• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Studie: Verbesserung der Working Capital-Performance in 2015

20.07.2016

Studie: Verbesserung der Working Capital-Performance in 2015

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

Gegenüber dem Vorjahr konnten deutsche Großunternehmen im Geschäftsjahr 2015 ihr Working Capital, also ihr Umlaufvermögen, um 3,3% verbessern: Die in einer REL-Studie analysierten 124 produzierenden deutschen Unternehmen wiesen 2015 eine Kapitalbindungsdauer (Cash Conversion Cycle, CCC) von durchschnittlich 46,3 Tagen gegenüber dem Vorjahr mit 50,2 Tagen auf. Die in der aktuellen Studie untersuchten 23 produzierenden DAX-Unternehmen konnten zwar ihren CCC-Wert auf 49,7 Tage verbessern (2014: 51,3), lagen aber dennoch – gemessen am deutschen Unternehmensdurchschnitt – um 3,4 Tage schlechter.

Insgesamt, das ergab die aktuelle Working Capital-Studie von REL (ein Unternehmen der internationalen Hackett Group), in der 960 europäische Unternehmen (ohne Finanzsektor) untersucht wurden, liegen knapp 981 Mrd. Euro an Liquiditätspotential brach – 2014 waren es noch über 1,1 Billionen Euro. Die Verbesserung um 1,7% lag vor allem daran, dass die europäischen Großunternehmen ihr Zahlungsverhalten geändert haben: Sie zahlen später, treiben aber ihre Forderungen schneller ein. Trotzdem, so die REL-Studie, könnten durch eine Optimierung der Kenngrößen CCC, und DIO (Bestandsreichweite, Lagerhaltung) weitere erhebliche Liquiditäten erschlossen werden. Bei den 124 untersuchten deutschen Großunternehmen liegt dieses Potenzial bei 226 Mrd. Euro und bei den 23 DAX-Unternehmen beträgt die brachliegende Liquidität immerhin noch 165 Mrd. Euro.

Deutsche Unternehmen abgeschlagen

Im europäischen Vergleich der Working Capital Performance liegen die deutschen Unternehmen immer noch weit abgeschlagen: Der europäische Durchschnitt der 960 untersuchten Großunternehmen brachte es 2015 auf einen CCC-Wert von 38,2 Tagen. Damit liegt der europäische Durchschnitt 2015 also um 11,9 Tage besser als die durchschnittlichen deutschen Unternehmen.

Dieser Unterschied liegt an mehreren Faktoren, so erklärt Paul Moody, Managing Director DACH: „Deutsche Unternehmen wuchsen 2015 im Vergleich zur europäischen Konkurrenz am schnellsten und dank der unglaublich günstigen Kredite wurde die Optimierung des Umlaufvermögens zweitrangig.“ Moody führt weiter aus: „Die europäischen Unternehmen zahlen ihre Rechnungen im Schnitt nach 65,4 Tagen, die deutschen Unternehmen bereits nach 52,8 und DAX-Unternehmen sogar schon nach 49,5 Tagen. Ein weiterer, wichtiger Faktor: Die deutschen Unternehmen stehen in Europa einzig da, was die Mischung der sehr kapitalintensiven Produktion und die Fertigungstiefe angeht. Das aber bedingt auch eine intensive und auf größere zeitliche Reichweite ausgelegte Lager- und Vorratswirtschaft, die mehr und länger Kapital bindet.“

Die trotz der leichten Verbesserung gegenüber 2014 immer noch ungünstigen DPO-Werte der DAX-Unternehmen erklärt Paul Moody so: „Die DAX-Companies können aufgrund ihrer finanziellen Kraft relativ schnell zahlen und sich dadurch attraktive Skonti sichern. Die anderen deutschen Unternehmen generieren mit Hilfe der längerfristigen Zahlungsziele günstige Kreditlinien.“ Aber, so relativiert Paul Moody im gleichen Atemzug: „Die deutschen und die DAX-Unternehmen waren auch 2015 führend, was Wachstum, Rentabilität, Gewinne und Exporterfolge anging. Bei verschlechterten Rahmenbedingungen und einer neuerlichen Finanz- und Wirtschaftskrise kann sich die im europäischen Vergleich schlechtere Working-Capital-Performance aber durchaus als kritischer Wettbewerbsnachteil auswirken.“

Wie breit gefächert das Liquiditätspotential bereits erschlossen oder noch erschließbar ist, zeigt ein Blick auf einige deutsche Protagonisten der Schlüsselindustrien:

Autofirmen: Spitzenreiter ist Audi mit einer Kapitalbindungsdauer von 18 Tagen, gefolgt von BMW mit 30 Tagen. Volkswagen hat einen CCC-Wert von 52 Tagen, Daimler bildet das Schlusslicht mit 67 Tagen.

Autozulieferer: Unter den deutschen Unternehmen führt die Leoni AG mit 36 Tagen CCC, die schweizer Autoneum Holding schafft es in 19 Tagen, Cash in Cash plus Profit umzuwandeln..

Chemie: Der Durchschnitt der deutschen Unternehmen konnte den CCC-Wert von 2014 auf 2015 um knapp zehn% von 83 auf 75 Tage versbessern. Verbesserungsfaktoren waren dabei die um einen Tag verkürzte Bestandsreichweite sowie die um 3 Tage verlängerten Zahlungsfristen für Verbindlichkeiten. Mit 17 Tagen Kapitalbindungsdauer hält die Linde AG die Spitze, die SGL Carbon benötigt 153 Tage und liegt damit weit abgeschlagen.

Energieunternehmen: In dieser Branche lag der europäische Durchschnittswert der Kapitalbindungsdauer bei 11 Tagen. Die RWE AG erreichte 2015 einen CCC-Wert von 5 Tagen, während die EON SE eine Kapitalbindungsdauer 2015 von 36 Tagen aufwies.

Dass Liquiditätspotentiale generell erfolgreich und konsequent genutzt werden können belegt die REL-Studie eindrucksvoll: In Deutschland erreichen die Spitzenunternehmen des statistischen 1. Quartils einen CCC-Wert von -6,3 Tagen gegenüber dem Mittelwert aller produzierenden deutschen Unternehmen von 62 Tagen, sie liegen also um 110% besser. Wie das möglich ist, zeigen die Einzelbereiche: Die Topunternehmen zahlen ihre Zulieferer nach 68,3 Tagen, der Durchschnitt schon nach 52,8 Tagen, sie treiben ihre Forderungen um rd. 14 Tage schneller ein als der

Durchschnitt und halten ihre Lagerbestandsreichweite bei 25 Tagen, während der Mittelbereich die Lager für 63,1 Tage bevorratet.

(Pressemitteilung REL Consultancy vom 19.07.2016)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© bluedesign/fotolia.com

09.09.2026

Deutschland mit realistischer Chance auf deutliche Wachstumssteigerung

Deutschland kann nach Einschätzung der KfW seine Wachstumsschwäche überwinden. Eine neue Studie von KfW Research hält im kommenden Jahrzehnt ein dauerhaftes Potenzialwachstum von mehr als 1% pro Jahr für erreichbar. Seit 2015 ist das Potenzialwachstum von knapp 2% auf nur noch leicht über null gesunken. Produktivität als zentraler Hebel Entscheidend für eine Trendwende seien Fortschritte

Deutschland mit realistischer Chance auf deutliche Wachstumssteigerung
Meldung

peshkova/123rf.com

08.09.2026

KI-Investitionen steigen – der CFO kann den ROI oft noch nicht messen

Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Einsatz von KI wirklich, und was bringt ihnen die Technologie wirtschaftlich? Eine Deutschland-Auswertung des McKinsey-Reports „The State of AI in 2026: On the Road to ROI“ zeigt: Zwischen Nutzung und messbarem Geschäftswert liegt noch eine deutliche Lücke. Für die weltweite Studie wurden 1.719 Führungskräfte und Fachleute aus 97 Ländern

KI-Investitionen steigen – der CFO kann den ROI oft noch nicht messen
Meldung

©zapp2photo/fotolia.com

07.09.2026

Deutsche Mittelständler richten Auslandsgeschäft neu aus

Geopolitische Krisen und Konflikte, handelspolitische Unsicherheiten und der wachsende Konkurrenzdruck aus China belasten den deutschen Außenhandel nachhaltig. Insgesamt 30 % der deutschen Mittelständler mit Auslandsgeschäft gehen daher davon aus, dass ihre grenzüberschreitenden Umsätze in den kommenden drei Jahren sinken werden. Davon rechnen 6 % sogar mit einem starken Rückgang. Ein Wachstum ihrer Auslandsumsätze sehen knapp ein Viertel

Deutsche Mittelständler richten Auslandsgeschäft neu aus
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)