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12.02.2021

Pharmabranche: Transaktionswert erreicht Tiefpunkt

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© gunmanza/fotolia.com

Die Life-Science-Branche weltweit hat sich 2020 mit Deals zurückgehalten: Das Volumen erreichte mit 159 Milliarden US-Dollar den niedrigsten Wert seit Durchführung des EY Firepower Reports im Jahr 2014. Damit folgt auf das Rekordjahr 2019 mit einem Dealvolumen von 306 Milliarden US-Dollar ein Einbruch um fast die Hälfte. Die Anzahl der Deals ging ebenfalls deutlich zurück: Nach 105 Deals im Jahr 2019 führten die Biopharma- und Medizintechnikunternehmen weltweit nur noch 89 Deals durch.

Kurz vor Jahresende verhinderte ein Mega-Deal sogar einen noch größeren Einbruch: Die im Dezember verkündete etwa 40 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Alexion Pharmaceuticals durch AstraZeneca machte alleine ein Viertel des gesamten Dealvolumens aus. Der US-Biotechkonzern Gilead tätigte mit der 20 Milliarden US-Dollar teuren Übernahme von Immunomedics den zweitgrößten Deal des Jahres.

Der Standort Deutschland entwickelte sich allerdings gegen den globalen Trend: Der Transaktionswert stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 9,8 Milliarden US-Dollar auf 26,7 Milliarden US-Dollar. Ein Großteil des Wertes ging auf das Konto des Medizintechnikkonzerns Siemens Healthineers, der für knapp 16,4 Milliarden US-Dollar das US-amerikanische Unternehmen Varian Medical Systems übernahm. Damit überstieg in Deutschland der Dealwert von Medtechunternehmen erstmals denjenigen von Biotech und Big Pharma.

Die Zurückhaltung der Branche bei Fusionen und Übernahmen lässt sie künftig bei der Firepower – also die Mittel, die Unternehmen für Zukäufe mobilisieren können –aus dem Vollen schöpfen: Sie lag auf dem Rekordniveau von 2019 von rund 1,47 Billionen US-Dollar. Davon investierten die Biopharma-Unternehmen 2020 aber lediglich zwölf Prozent und die Medtechunternehmen sogar nur sieben Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die Finanzdaten der größten Pharma-, Biotech- und Specialty-Pharma-Unternehmen bis zum Stichtag 31. Dezember 2020 untersucht wurden. Der „Firepower Index“ von EY misst die Kaufkraft von Biotech- und Pharma-Unternehmen bei M&A-Transaktionen auf der Grundlage ihrer Marktkapitalisierung, Barmittelwerte sowie Verschuldungsfähigkeit.

Klaus Ort, Leiter des Bereiches Life Sciences und Healthcare bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz: „Die Life-Science-Branche hat sich 2020 angesichts der Unsicherheiten durch Covid-19 mit Transaktionen zurückgehalten. Aber auch die offene Präsidentenwahl in den USA oder der zunächst ungeklärte Brexit trugen ihren Teil dazu bei. Wir haben schon im zweiten Halbjahr 2020 mehr Aktivität auf dem Markt gesehen. Vieles spricht jetzt für eine weitere Zunahme der Deals im Jahr 2021. Die Biotech- und Pharmaunternehmen konzentrieren sich immer stärker auf bestimmte Therapien wie Onkologie oder Immunkrankheiten, um stärker von Synergien profitieren zu können. Nicht benötigte Geschäftsfelder werden dagegen veräußert. Dies – zusammen mit viel vorhandener Liquidität bei strategischen Käufern aber auch bei Finanzinvestoren – schafft im laufenden Jahr zahlreiche Transaktionsgelegenheiten.“

Ort erwartet, dass die Unternehmen trotz wirtschaftlich unsicherem Umfeld weiter investieren und sich bei ihren Transaktionen auf bestimmte Bereiche fokussieren: „Führende Biowissenschaftsunternehmen werden ihren Fokus auf kleinere Zukäufe in therapeutischen Bereichen mit hoher Innovationskraft richten. Medtechunternehmen wiederum priorisieren Geschäftsbereiche, die auf die Bedürfnisse unseres sich weiterentwickelnden Gesundheitssystems ausgerichtet sind: Diagnostik und personalisierte medizinische Fähigkeiten.“
Trend zu Allianzen nimmt weltweit zu

2020 nahm der Trend zur Zusammenarbeit bei den Life-Science-Unternehmen zu: Weltweit stieg der Wert von Allianzen bis Ende November auf einen neuen Rekordwert von 140 Milliarden US-Dollar. Insgesamt kamen 261 Partnerschaften zustande – ebenfalls ein Rekordwert.

„Allianzen verringern das Risiko für die einzelnen Unternehmen auf hohen Forschungs- und Entwicklungskosten sitzen zu bleiben“, erläutert Ort. „Gerade in der Wirkstoffentwicklung lassen sich mit Partnern schnellere Ergebnisse erzielen. Aber auch Kooperationen mit Start-ups außerhalb der Branche werden immer sinnvoller, beispielsweise mit innovativen Technologie-Unternehmen. Gerade wenn es um die Erfassung und Auswertung von Daten geht, braucht die Branche Know-how von außen. Wir werden deswegen auch in Zukunft einen starken Trend zur Kollaboration sehen.“

Mehr Kapital für deutsche Unternehmen

Diese Entwicklung zeige sich auch in Deutschland. Gleichzeitig steige hierzulande die Sichtbarkeit der Branche an den internationalen Finanzmärkten, so Ort: „In anderen Ländern war es für Biopharmas und Medtechunternehmen in der Vergangenheit oft einfacher, Risikokapital zu erhalten. Hierzulande hatten oft die Sichtbarkeit und die Risikobereitschaft gefehlt. Für die Entwicklung der Branche ist es daher ein gutes Zeichen, dass wir 2020 nicht nur die höchsten Werte bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen von deutschen Biopharmas registriert haben, sondern auch beim Venture Capital.“

So sammelte das Tübinger Biotechunternehmen Curevac bei seinem Börsengang 250 Millionen US-Dollar ein – der höchste Wert eines deutschen Biopharma-Unternehmens bisher. Rechnet man Biopharmas und Medizintechnikunternehmen zusammen, war allerdings 2018 das bislang beste Börsenjahr für deutsche Konzerne: Das Medizintechnikunternehmen Siemens Healthineers kam 2018 bei seinem Börsengang auf 5,2 Milliarden US-Dollar.

(Pressemitteilung EY vom 12.02.2021)


Redaktion

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