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08.01.2021

Private Equity-Markt überwindet Corona-Schock: Mehr Deals im zweiten Halbjahr

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© stanciuc/fotolia.com

Der deutsche Private Equity-Markt hat den Corona-Schock überwunden: Nachdem die Zahl der Deals im ersten Halbjahr 2020 noch deutlich zurückgegangen war, investierten Finanzinvestoren im zweiten Halbjahr 2020 wieder häufiger: Sie tätigten 127 Deals und damit 33 mehr als im ersten Halbjahr. Auf das Gesamtjahr gesehen ging das Volumen im Vergleich zu 2019 aber von 225 Deals auf 221 Deals zurück, so eine Analyse des deutschen Private Equity-Marktes durch das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young.

Der gesamte Dealwert des Jahres 2020 übertraf mit 34,6 Mrd. Euro sogar den Wert des Vorjahres in Höhe von 32,2 Mrd. Euro. Das lag allerdings vor allem am ersten Halbjahr, in das mit dem Verkauf der Aufzugssparte von thyssenkrupp für 17,2 Mrd. Euro der bislang größte Buyout überhaupt in Deutschland fiel. Das zweite Halbjahr blieb mit einem Wert von 10,4 Mrd. Euro sowohl hinter der ersten Jahreshälfte als auch hinter dem Vorjahreszeitraum zurück.

Zwar kamen in der zweiten Jahreshälfte immerhin drei Megadeals im Wert von mehr als einer Milliarde Euro zustande – allerdings reichten die Verkaufswerte nicht annähernd an den thyssenkrupp-Deal heran. Der Kauf der Siemens-Tochter Flender durch Carlyle brachte 2,0 Mrd. Euro ein, die Käufe des Pharmaunternehmens Neuraxpharm durch Permira sowie des Gebäudedienstleisters Apleona durch PAI Partners jeweils 1,6 Mrd. Euro.

Private Equity-Häuser haben sich schnell vom Corona-Schock erholt

Die Corona-Pandemie hat den Private Equity-Markt im ersten Halbjahr ausgebremst, stellen die Studienautoren fest. Auch die Finanzinvestoren mussten mit einer Situation umgehen, die bisher einzigartig gewesen sei. Deswegen haben sie sich laut der Analyse zunächst zurückgehalten und geplante Deals auf Eis gelegt. Im zweiten Halbjahr haben sich die Private Equity-Häuser aber schnell von dem Schock erholt: Die Transaktionen nahmen wieder Fahrt auf und liegen erneut auf einem hohen Niveau, so die Auswertung.

Laut der Studienautoren gibt es wieder deutlich mehr Aktivität im Markt. Die Private Equity-Häuser könnten die Auswirkungen der Pandemie auf ihr Portfolio inzwischen besser einschätzen und gegebenenfalls gegensteuern. Es gebe nach wie vor viel Anlagekapital im Markt, weshalb die Finanzinvestoren wieder vermehrt Transaktionen in Angriff nehmen. Der Studie zufolge wird nicht damit gerechnet, dass der neue Lockdown in Deutschland den Private Equity-Markt wesentlich beeinflussen wird. Alle Marktteilnehmer haben gelernt, mit der Situation umzugehen, so die Einschätzung der Studienautoren.

Strategische Investoren zeigen sich zurückhaltender als Finanzinvestoren

Viel zurückhaltender als Private Equity-Häuser zeigten sich 2020 strategische Investoren: Sie tätigten im Gesamtjahr nur 425 Deals – das waren 25% weniger als im Vorjahr und entspricht der Analyse zufolge dem niedrigsten Wert seit 2010. Der Dealwert 2020 fiel mit 34,7 Mrd. Euro um 16% niedriger als der Vorjahreswert aus. Unternehmen mussten sich 2020 angesichts der Pandemie zunächst mal darauf konzentrieren, das eigene Haus aufzuräumen und die Finanzen in Ordnung zu halten, erklären die Autoren der Studie. Viele befanden sich selbst auf der Verkäuferseite, weil sie Unternehmensteile, die nicht zum Portfolio passen, abstoßen wollten. Für strategische Investitionen blieb da relativ wenig Raum.

Entsprechend fanden Private Equity-Häuser auf Seiten der strategischen Investoren auch weniger Abnehmer: Es kamen nur 46 sog. Exits – also Verkäufe von Finanzinvestoren an strategische Investoren – zustande. Im Vorjahr waren wurden 53 Deals durchgeführt. Allerdings stieg der Wert der Exits um 100% von 3,2 Mrd. Euro auf 6,3 Mrd. Euro, so die Studie.

Die meisten Transaktionen (57) in der Informationstechnologie

Mit 57 Transaktionen wurden die meisten Private Equity-Deals in der Informationstechnologie durchgeführt, gefolgt von 40 gezeichneten Deals im Industriesektor.

Finanzinvestoren schauen sich weiter nach attraktiven, zukunftsorientierten Übernahmeobjekten um, betonen die Autoren der Studie. Insbesondere Technologieunternehmen oder moderne Industrieunternehmen stünden daher im Fokus. Sie weisen auch jetzt in Pandemiezeiten einen stabilen Cashflow aus – und bieten meist mit einer prognostizierbaren positiven Entwicklung Sicherheit für Investoren. Für das Jahr 2021 erwarten die Private Equity-Experten eine weitere Erholung des Deal-Marktes, insbesondere von Seiten der Private Equity-Häuser. Dadurch dass auf Käuferseite weiterhin Finanzierungsmöglichkeiten auf einem hohen Niveau vorhanden sind und damit zu rechnen ist, dass sich die Profitabilität von Übernahmeobjekten nach der Krise verbessert, wird auch das Preisniveau auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren bleiben, so das Fazit der Studienautoren.

(Pressemitteilung Ernst & Young vom 29.12.2020)


Redaktion

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