebnis weiter ausbauen konnten, sanken beide Kennzahlen beim Verfolgerfeld: Die Top Ten legten beim Umsatz aus dem Pharmageschäft um 2,6 Prozent und beim Gesamt-EBIT um 2,2 Prozent zu. Die zwölf dahinter folgenden Firmen mussten zusammen einen Umsatzrückgang von 2,2 Prozent hinnehmen und brachen beim EBIT sogar um 9,0 Prozent ein.

Das liegt vor allem auch daran, dass der Umsatz mit Krebsmitteln – den nach wie vor wichtigsten Wirkstoffen der Konzerne – auch weiterhin die höchsten Wachstumsraten aufweist: 5,3 Prozent von 2017 auf 2018. Die in der Onkologie führenden Unternehmen finden sich alle auch in den Top Ten der umsatzstärksten Unternehmen wieder: Roche, AbbVie und Johnson & Johnson konnten 2018 die höchsten Umsätze in diesem Therapiebereich verbuchen.

Auch die Umsätze mit Impfstoffen legten zuletzt deutlich zu – um 5,1 Prozent. Von den großen Therapiebereichen erzielte sonst nur noch die Augenmedizin leichte Zuwächse (+ 2,2 Prozent). In allen anderen Therapiebereichen gingen die Umsätze zurück.

64,2 Prozent der Umsätze mit Blockbuster-Medikamenten

Die Abhängigkeit von Blockbuster-Medikamenten nimmt erneut zu: 64,2 Prozent der Umsätze fuhren die Pharmakonzerne im vergangenen Jahr mit Wirkstoffen ein, die mehr als eine Milliarde Euro Umsatz bringen. Das sind 2,6 Prozentpunkte mehr als noch 2017.

„Eigentlich neigt sich die Ära der Blockbuster dem Ende zu“, sagt Bialojan. „Das Konzept ‚Eine Pille für alle‘ weicht immer mehr personalisierten Therapien. Insofern scheint die zunehmende Abhängigkeit von Blockbustern im Widerspruch dazu zu stehen. Allerdings haben die hohen Umsätze in dem Bereich auch damit zu tun, dass viele der neuen Therapien sehr hochpreisig sind.“

„Wir erleben derzeit in der Pharmabranche den Übergang von alten hin zu neuen Geschäftsmodellen“, sagt Stürz abschließend. „Die Pharmakonzerne werden sich künftig mit Hilfe digitaler Technologien immer stärker zu Gesundheitsdienstleistern entwickeln. Es wird für sie stärker darauf ankommen, über Plattformen Gesundheitsdaten zu analysieren und passgenaue Angebote für Patienten zu kreieren.“

(Pressemitteilung EY vom 20.05.2019)


Redaktion

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