09.05.2016

Schäuble blockiert Risikokapital

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

Deutschen Start-ups mangelt es an Kapital. Finanzminister Schäuble blockiert jedoch das im Koalitionsvertrag vereinbarte Wagniskapitalgesetz, das Abhilfe schaffen sollte. Eine wichtige Maßnahme soll trotzdem kommen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält nichts davon, Risikoinvestments staatlich zu fördern. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen wird die Große Koalition deshalb in dieser Legislaturperiode nicht wie eigentlich vereinbart ein Wagniskapitalgesetz auf den Weg bringen. „Es ist aus meiner Sicht nicht genug Stoff da, um ein gebündeltes Wagniskapitalgesetz zu machen“, sagt Schäubles Staatssekretär Jens Spahn im Interview mit dem Handelsblatt. Zwar laufen derzeit noch die Verhandlungen zwischen dem Ressort und dem Wirtschaftsministerium. In Kreisen des Ministeriums wird aber eingeräumt, dass die Erfolgsaussichten für ein Gesetz gering seien. „Schäuble will nicht“, heißt es.

Deutschland droht den Anschluss zu verlieren

Die Hartleibigkeit des Finanzministers bringt die SPD auf: „Es ist ein völlig falsches Signal von Schäuble, nun das Venture-Capital-Gesetz zu beerdigen und so Innovationen und Gründungen zu bremsen“, kritisiert der netzpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Lars Klingbeil. Ulrike Hinrichs, Vorstandsmitglied im Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, warnt: „Deutschland droht hier den Anschluss an Länder wie Frankreich und Großbritannien zu verlieren, die bezogen auf das Sozialprodukt wesentlich mehr in Risikokapital investieren.“

Schäuble aber bezweifelt offenkundig, dass die unterentwickelte Start-up-Szene durch steuerliche Maßnahmen wirklich belebt werden kann. Vielmehr mangele es an der Risikobereitschaft institutioneller Investoren in Deutschland. International schneidet die Bundesrepublik jedenfalls nicht gut ab: Die Summe des investierten Risikokapitals stieg zwar 2015 auf 780 Millionen Euro. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt haben Gründer in den USA aber zehnmal so viel Kapital zur Verfügung wie in Deutschland, in Israel sogar zwanzigmal so viel. Vor allem bereits erfolgreiche Firmen, die zweistellige Millionenbeträge für weiteres Wachstum benötigen, tun sich schwer hier.

Problem mit den Verlustvorträgen sollte zumindest gelöst werden

Spahn setzt sich deshalb dafür ein, Deutschland auch ohne Wagniskapitalgesetz attraktiver für Investoren zu machen. Wichtigster Punkt: Verlustvorträge. Man suche derzeit in Gesprächen mit der EU-Kommission nach Möglichkeiten, damit dies nicht als unzulässige Beihilfe bewertet werde, so Spahn.

„Natürlich wäre ein Wagniskapitalgesetz die beste Lösung. Aber bevor wir jetzt gar nichts bekommen, sollte wenigstens das Problem mit den Verlustvorträgen gelöst werden“, sagt der CDU-Abgeordnete Carsten Linnemann, Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU. Die Branche hofft auf Fortschritt bei dem Thema: „Von dieser Maßnahme würden sowohl Investoren als auch Gründer direkt profitieren“, lobt Niklas Veltkamp, Geschäftsführer beim IT-Verband Bitkom.

(Quelle: Handelsblatt vom 06.05.2016)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

pitinan/123.rf.com

16.04.2026

Finanzverantwortlichen fehlen Mindestregeln für KI-Einsatz

Fast die Hälfte (45 %) der Unternehmen, die sich selbst als „KI-Vorreiter“ bezeichnen, verfügen laut einer neuen Studie von Payhawk nicht über die notwendigen grundlegenden Governance-Strukturen, um KI sicher in Finanzprozessen zu skalieren. Die aktuelle Studie stellt zudem die gängige Annahme infrage, dass die KI-Reife entlang eines definierten Pfads erläuft. Selbst innerhalb der Kategorie der

Finanzverantwortlichen fehlen Mindestregeln für KI-Einsatz
Meldung

© ferkelraggae/fotolia.com

14.04.2026

Immer weniger Mittelständler wollen einen Kredit aufnehmen

Immer weniger mittelständische Unternehmen interessieren sich für eine Kreditaufnahme bei ihrer Bank oder Sparkasse. Nur 27 % der Mittelständler in Deutschland sind grundsätzlich bereit, einen Bankkredit zur Investitionsfinanzierung aufzunehmen – das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Im Jahr 2023 zogen noch 42 %, 2017 sogar 66 % der Unternehmen eine Kreditfinanzierung in Betracht. Das sind Ergebnisse

Immer weniger Mittelständler wollen einen Kredit aufnehmen
Meldung

©pitinan/123rf.com

14.04.2026

Milliardengrab E-Auto: Massiver Gewinneinbruch der Autokonzerne

Was vor wenigen Jahren noch als große Zukunftswette galt, entwickelt sich für viele Autokonzerne inzwischen zu einer massiven finanziellen Belastung. Führende Hersteller in Europa und den USA korrigieren derzeit ihre Elektrostrategien und müssen dafür tief in die Bilanz greifen. Abschreibungen auf Batteriefabriken, Entwicklungsprojekte und Modellreihen summieren sich bereits auf fast 60 Milliarden Euro. Gewinne brechen

Milliardengrab E-Auto: Massiver Gewinneinbruch der Autokonzerne
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)