16.04.2024

Rezessionsrisiko spürbar gesunken

Autokonzerne auf der Überholspur

©alphaspirit/123rf.com

Der IMK-Konjunkturindikator zeigt erstmals seit Monaten nicht mehr „rot“, sondern „gelb-rot“, was eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit signalisiert, aber keine akute Rezessionsgefahr mehr.

Die Aussichten für die Konjunktur in Deutschland hellen sich langsam auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den nächsten drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist in den letzten Wochen spürbar gesunken. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für das zweite Quartal 2024 von April bis Ende Juni weist der Indikator, der die neuesten verfügbaren Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt, eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 48,7 % aus. Anfang März betrug sie für die folgenden drei Monate noch 58,3 %. Die statistische Streuung im Indikator, in der sich die Verunsicherung der Wirtschaftsakteure ausdrückt, ist mit 18,7 % zwar relativ hoch und etwas gestiegen. Der Rückgang des Rezessionsrisikos ist aber so stark, dass das nach dem Ampelsystem arbeitende Konjunktur-Frühwarninstrument erstmals seit Juni 2023 nicht mehr „rot“ anzeigt. Stattdessen wechselt er auf „gelb-rot“, was eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit signalisiert, aber keine akute Rezessionsgefahr mehr.

Produktion erholt sich

Der spürbare Rückgang des Rezessionsrisikos beruht vor allem darauf, dass sich die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe nach den aktuellsten verfügbaren Daten erholt hat. Da sich die Energiepreise stabilisiert haben, geht das IMK davon aus, dass auch die Produktion in energieintensiven Branchen und insbesondere in der Chemieindustrie „ihren Tiefpunkt durchschritten“ und weiteres Aufwärtspotenzial hat. Für eine weitere Erholung der Industrieproduktion sprechen auch Zuwächse beim Export. Weitere Positiv-Faktoren für die Konjunktur sind aufgehellte Stimmungs- und Finanzmarktindikatoren. So hat sich der „Finanzmarktstress“, den das IMK mit einem eigenen Indikator ermittelt, ebenfalls spürbar entspannt.

Mehrzahl konjunktureller Frühindikatoren aufwärtsgerichtet

Unter dem Strich „zeigt sich nunmehr eine Mehrzahl konjunktureller Frühindikatoren aufwärtsgerichtet“, fasst IMK-Konjunkturexperte Peter Hohlfeld die aktuelle Situation zusammen. Zwar gebe es Ausreißer, etwa die schwachen Einzelhandelsumsätze. „Eine Aufhellung der Konjunktur deutet sich aber stärker an als in den Vormonaten.“ Die neuen Indikatorwerte stehen in Einklang mit der aktuellen IMK-Konjunkturprognose, wonach sich die deutsche Wirtschaft nach einer Rezessionsphase im Winter langsam aus ihrer Flaute arbeitet. Dabei kommen zunehmend vom privaten Konsum wichtige Impulse. „Im Jahresverlauf dürfte dann neben der steigenden Auslandsnachfrage auch die sich angesichts moderater Inflation und weiter steigender Löhne deutlich verbessernde Kaufkraft der Haushalte dafür sorgen, dass es zu einer Belebung der Konjunktur kommt“, erklärt Hohlfeld.

(Hans-Böckler-Stiftung vom 15.04.2024 / RES JURA Redaktionsbüro)


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