Die Folgen der anhaltenden geopolitischen Konflikte werden für Unternehmen immer spürbarer, wie der aktuelle CFO Survey zeigt. So sind geopolitische Risiken der stärkste Risikofaktor für das eigene Unternehmen – fast zwei Drittel (63 %) der CFOs sehen dies so (+ 11 Prozentpunkte). Finanzvorstände nehmen zudem Rohstoff- und Energiekosten als deutlich bedrohlicher wahr als noch vor einem halben Jahr. Fast die Hälfte der Befragten (46 %) sieht steigende Rohstoffkosten als hohes Risiko (+ 23 Prozentpunkte), 43 Prozent sorgen sich um steigende Energiekosten (+ 22 Prozentpunkte). Angesichts der aktuellen Krisen rückt der Fachkräftemangel, früher ein dominantes Thema, in den Hintergrund (20 %). Für den Survey hat Deloitte zwischen dem 16. April und7. Mai 164 Finanzvorstände in Deutschland befragt.
Die Stimmung unter den CFOs hat sich in den vergangenen drei Monaten deutlich verschlechtert. Nahezu die Hälfte der Befragten schätzt die Geschäftsaussichten schlechter ein als vor drei Monaten. Der Indexwert, die Differenz aus positiven und negativen Einschätzungen, fällt von einem Prozent im Herbst auf -21 Prozent. Besonders düster sind die Aussichten in der Immobilienbranche (-50 %) und im Maschinenbausektor (-38 %). Gute Nachrichten gibt es lediglich aus der Technologiebranche, die einen Index von +8 Prozent aufweist.
Großunternehmen können geopolitische Konflikte besser abfedern
Bei Großunternehmen liegt der Indexwert für die Geschäftsaussichten zwar im negativen Bereich (-16 Prozentpunkte), der Blick in die Zukunft ist jedoch optimistischer. Über zwei Drittel der befragten Großunternehmen (68 %) erwartet steigende Umsätze und fast die Hälfte (49,9 %) höhere Margen. Deutlich skeptischer blickt man im Mittelstand in die Zukunft (Index: -24 %). Hier rechnet nur knapp die Hälfte (53 %) mit Umsatzwachstum und etwas mehr als ein Drittel (39 %) mit steigenden Margen.
„Die deutschen Unternehmen sind hoch internationalisiert, deswegen treffen sie die geopolitischen Umbrüche besonders. Dies gilt insbesondere für den Mittelstand, der noch mehr unter Druck steht als die Großunternehmen. Die breiter aufgestellten Produktionsnetzwerke der Großunternehmen dürften ein Grund sein, warum sie geopolitische Konflikte besser abfedern können“, sagt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter Research bei Deloitte.
Investitionspläne im Sinkflug – Großunternehmen mutiger als Mittelstand
Auch in den strategischen Planungen zeigt sich ein Kontrast: Während die Investitionsneigung insgesamt im Vergleich zum vergangenen Herbst deutlich fällt, wollen Großunternehmen ihre Investitionen immerhin noch ganz leicht steigern (Indexwert: +3 %). Über ein Viertel (28 %) will mehr investieren, knapp die Hälfte (49 %) das Niveau halten. Dagegen ist die Investitionsneigung im Mittelstand negativ (-5 %). Etwa ein Drittel (31 %) des Mittelstands beabsichtigt, seine Investitionen zurückzufahren.
Auch bei der Beschäftigung gibt es klare Unterschiede zwischen Großunternehmen und Mittelstand. Insgesamt sind die Beschäftigungspläne für die nächsten 12 Monate negativ mit einem Indexwert von -20 Prozent. Fast die Hälfte der Großunternehmen will Beschäftigung abbauen, was einem Indexwert von -28 Prozent entspricht. Im Mittelstand ist der Rückgang mit einem Indexwert von -17 Prozent geringer.
„Trotz der Investitionspakete der Bundesregierung, die 2026 die Konjunktur anschieben sollten, gibt es aktuell keine Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung. Eine kurzfristig beunruhigende Entwicklung ist, dass vor allem die Investitionen der Unternehmen stagnieren, zumal von der Außenwirtschaft und dem privaten Konsum auch keine Impulse kommen. Auf lange Sicht wird es ohne deutlich höhere Investitionen unmöglich, Produktivität und Wohlstand zu steigern. Wirtschaftspolitische Impulse und Reformen für mehr private Investitionen sind jetzt wichtig“, resümiert Alexander Börsch.
(Deloitte vom 19.05.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

