Der globale Private-Equity-Markt hat sich im ersten Halbjahr 2026 trotz geopolitischer Konflikte, steigender Inflation und unterschiedlicher Zinspolitiken als widerstandsfähig erwiesen. Weltweit wurden 1,0 Billion US-Dollar in 9.294 Transaktionen investiert. Damit bewegt sich das Investitionsvolumen weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Zahl der Transaktionen entwickelte sich dagegen deutlich schwächer. Im rollierenden Zwölfmonatszeitraum sank das Investitionsvolumen leicht von 2,4 auf 2,3 Billionen US-Dollar, während die Zahl der Deals von 21.060 auf 20.105 zurückging und damit den niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren erreichte. Das zeigt der aktuelle Pulse of Private Equity Q2’26 von KPMG.
Europa behauptet sich im globalen Wettbewerb
Während das Investitionsvolumen in den Americas im Zwölfmonatsvergleich leicht zurückging, konnte die EMA-Region ihre Dynamik behaupten. Das rollierende Investitionsvolumen stieg von 775,7 auf 782,4 Milliarden US-Dollar. Deutschland erzielte in dieser Periode ein Investitionsvolumen von 88,6 Milliarden US-Dollar und bleibt damit einer der wichtigsten Private-Equity-Märkte Europas. Zu den größten Transaktionen der Region im ersten Halbjahr zählte der 8,6 Milliarden US-Dollar schwere Buyout des deutschen Motoren- und Turbomaschinenherstellers Everllence durch Bain Capital, der den Markttrend hin zu Carve-outs weiter unterstreicht.
Nachfolgewelle eröffnet neue Chancen für Partnerschaften
Bei deutschen Familienunternehmen treffen derzeit mehrere strukturelle Entwicklungen zusammen. Digitalisierung, KI, geopolitische Unsicherheiten und die anstehende Nachfolge vieler Unternehmerfamilien erhöhen den Bedarf an Kapital, Expertise und Transformationskompetenz. Private Equity kann dabei eine wichtige Rolle als strategischer Partner spielen.
Nach einer aktuellen KPMG-Analyse könnten allein in Deutschland in den kommenden zehn Jahren rund 260 bis 295 Unternehmen mit einem EBITDA von mehr als zehn Millionen Euro im Rahmen einer Nachfolge einen Verkauf an eine externe Partei in Betracht ziehen. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass Familienunternehmen mit Private-Equity-Beteiligung deutlich schneller wachsen als Vergleichsunternehmen ohne PE-Investor. In der untersuchten Stichprobe lag das durchschnittliche Umsatzwachstum im Zeitraum 2019 bis 2024 bei 12,2 Prozent gegenüber 6,0 Prozent, das EBITDA-Wachstum bei 16,2 Prozent gegenüber 7,8 Prozent.
Qualität schlägt Quantität am Exit-Markt
Gleichzeitig bleibt der Exit-Markt herausfordernd. Zwar erreichte der globale Exit-Wert im ersten Halbjahr 2026 mit 570 Milliarden US-Dollar ein solides Niveau, die Zahl der Exits fiel mit 1.315 Transaktionen jedoch auf die niedrigste Aktivität seit mehr als fünf Jahren.
Auch in der EMA-Region zeigte sich dieses Bild: Trotz vergleichsweise geringer Verkaufsaktivität lag der Exit-Wert zur Jahresmitte bei 200,3 Milliarden US-Dollar. Käufer konzentrieren sich auf hochwertige Unternehmen, die weiterhin attraktive Bewertungen erzielen. Viele Investoren halten Beteiligungen daher länger und nutzen zunehmend Secondary-Transaktionen oder Continuation Vehicles, um Liquidität für ihre Investoren zu schaffen.
Energie, KI und Nachfolge bleiben zentrale Treiber
Für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet KPMG ein weiterhin robustes, aber selektives Marktumfeld. Besonders die Bereiche Energie sowie KI- und Dateninfrastruktur dürften Investoren weiterhin anziehen. Zugleich richtet sich der Blick verstärkt auf den US-IPO-Markt, dessen Entwicklung zusätzliche Impulse für das globale Exit-Geschehen liefern könnte. Für Deutschland dürften insbesondere die anstehende Nachfolgewelle sowie der steigende Transformationsbedarf dazu führen, dass strategische Partnerschaften zwischen Familienunternehmen und Private Equity weiter an Bedeutung gewinnen.
(KPMG vom 20.08.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

