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20.07.2018

Private Equity: Volumen steigt auf Zehn-Jahres-Hoch

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© alexlmx/fotolia.com

Finanzinvestoren waren im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland sehr aktiv: Insbesondere drei Großtransaktionen von jeweils über einer Milliarde Euro haben das Gesamtvolumen auf 10,7 Milliarden Euro und damit auf den höchsten Wert seit der Finanzkrise steigen lassen. Im Vorjahreszeitraum betrug der Gesamtwert der Transaktionen lediglich 5,3 Milliarden Euro – damals hatte es nicht einen Deal über einer Milliarde Euro gegeben.

Alleine die drei Milliardeninvestitionen kamen zusammen auf einen Wert von 7,3 Milliarden Euro. Am meisten Geld brachte der Verkauf des Eschborner Energiedienstleisters Techem ein, der für 4,6 Milliarden Euro von einem Konsortium angeführt durch die Schweizer Partners Group Holding gekauft wurde. Die Reederei Scandlines wechselte für 1,7 Milliarden Euro den Besitzer. Auch der Verkauf der HSH Nordbank für eine Milliarde Euro trug zur hohen Gesamtsumme bei.

Die Zahl der Transaktionen ging zwar gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht von 97 auf 96 zurück. Allerdings wurde damit immer noch die zweithöchste Dealanzahl seit zehn Jahren gemessen.

Strategische Investoren hielten sich dagegen insgesamt merklich zurück. Das Volumen der Transaktionen lag mit 13,3 Milliarden Euro zwar immer noch über dem Private-Equity-Volumen. Allerdings sackte der Wert gegenüber den 23,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum deutlich ab. Die Zahl erreichte mit 218 sogar einen Tiefstwert für den gesamten Erfassungszeitraum.

Das sind Ergebnisse einer Analyse des deutschen Private-Equity-Marktes durch das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY (Ernst & Young).

„Finanzinvestoren suchen angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase weiter nach attraktiven Investitionszielen“, beobachtet Michael Kunz, EY-Partner und Leiter Private Equity für Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Sie verfügen über viel Kapital, das investiert werden muss. Allerdings ist die Zahl potentieller Ziele begrenzt. Gerade für profitable Übernahmekandidaten, die auch für die Zukunft weiteres Wachstum versprechen, greifen Finanzinvestoren daher tief in die Tasche.“

Auch Wolfgang Taudte, Partner bei EY, sieht ein anhaltend großes Interesse von Finanzinvestoren an Unternehmen in Deutschland: „Der jahrelange wirtschaftliche Aufschwung hat dazu geführt, dass zahlreiche Unternehmen in einer guten Verfassung sind. Finanzinvestoren sehen sie inzwischen verstärkt als Langzeitinvestition und bauen auf eine nachhaltige Entwicklung mit langfristiger Rendite.“

50 Unternehmensbeteiligungen für 10,2 Milliarden Euro verkauft

Die Verkäufe deutscher Unternehmensbeteiligungen – sogenannte Exits – erreichten ebenfalls ein Top-Niveau für ein erstes Halbjahr: Insgesamt konnten Finanzinvestoren 50 Beteiligungen mit einem Gesamtwert von 11,3 Milliarden Euro verkaufen. Der Gesamtwert ist der höchste seit dem 1. Halbjahr 2013.

Das hohe Interesse von Finanzinvestoren an Anlagemöglichkeiten zeigt sich unter anderem daran, dass die Zahl der sogenannten Secondary Buyouts (Verkäufe an Finanzinvestoren) mit 26 den höchsten Wert überhaupt für ein erstes Halbjahr darstellt.

Strategische Investoren investieren seltener, zahlen aber mehr

Strategische Investoren traten seltener als Abnehmer auf: Nur 22 Beteiligungen verkauften Finanzinvestoren an Unternehmen. Zuletzt war der Wert im 1. Halbjahr 2013 mit 20 Verkäufen noch geringer. Dafür griffen sie aber vergleichsweise tief in die Tasche und zahlten insgesamt 2,7 Milliarden Euro – ein Wert, der drei Mal so hoch ist wie im Vorjahreszeitraum.

„Finanzinvestoren treten zunehmend als Konkurrenz für strategische Investoren auf“, stellt Taudte fest. „Da die Anzahl der Ziele im Markt begrenzt ist, werden Finanzinvestoren immer kreativer und professionalisieren ihre Strukturen zusehends. Dadurch bauen sie ein gutes Sektoren-Know-how auf. Strategische Investoren müssen angesichts der Konkurrenz um Übernahmeziele tiefer in die Tasche greifen. Die Preise gehen also tendenziell weiter nach oben.“

Kunz rechnet mit einem Anhalten der regen Investitionstätigkeit: „Sollte nicht noch ein Schock etwa durch eine Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und dem Rest der Welt oder durch den Brexit auftreten, könnte das Dealvolumen in diesem Jahr ein Rekordniveau erreichen. Der Markt läuft weiter sehr heiß. Wir sehen zahlreiche Deals, die noch in der Pipeline sind.“ Das liege gerade auch an der Unsicherheit durch mögliche geopolitische Änderungen: „Die Unternehmen müssen sich neu aufstellen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Auch die Digitalisierung verändert die Geschäftsmodelle und führt dazu, dass sich Unternehmen von Bereichen trennen und andere zukaufen. Dadurch ist insgesamt viel Bewegung auf dem Markt.“

(Pressemitteilung EY vom 19.07.2018)


Redaktion

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