22.05.2017

Politische Entwicklungen beschäftigen CFOs

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Politische Entwicklungen prägen aktuell die wirtschaftliche Lage in außergewöhnlich hohem Maße. Die deutschen CFOs nehmen diese politischen Entwicklungen sehr ernst und betrachten sie nach wie vor als die größten Risiken für ihre Unternehmen.

Politische Entwicklungen prägen aktuell die wirtschaftliche Lage in außergewöhnlich hohem Maße. Die deutschen CFOs nehmen diese politischen Entwicklungen sehr ernst und betrachten sie nach wie vor als die größten Risiken für ihre Unternehmen. 

Populistische Wirtschaftspolitik in wichtigen Märkten halten 60 Prozent der CFOs für wahrscheinlich und jeder Zweite sieht darin eine Bedrohung für die eigene Industrie, wie der aktuelle Deloitte CFO-Survey zeigt. Wachsenden Protektionismus halten sogar zwei Drittel der CFOs für wahrscheinlich. Als Reaktion auf das Weltgeschehen überprüfen zahlreiche CFOs sowohl Investitionen als auch die Lieferketten ihres Unternehmens und integrieren politische Risiken in ihr Risikomanagement. Befürchtungen vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone stellen allerdings aktuell keine große Bedrohung mehr dar. Trotz der hohen Unsicherheit ist der Optimismus der Finanzchefs so groß wie lange nicht mehr. Die Finanzvorstände wollen angesichts der guten Konjunkturdaten ihre Investitionen erstmals wieder nennenswert erhöhen und offensiver in das Marktgeschehen eingreifen. Auf europäischer Ebene ist die Stimmung zwar generell positiv, die CFOs aus Großbritannien erwarten jedoch signifikante Investitions- und Einstellungseinbußen.

„Die Entscheidung, mehr zu investieren, wird für zahlreiche positive Impulse sorgen. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Die geopolitisch schwierige Lage erfordert allerdings ein aktives Management der politischen Risiken, um das Wachstum krisenfest zu machen“, erklärt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte.

Schreckgespenst Protektionismus

Das Primat der Politik über die Wirtschaft ist ein viel diskutiertes Thema. Nach mehrheitlicher Auffassung der CFOs sind es politische Einflüsse, die ihnen zurzeit die größten Sorgen machen. Vor allem betrifft das Impulse gegen den freien Handel und offene Märkte, die für eine positive Entwicklung insbesondere exportorientierter Unternehmen elementar sind. Steigender Protektionismus und populistische Strömungen in angelsächsischen, aber auch osteuropäischen Ländern könnten die ansonsten durchaus positive Konjunkturentwicklung bremsen und gerade deutschen Unternehmen erheblich schaden. Vor mehr Protektionismus und einer unberechenbaren, populistischen Wirtschaftspolitik fürchten sich ganz konkret 44 bzw. 48 Prozent der CFOs – also fast die Hälfte.

Verschärftes Risikomanagement

Die Situation wird sich in dieser Hinsicht so schnell nicht zum Besseren wenden, so die Einschätzung der Studienteilnehmer. Zwei Drittel erwarten, dass der Protektionismus weiter zunimmt, immer noch 60 Prozent fürchten mehr populistisch motivierte Wirtschaftspolitik in wichtigen Märkten. Insbesondere Maschinenbau, Tech-Sektor, Banken und Immobilienfirmen sowie Konsumgüterhersteller gehören zu dieser Gruppe – und wollen ihre Investitionen und Supply Chains entsprechend überprüfen. Vor allem Banken unterziehen ihre Investitionspläne einer scharfen Revision (58%), während Konsumgüterunternehmen ihre Lieferketten genauer unter die Lupe nehmen (79%). Branchenübergreifend kommt dem politischen Risikomanagement und der Integration politischer Risiken in die strategische Planung künftig ein deutlich höherer Stellenwert zu. Erheblich entspannt hat sich die Situation aus Sicht der CFOs im Hinblick auf die Eurozone. Nur 7 Prozent befürchten noch ein mögliches Auseinanderbrechen.

Gute wirtschaftliche Lage

Sieht es aus Sicht vieler CFOs in politischer Hinsicht in einigen Märkten eher finster aus, so trifft auf die generelle wirtschaftliche Lage und auch die eigenen ökonomischen Aussichten das Gegenteil zu. Mit 96 Prozent schätzen fast alle Finanzvorstände die wirtschaftliche Situation in Deutschland als gut oder sehr gut ein, 72 Prozent sehen Ähnliches für die USA, 58 Prozent für China und immer noch 39 Prozent für die Eurozone. Daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern: Für jede dieser Weltregionen überwiegen die optimistischen Prognosen. Insbesondere die Beurteilung der Eurozone hat sich seit vergangenen Herbst deutlich verbessert.

Politische Unsicherheit auf Höchststand

Kritische politische Lage, gute konjunkturelle Aussichten: Was wie ein klarer Widerspruch daherkommt, sorgt entsprechend für eine zunehmende Unsicherheit. In dieser Hinsicht hat die Einschätzung der Unsicherheit unter den CFOs einen der höchsten Werte in den letzten fünf Jahren erreicht. Über die Hälfte der Studienteilnehmer konstatiert eine hohe oder sogar sehr hohe Unsicherheit – vor allem Vertreter der exportorientierten Maschinenbau- und Technologiebranche.

Uneinigkeit über Zukunft der europäischen Union

Im europäischen Vergleich ist die Lage unter CFOs positiv und reflektiert den Konjunkturaufschwung: Die Geschäftsaussichten haben sich seit dem Herbst 2016 deutlich verbessert. Italien und Großbritannien haben dagegen eher zurückhaltende Erwartungen. Großbritannien rechnet als einziges Land mit einem signifikanten Investitions- und Einstellungsrückgang. Große Uneinigkeit herrscht über den vielversprechendsten Weg für die europäische Union. Zentraleuropäische CFOs aus Deutschland, Belgien, Österreich und den Niederlanden sind Anhänger eines Europas der unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die süd- und osteuropäischen CFOs wollen in ihrer großen Mehrheit eine verstärkte politische und ökonomische Integration.

Renaissance der offensiven Strategien

Die Unsicherheit soll frontal angegangen werden: Das sagen immerhin 41 Prozent der Befragten – und damit erstmals deutlich mehr als jenes knappe Drittel, das lieber weiterhin defensiv agieren möchte. Hier deutet sich ein Paradigmenwechsel in deutschen Führungsetagen an. Die Unternehmen zeigen wieder mehr strategische Risikofreude und setzen dabei vor allem auf Innovationen. Noch vor einem Jahr zeigte sich nur die Hälfte der Befragten betont innovationsfreudig. Heute sind es zwei Drittel, darunter insbesondere Vertreter der Konsumgüterindustrie und des Maschinenbaus. Dass damit auch die Investitionen anziehen, erschließt den Unternehmen neue Möglichkeiten und erweitert ihren Handlungsspielraum entscheidend.

„Dass die Unternehmen jetzt von ‚Verteidigung‘ auf ‚Angriff‘ umschalten, ist angesichts der positiven wirtschaftlichen Situation sinnvoll. Die Investitionsbereitschaft im Maschinenbau und der Immobilienbranche zeigt den Weg in Richtung der voranschreitenden Digitalisierung auch des Finanzbereichs. Beide wollen vermehrt in Innovationen investieren“, resümiert Rolf Epstein, Partner und Leiter Finance Consulting bei Deloitte.

(Pressemitteilung Deloitte vom 18.05.2017)


Redaktion

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