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03.10.2019

Studie zu Auswirkungen einer CO2-Bepreisung auf den DAX: Potenzielle Belastungen für Unternehmen in Milliardenhöhe

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Corporate Finance

Im November 2016 ist das Pariser Klimaabkommen in Kraft getreten, das den globalen Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf unter zwei Grad Celsius begrenzen soll. Der Beitrag der Europäischen Union zum Pariser Klimaabkommen sieht vor, die Treibhausgasemissionen bis 2030 schrittweise um mindestens 40% gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren. Die deutsche Klimapolitik steht jetzt vor einem Paradigmenwechsel. Wenn Deutschland in der Klimapolitik nicht umsteuert, werden die durch die EU verbindlich gesetzten Klimaschutzziele für 2020 und 2030 deutlich verfehlt. Union Investment hat in einer Studie untersucht, welche Auswirkungen die mögliche Einführung einer umfassenden CO2-Bepreisung auf die Unternehmen im Deutschen Aktienindex hätte. Die Studie stellt fest, dass fast jedes DAX-Unternehmen selbst bei niedrigen CO2-Preisszenarien vor großen Herausforderungen stehen würde.

Die Bepreisung von CO2-Emissionen gilt als einer der Schlüssel, um die nachhaltige Transformation der Wirtschaft zu beschleunigen. Laut der Studienautoren gibt es drei Hauptoptionen zur CO2-Bepreisung: Die erste Option, die derzeit diskutiert wird, ist die Ausweitung des Europäischen Emissionshandelssystems (EU-ETS) auf die Sektoren Gebäude und Verkehr. Die zweite Option ist ein nationales ETS für nicht im EU-ETS inbegriffene Sektoren. Die dritte Option ist die Einführung einer CO2-Steuer.

Potenzielle Belastungen für DAX-Unternehmen in Milliardenhöhe

Nach Angaben der Studienautoren drohen den DAX-Unternehmen durch (zusätzliche) Bepreisung von CO2-Emissionen potenzielle Belastungen in Milliardenhöhe, wenn sie ihre Emissionen nicht reduzieren. Selbst eine vergleichsweise geringe Steuer in Höhe von 30 € je Tonne CO2e (CO2-Äquivalente) würde den gesamten DAX jährlich rund 5,2 Mrd. € kosten. Das entspricht laut der Analyse rund 3,7% des kumulierten operativen Ergebnisses (EBIT) der DAX-Unternehmen im Jahr 2018.

Stark betroffen wären Unternehmen in der Chemiebranche (BASF, Covestro, Linde), in der metallverarbeitenden Industrie (ThyssenKrupp), im Fahrzeugbau (BMW, Continental, Daimler, VW) sowie im Baugewerbe (HeidelbergCement).

Im Extremszenario von 200 € je Tonne CO2e könnte die jährliche Belastung bei neun Unternehmen die Grenze von 1 Mrd. € überschreiten: HeidelbergCement, Linde, Deutsche Lufthansa, BASF, RWE, Deutsche Post, E.ON, Covestro und Bayer.

Kurzfristige Reaktionsfähigkeit ist gefragt

Aus Investorensicht stellt sich die Frage, wie schnell ein Unternehmen seine CO2-Emissionen senken kann, so die Studienautoren. Insgesamt scheinen Adidas, Allianz, die Deutsche Telekom, die Deutsche Bank sowie die Deutsche Börse kurzfristig besonders reaktionsfähig zu sein. Sie haben laut der Auswertung einen hohen Anteil von Strom am Gesamtenergieverbrauch. Dieser könnte technisch relativ einfach durch die Nutzung erneuerbarer Energien (mit deutlich weniger Emissionen) ersetzt werden.

Nach diesem Muster stehen nach Einschätzung der Studienautoren HeidelbergCement, RWE, Lufthansa, ThyssenKrupp, E.ON, BASF sowie die Deutsche Post mit Blick auf kurzfristige Einsparungen vor großen Herausforderungen.

Lufthansa und die Deutsche Post wären besonders von einer Änderung der Besteuerung des Luftverkehrs betroffen. Auf die Versorger RWE und E.ON kämen zudem erhebliche Änderungen im Nachfrageverhalten ihrer Kunden zu – weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energien.

Fünf DAX-Unternehmen könnten mittelfristig profitieren

Fünf Unternehmen könnten laut der Studienautoren mittelfristig sogar von einer CO2-Steuer profitieren, wenn sie ihre Emissionen drastisch senken: Continental, Infineon, Fresenius, Fresenius Medical Care und die Deutsche Telekom. Alle verbrauchen aktuell viel Strom, der Anreiz zum Umschwenken ist damit hoch. Gleichzeitig sollten sie technisch in der Lage sein, ihre Emissionen deutlich schneller zu senken als andere Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe. Mittel- bis langfristig sei entscheidend, wie schnell Unternehmen ihre Energieversorgung anpassen, ihr Geschäftsmodell modifizieren und inwieweit sie die zusätzlichen Kosten an die Verbraucher weitergeben können, so das Fazit der Studie.

Die Studie können Sie hier herunterladen. Ein Übersichtschart zu den DAX 30 Unternehmen finden Sie hier.

(Pressemitteilung Union Investment vom 18.09.2019)


Redaktion

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