• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Studie zur EU-Taxonomie: Banken sind bereit für einen grünen Wandel

16.01.2021

Studie zur EU-Taxonomie: Banken sind bereit für einen grünen Wandel

Beitrag mit Bild

©Elnur Amikishiyev/123rf.com

In der Bankenbranche gibt es ein klares Bekenntnis für einen grünen Wandel. Rund sechs von zehn Instituten beschäftigen sich bereits intensiv mit der neuen EU-Taxonomie oder berücksichtigen das Thema in ihrer Strategie, so die Studie „EU-Taxonomie: Regeln für die grüne Zukunft“, die von der Unternehmensberatung Cofinpro gemeinsam mit der VÖB-Service GmbH durchgeführt wurde. Laut der Studie sind in jedem dritten Institut die Umwelt-Richtlinien in der Beobachtungs- und Analysephase. Damit haben mehr als 90% das grüne Regelwerk auf ihrer Watchlist. Mit dem neuen Klassifikationssystem verbinden die Banken auch wirtschaftliche Hoffnungen. Allerdings stellt die rechtzeitige Umsetzung die Branche vor Herausforderungen.

Die Taxonomie ist ein Klassifikationssystem, das Anlegern dabei helfen soll, grüne Investments zu erkennen. Sie ist zentraler Bestandteil des „Aktionsplans für ein nachhaltiges Finanzwesen“, den die Europäische Union erstmals im März 2018 vorgestellt hat und der in der jetzigen Form auf alle ab dem 01.01.2022 veröffentlichten Berichte angewendet werden soll. Mit dem Vorhaben will die EU Kapitalströme in ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten lenken.

Kapitalströme in umweltfreundliche Bahnen lenken

Die Mehrheit der Banken bekennt sich laut der Studienergebnisse zum grünen Wandel und will die Chancen aus diesem Regulierungsprojekt nutzen. Mit der Taxonomie gebe die Europäische Union einen festen Rahmen vor, um Kapitalströme in umweltfreundliche Bahnen zu lenken und das Wirtschaftsleben nachhaltiger zu gestalten. Der Regulierer setzt dafür auch einen zeitlichen Rahmen: Ende 2021 muss Phase 1 dieses verbindlichen Klassifikationssystems umgesetzt sein, so die Autoren der Studie.

Rechtzeitige Umsetzung in engem Zeitrahmen große Herausforderung für Branche

Der Zeitrahmen zwingt zu schnellem Handeln. Nur jeder zehnte Studienteilnehmer geht davon aus, dass die Taxonomie-Verordnung im ersten Schritt innerhalb eines halben Jahres umgesetzt werden kann, 41% avisieren einen Zeitraum von zwölf Monaten. Rund die Hälfte rechnet also damit, in Terminschwierigkeiten zu geraten.

Institute erwarten positive Effekte aus der Taxonomie-Umsetzung

Die Effekte aus der Taxonomie-Umsetzung bewerten die Studienteilnehmer mehrheitlich optimistisch. Neben dem erwarteten Imagegewinn für die Institute werden in der Studie auch neue Kundengruppen und die Entwicklung innovativer Finanzprodukte genannt, die wiederum zu einer Absatzsteigerung sowohl im Kredit- wie auch im Wertpapierbereich führen sollte. Die EU-Taxonomie steht damit auch im Einklang mit wirtschaftlichen Hoffnungen: Zwei von drei Banken glauben, dass sich die neue Verordnung positiv auf ihr Geschäftsmodell auswirken wird. Ein strategisches Potenzial für ihr Institut erkennen 72% der Befragten.

EU-Taxonomie wird Kapitalströme in nachhaltige Aktivitäten lenken

Die EU strebt mit der Taxonomie unter anderem verbindliche Standards und ein Ende des sog. Greenwashings an. Greenwashing ist der Versuch von Unternehmen, durch Marketing- und PR-Maßnahmen ein „grünes Image“ zu erlangen, ohne allerdings entsprechende Maßnahmen im Rahmen der Wertschöpfung zu implementieren. Bezüglich der Standards sind sich die Studienteilnehmer einig: 85% gehen davon aus, dass für die Finanzierung grüner Projekte bzw. Unternehmen oder die Ausgabe von Green Bonds künftig einheitliche Regeln anwendbar sind. Beim Thema Greenwashing herrscht hingegen Skepsis. Mehr als jeder zweite Experte glaubt, dass auch in Zukunft Unternehmen sich oder ihre Produkte mit einem grünen Image schmücken können, obwohl dies nicht gerechtfertigt ist. Ein positiver Impact wird trotzdem erwartet: Drei von vier gehen davon aus, dass dank der EU-Taxonomie Kapitalströme in nachhaltige Aktivitäten gelenkt werden.

Finanzsektor hat Schlüsselrolle bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Dem Finanzsektor wird bei den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu Recht eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Banken und Investoren haben mit der bewussten und zielgerichteten Steuerung von Geldströmen einen enormen Einfluss auf die nachhaltige Transformation der Gesamtwirtschaft und vieler gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Kernstück des EU-Aktionsplans für Nachhaltigkeit ist die Etablierung eines einheitlichen Klassifikationssystems, um den Grad der ökologischen Nachhaltigkeit einer Investition messen zu können, stellen die Studienautoren fest. Sie raten zu einer zeitnahen Umsetzung der Anforderungen, da die Taxonomie schrittweise in die EU-Rechtsvorschriften integriert wird. Eine intensive Auseinandersetzung mit dieser Regularie sei deshalb unumgänglich.

Die komplette Cofinpro-Studie „EU-Taxonomie: Regeln für die grüne Zukunft“ steht hier zum Download bereit.

(Pressemitteilung Cofinpro vom 13.01.2021)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©garagestock/123rf.com

14.01.2026

Nachhaltigkeit gewinnt bei Kreditverhandlungen mit größeren Mittelständlern an Bedeutung

Die deutschen Banken beachten klimabedingte Risiken aus regulatorischen Gründen immer stärker bei ihrer Kreditvergabe an Unternehmen. Im deutschen Mittelstand bekommen das vor allem größere Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten zu spüren. So berichteten 37 % der großen Mittelständler, die 2024 in Kreditverhandlungen waren, dass Nachhaltigkeit in den Gesprächen mit Banken und Sparkassen thematisiert wurde. Das

Nachhaltigkeit gewinnt bei Kreditverhandlungen mit größeren Mittelständlern an Bedeutung
Meldung

© alexlmx/fotolia.com

13.01.2026

Restrukturierungen 2026: Unternehmen setzen auf Transformation

Der wirtschaftliche Druck auf Unternehmen in Deutschland bleibt hoch. Inmitten umfassender Transformations- und Restrukturierungsprozesse stehen viele Organisationen vor der Herausforderung, einen Stellenabbau professionell, fair und zugleich wirksam umzusetzen, häufig unter erheblichem Zeit- und Kostendruck sowie mit begrenzten Vergleichswerten. Gleichzeitig wird über Restrukturierungen in der Praxis noch immer selten offen gesprochen. Um hier Transparenz zu schaffen,

Restrukturierungen 2026: Unternehmen setzen auf Transformation
Meldung

©everythingpossible/123rtf.com

12.01.2026

Banken-Report zum Umgang mit Klimarisiken

Klimastresstests erhöhen die Resilienz von Unternehmen, sowohl im Hinblick auf physische als auch auf ökonomische Risiken. Speziell für Finanzinstitute dienen diese Prüfungen dazu, Schwachstellen in Kreditportfolios, Vermögenswerten und der eigenen Absicherung zu identifizieren. Anhand dieser Informationen sind Organisationen in der Lage, ihre Solvenz und Stabilität sicherzustellen. Damit schützen sie sich gegen potenzielle Kreditverluste, Werteverfall bei

Banken-Report zum Umgang mit Klimarisiken
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)