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08.09.2016

Sonnige Finanzierungskonditionen, Baseler Schatten

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Corporate Finance

Die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen in Deutschland hellen sich auf. Die guten Konditionen sind vor allem eine Folge der nach wie vor stabilen Konjunktur sowie der niedrigen Zinsen.

Die jüngste DIHK-Umfrage zum Finanzierungszugang zeigt auch: 30 Prozent der Unternehmen benötigen derzeit gar kein Fremdkapital. Insgesamt sorgen sich nur noch 10 Prozent der Unternehmen um die Finanzierung. Anders die Finanzinstitute – sie können den Optimismus nicht teilen und zeigen sich besorgt.

Finanzinstitute: Trübe Aussichten

Denn die Margen im Kreditgeschäft der Banken und Sparkassen schrumpfen. Und Wertpapiergeschäfte mit Neuemissionen helfen der kreditgebenden Wirtschaft kaum über die Runden. Sinkende Ertragsaussichten erschweren es, die Eigenkapitalausstattung zu erhöhen – dabei sind das die Sicherheitspolster für Krisenphasen. So schätzt die Finanzwirtschaft ihre Geschäftslage mittlerweile deutlich schlechter ein als zu jedem Zeitpunkt in den letzten sechs Jahren. Das Kreditgewerbe blickt zudem äußerst pessimistisch nach vorne: Die Erwartungen fallen inzwischen sogar schlechter aus als in der Finanzkrise 2008.

Exportfinanzierung: Graue Wolken ziehen auf

Das hat irgendwann auch negative Auswirkungen auf die kreditnehmende Wirtschaft zur Folge: So hatten bei der Exportfinanzierung der Industrie in den letzten Jahren nur wenige Betriebe von Schwierigkeiten berichtet. Nun verdoppelt sich der Anteil mit Problemen in diesem Segment auf 9 Prozent. Zudem werfen die Baseler Regulierungen ihre Schatten voraus: Finanzinstitute scheinen bereits zu antizipieren, dass sich im Zuge des sogenannten „Basel IV“-Prozesses insbesondere die Bereitstellung von Kreditlinien an exportorientierte Unternehmen systematisch verteuert. Basel IV betrifft insbesondere die Berechnung der erforderlichen Eigenmittel im Hinblick auf gesetzliche Mindestkapitalanforderungen. Finanzinstitute müssen einen Anstieg dieses regulatorischen Kapitalbedarfs durch mehr Eigenmittel auffangen – oder ihr Kreditgeschäft und die Exportfinanzierung einschränken.

Wirtschaftspolitische Implikationen

Um der wachsenden Schere bei den Finanzierungskonditionen zwischen Großunternehmen und kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) entgegenzuwirken, will die EU den sogenannten KMU-Korrekturfaktor bei den Mindestkapitalanforderungen für Finanzinstitute ausbauen. Der KMU-Faktor reduziert den Kapitalbedarf bei der Kreditvergabe an KMUs. Dies ist aus Sicht des DIHK ein Schritt in die richtige Richtung. Ein verlässlicher Rechtsrahmen für den KMU-Faktor würde zugleich dem Kreditgewerbe Planungssicherheit geben und den Finanzierungszugang von KMUs sichern helfen. Der Gesetzgeber sollte darüber hinaus die Möglichkeiten der Bündelung von kurzfristigen Exportkrediten (Verbriefung) zur längerfristigen Refinanzierung der Finanzinstitute stärken. Ferner würde ein passender Rechtsrahmen für Wagniskapital und Investmentbesteuerung die Langfristfinanzierungen der Wirtschaft zum Beispiel durch Versicherungen und Investmentfonds verbessern.

Die DIHK-Sonderauswertung Finanzierungskonditionen gibt es hier zum Download.

(Pressemitteilung DIHK vom 08.09.2016)


Redaktion

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