09.02.2026

SG&A-Kosten: Höchststand seit 2020

Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und internen Schwächen treibt die SG&A-Kosten auf ein Rekordhoch.

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Im Jahr 2025 wuchsen gegenüber dem Vorjahr die Kosten für Vertrieb, Allgemeines und Verwaltung (SG&A) im Durchschnitt bei 1000 untersuchten europäischen Unternehmen um 6 % auf 11,5 % der erzielten Umsätze  ̶̶  einem absoluten Höchststand seit 2020. Dies zeigt eine aktuelle Studie der The Hackett Group über die Gemeinkosten europäischer Unternehmen.

Schuld daran sind einerseits externe Rahmenbedingungen wie die Zoll- und Zinspolitik, die extremen geopolitischen Krisen und Unsicherheiten, sowie Faktoren wie Inflation, hohe Energiepreise und mangelnder Bürokratieabbau. Dazu kommen strategische Herausforderungen in den Unternehmen selbst: etwa die Unsicherheiten bei der Umsetzung des Technologiewandels (z.B. Autoindustrie) oder die Absicherung von Supply-Chain-Risiken. Und last not least trägt volatiles Kundenverhalten zur Negativ-Entwicklung bei.

Unternehmensinterne Faktoren

Offensichtlich gelingt es den Unternehmen nicht, den ungünstigen externen Rahmenbedingungen effektiv durch eine verstärkte Skalierung der SG&A „Cost-to-Serve“ zu begegnen. Ursachen sind insbesondere unternehmensinterne Faktoren, die die SG&A-Kosten hochtreiben: Fragmentierte Organisationen, funktionale Silos, fehlende End-to-End-Prozessausrichtung, mangelnde Prozess- und Datengovernance sowie unzureichende Business Enablement-Kompetenz. Probleme schaffen dabei oft auch eine hohe Systemkomplexität durch überholte Technologien, ein fehlendes übergreifendes Leadership-Commitment und ungenügende Transformation Skills bei Mitarbeitern und in der Unternehmenskultur.

Welche Bedeutung haben die SG&A-Kosten?

Die Bedeutung der SG&A-Kosten wird zudem oft unterschätzt, da sie in der Baseline nur etwa 7.5 % der Gesamtkosten ausmachen. Aus der Beratungspraxis und durch die Hackett Research ist allerdings nachweisbar, wie signifikant der SG&A-Wertbeitrag ist: Digital Worldclass-Unternehmen mit 10 Mrd. Euro Umsatz geben jährlich rund 250 Mio. Euro weniger für SG&A aus als ihre durchschnittlichen Mitbewerber.

Nach der Hackettstudie konnten 78 % der Unternehmen Inflationswirkungen nicht abfangen, obgleich die europäische Inflationsrate auf 2,5 % sank. Und nur 18 % der Unternehmen haben im abgelaufenen Geschäftsjahr die Gemeinkosten gesenkt  ̶̶  2022 waren es noch ca. 26 %.

Zwar liegen die europäischen Unternehmen mit ihren SG&A-Werten erheblich günstiger als ihre nordamerikanischen Mitbewerber, deren durchschnittliche SG&A-Kosten 14,3 % der erzielten Umsätze ausmachen. Aber auch in Europa ist die Entwicklung weiterhin negativ: Traditionelle Tools für Kosteneinsparungen reichen nicht mehr aus. Die Executives müssen konsequent auf langfristig angelegte, AI-gestützte Unternehmensstrategien setzen, statt auf kurzfristig wirksame Einsparungsmaßnahmen. Nur so können sie nachhaltig wirksame Kostenreduktionen erzielen.

Laut Hackett Studie wenden Digital World Class-Unternehmen 34 % ihrer IT-Investitionen für Künstliche Intelligenz mit Fokus Automatisierung auf – dreimal mehr als die Mitbewerber der Peergroup. Dabei stehen AI und speziell AI Agents, die selbständig Prozesse durchführen, derzeit im Mittelpunkt, um signifikante, messbare Kosteneinsparungen zu erreichen.

Wichtige Schritte zur Kostenreduktion

Für nachhaltige SG&A-Kosteneinsparungen empfiehlt die Hackett Strategieberatung den Unternehmen:

  1. Die Einrichtung eines AI Centers of Innovation (CoI), um Agentic AI-basiert neue innovative Ideen und Entwicklungen zu generieren.
  2. Prozess- und Datengovernance  zu vereinfachen und unternehmensübergreifend zu standardisieren.
  3. Investitionen in Advanced Analytics und Master Data Management, um Entscheidungsprozesse zu verbessern und zu beschleunigen.
  4. Strategische Partnerschaften zu forcieren und stärken, sowie gezielt mit Third Party-Providern und Outsourcing Technologien für Transformationen zu erschließen und zu nutzen.

Und eines ist ganz wichtig: Die Mitarbeiter müssen informiert und befähigt werden. Um Transformationserfolge und eine hohe Mitarbeiterakzeptanz zu sichern, muss auch in aktives Change Management investiert werden, parallel zu den Technologie-Investitionen.

Die  Digital World Class-Unternehmen machen es vor: Eine nachhaltige Skalierung der SG&A Kosten kann mit Agentic AI und der Schaffung von Digitalen Operating Modellen – parallel zur Steigerung des Wertbeitrags für das Business (RoI, User/Customer experience, Prognose-/Entscheidungssupport…)  ̶̶  erreicht werden. Es wäre an der Zeit, dass sich diese Erkenntnis auch bei den durchschnittlichen Performern in der Peergroup durchsetzt.

(Georg Bach, MD The Hackett Group Zentraleuropa vom 09.02.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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