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29.08.2022

Rekordumsatz trotz Absatzeinbruch: Autokonzerne profitieren weiter von hohen Preisen

Die durch die Chipkrise ausgelöste Sonderkonjunktur hält vorerst an. Der Umsatz der 16 größten Autobauer der Welt ist im zweiten Quartal auf neuen Höchstwert gestiegen. Die Autokonzerne konnten ihren Gesamtumsatz im zweiten Quartal um 13% steigern – obwohl die Zahl der verkauften Pkw gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10% eingebrochen ist. Die stärksten Absatzeinbußen verzeichneten die Unternehmen in China, wo die Verkäufe um 24% schrumpften. In den USA ging es um 21% nach unten, in Westeuropa um 17%. Mit einem Umsatz von knapp 70 Mrd. € war Volkswagen Spitzenreiter vor Toyota (61 Mrd. €) und Stellantis (44 Mrd. €). Die höchsten Gewinne verzeichneten Mercedes-Benz (4,6 Mrd. €), Volkswagen (4,5 Mrd. €) und Toyota (4,2 Mrd. €), so eine Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY quartalsweise erstellt.

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Operativer Gewinn sinkt um 9%, Marge nähert sich Vorkrisenniveau

Bei den Gewinnmargen hatte hingegen erneut Tesla die Nase vorn: Der kalifornische Elektroautobauer erzielte eine Marge von 14,6% und lag damit vor Mercedes-Benz (12,7%) und Kia (10,2%). Die Durchschnittsmarge der untersuchten Unternehmen lag mit 7,9% deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum (9,8%) und nur noch leicht über dem Vor-Pandemie-Niveau: Zwischen 2013 und 2019 hatte die Gewinnmarge der Autokonzerne im Durchschnitt 6,7% betragen.

Nachfrage größer als das Angebot, doch Chipmangel ist der begrenzende Faktor

Laut der Untersuchung ist die Nachfrage nach wie vor größer als das Angebot – das gibt den Autokonzernen weiter Rückenwind. Der Chipmangel ist der wichtigste begrenzende Faktor. Die raren Halbleiter werden vor allem in margenstarke Fahrzeuge eingebaut; gleichzeitig müssen die Hersteller kaum noch Preisnachlässe gewähren, sondern können teilweise sogar Preiserhöhungen durchsetzen, erklären die Studienautoren. Das treibe den Umsatz bei den meisten Herstellern in die Höhe. Nur zwei Unternehmen – Renault und Mazda – verzeichneten im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang, während 13 Unternehmen rückläufige Absatzzahlen vermeldeten.

Die Zeiten der Traummargen sind wohl bald vorbei

Dass die Profitabilität nicht mehr wie in den Vorquartalen steigt, werten die Studienautoren als Zeichen einer beginnenden Normalisierung der Lage in der Branche. Die Zeiten der Traummargen seien wohl bald vorbei, denn in den kommenden Monaten dürfte sich die Versorgung mit Halbleitern langsam verbessern, sodass die Pkw-Produktion wieder etwas an Fahrt gewinne. Gleichzeitig sehen die Autoren der Studie zunehmende Probleme auf der Nachfrageseite: Es drohen eine weltweite Rezession und eine Energiekrise in Europa, Verbraucher und Unternehmen werden vorsichtiger bei Investitionen. Die Branche müsse sich daher auf eine schwächere Nachfrage einstellen. Das werde zuerst das Volumensegment zu spüren bekommen. Gleichzeitig rechnen die Studienautoren damit, dass es bei den Material-, Logistik- und Energiepreisen keine Entspannung geben wird und die Neuwagenpreise damit vorerst hoch bleiben.

Schwieriger Absatzmarkt China

Auf dem gerade für die deutschen Hersteller besonders wichtigen chinesischen Markt verzeichneten alle untersuchten Unternehmen im zweiten Quartal teils massive Absatzeinbußen – insgesamt um 24%. Die drei deutschen Konzerne verbuchten ein Minus von insgesamt 19%. Der Anteil Chinas am weltweiten Pkw-Absatz der deutschen Konzerne schrumpfte damit von 37,4% im Jahr 2021 auf nur noch 34,2% im zweiten Quartal dieses Jahres. Unter anderem machten Corona-bedingte Lockdowns den Autokonzernen das Leben schwer. China erweist sich zunehmend als herausfordernder Markt, die Zeiten unbegrenzten Wachstums sind längst vorbei, stellen die Studienautoren fest. Gerade im boomenden Elektro-Segment werden derzeit die Karten neu gemischt. Die Herausforderung bestehe darin, die richtigen E-Modelle mit den in China stark nachgefragten Software-Features am Start zu haben.

Premiumstrategie zahlt sich aus

Nicht nur in China, sondern weltweit zahlt sich derzeit der Fokus auf hochpreisige Premiumfahrzeuge gerade für die deutschen Konzerne aus. Daran dürfte sich der Studie zufolge vorerst wenig ändern. Die Hersteller verdienen derzeit mit Premiumautos zu Premiumpreisen viel Geld – und das schließt E-Autos ein. Zahlreiche sehr attraktive und leistungsstarke E-Autos kommen zudem in den kommenden Monaten auf den Markt, erklären die Studienautoren. Die Nachfrage im gehobenen Segment sei groß, die Bereitschaft, einen Premiumaufschlag zu zahlen, ebenfalls. Gleichzeitig werde das Angebot im Kleinwagensegment immer dünner – weil es sich für die Hersteller immer weniger lohne, derartige Autos zu entwickeln und zu produzieren.

Die Transformation vom klassischen Autohersteller zum softwaregetriebenen Mobilitätskonzern kostet sehr viel Geld. Dieses Geld wird in der Oberklasse verdient, so das Fazit der Studienautoren. Der Fokus auf margenstarke Premiumfahrzeuge mache strategisch und aus betriebswirtschaftlicher Sicht also absolut Sinn. Für Autokäufer mit schmalem Geldbeutel rückte der Autokauf allerdings in weite Ferne.

(Pressemitteilung EY vom 26.08.2022)


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