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13.10.2016

Sinkende Netzrenditen zwingen Energieversorger zum Handeln

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Deutsche Energieversorger verdienen vor allem an dem Betrieb der Stromnetze. Doch die Einnahmequelle der Netzentgelte, die Haushalte und Unternehmen für die Nutzung von Strom zahlen müssen, gerät in Gefahr. Grund: die Bundesnetzagentur hat eine Reduzierung der Verzinsung für die dritte Regulierungsperiode beschlossen.

Deutsche Energieversorger verdienen vor allem an dem Betrieb der Stromnetze. Doch die Einnahmequelle der Netzentgelte, die Haushalte und Unternehmen für die Nutzung von Strom zahlen müssen, gerät in Gefahr. Grund: die Bundesnetzagentur hat eine Reduzierung der Verzinsung für die dritte Regulierungsperiode (2018-2022 Gas; 2019-2023 Strom) beschlossen.

Demnach wird der Basiszins von 3,8 Prozent auf 2,49 Prozent sinken. Zudem wurde der Eigenkapitalzinssatz für Strom- und Gasnetzbetreiber von 9,05 Prozent auf 6,91 Prozent für Neuanlagen gesenkt; für Altanlagen sinkt der Zinssatz von 7,14 Prozent auf 5,12 Prozent.

Die Behörde reagiert damit auf das anhaltend niedrige Marktzinsniveau. Vor allem kleinere und mittlere Energieversorger müssen daher künftig negative Auswirkungen auf ihre Renditen befürchten. Rund 40 Prozent der Energieversorger mit Netzbetrieb hätten so Bedarf, rasch auf die Senkung des Zinsniveaus zu reagieren, um einen Rentabilitätsverlust von über 20 Prozent zu vermeiden. Dadurch würde auch ihre Verschuldung steigen; viele Energieversorger würden dann an Unternehmenswert verlieren, stellen die Roland Berger-Experten in ihrer neuen Studie „Endspiel im Energienetz – Regulierung und Rendite: Unternehmerische Strategien in Zeiten niedriger Zinsen“ fest.

„Investitionen in Energienetze waren früher ein attraktives Geschäft“, sagt Torsten Henzelmann, Partner von Roland Berger. „Nun wird auch die letzte Profitabilitätsquelle in Frage gestellt. Die Senkung des Zinsniveaus wird daher zu einem Strategiewechsel bei den Versorgern führen: Hatten bisher Investitionen in den Netzausbau höchste Priorität, werden die Muttergesellschaften der Netzbetreiber künftig genauer hinschauen, ob sie nicht eher in Erneuerbare Energien investieren sollen.“

Durch die Zinsanpassung sinkt die Rentabilität der Netzinvestitionen von heute 6,5 Prozent auf etwa 4,7 Prozent und liegt damit etwa unter dem Niveau von Windanlagen an Land, die aktuell eine Rentabilität zwischen 5 und 6 Prozent garantieren. Zudem ist für die Zukunft eine weitere Herabsetzung der Zinsen zu erwarten. „Wir gehen für die vierte Regulierungsperiode 2024 bis 2028 von einer weiteren Senkung des Basiszinses aus, auf dann 1,1 Prozent“, sagt Henzelmann. „Sollten die Zinsen an den Kapitalmärkten irgendwann doch wieder steigen, werden die Netzrenditen trotzdem noch lange niedrig bleiben, weil sie über Jahre eingefroren sind.“

Kleine und mittlere Energieversorger stärker betroffen

Insgesamt fällt der Effekt der Zinsanpassung für kleinere und mittlere Energieversorger – vor allem auf kommunaler Ebene – stärker aus als für große Energieversorger mit konventioneller Erzeugung. Denn kleinere Versorger haben in der Vergangenheit stärker in die Netzinfrastruktur investiert. Allerdings leiden auch die ohnehin stark verschuldeten größeren Versorger mit konventioneller Stromerzeugung: Ihr Verschuldungsgrad erhöht sich wegen der Zinsanpassung auf ein bedenkliches Niveau. Hinzu kommt: Die Profitabilität aller Netzbetreiber leidet schon erheblich, weil die Unternehmen im Rahmen der Digitalisierung der Branche zusätzliche Kosten für neue Infrastruktur, Hard- und Software stemmen müssen.

Die Situation auf dem Energiemarkt und die Entwicklung der Netzrendite zwingen deshalb die Energieversorger und ihre Eigentümer zum Handeln. Denn durch die Zinsänderung verlieren ihre Unternehmen an Wert: Von einem Wertverlust von bis zu 35 Prozent gehen die Roland Berger-Experten aus.

Vier Handlungsoptionen für Netzbetreiber

Um eine Schieflage zu vermeiden, sollten Energieversorger auf die aktuellen Veränderungen mit einer Anpassung ihrer Geschäftsstrategie schnell reagieren. Obwohl die jeweilige Strategie stark vom einzelnen Unternehmen abhängt, empfehlen die Roland Berger-Experten in ihrer Studie vier allgemeine Handlungsoptionen:

1. Zügige Desinvestition: Das gilt für Unternehmen, die einerseits stark von der Zinsanpassung betroffen sind und andererseits keine günstigen Finanzierungskonditionen realisieren können.

2. Leadership-Strategie: Versorger, die unter großem Handlungsdruck stehen, aber über eine gute Bonität verfügen und ihre Finanzierung bereits optimiert haben, sollten über eine Ausweitung ihres Engagements im Netz nachdenken, etwa durch Zukauf von Netzgesellschaften.

3. Nischenstrategie: Auch Unternehmen, die heute aufgrund moderater Investitionen nicht unter akutem Handlungsdruck stehen, sollten ein verstärktes Engagement im Netz erwägen. Dabei sollten sie sich auf Netzgesellschaften mit gemeinsamen Eigenschaften fokussieren, zum Beispiel mit einheitlich hohen oder geringen Investitionsaktivitäten.

4. Harvest-Strategie bzw. langsame Desinvestition: Unternehmen, die wegen geringer Bonität keinen Zugriff auf günstiges Fremdkapital haben und heute nur in geringem Ausmaß im Netz investiert sind, sollten ihre Investitionen weiter zurückfahren und langfristig einen vollständigen Rückzug erwägen.

„Diese strategischen Optionen stellen allgemeine Leitlinien dar und sollten systematisch im Einzelfall bewertet werden“, sagt Roland Berger-Partner Henzelmann. „Eines empfehlen wir jedoch uneingeschränkt: Alle Unternehmen sollten die jüngste Zinsanpassung und ihre Auswirkung auf das eigene Geschäft genauer unter die Lupe nehmen. Entsprechend sollten dann die Energieversorger schnell darauf reagieren, um auf dem Markt erfolgreich zu bestehen.“

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung Roland Berger vom 13.10.2016)


Redaktion

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