01.03.2019

Trotz Rekordjahr bleibt der Anlagedruck hoch

Beitrag mit Bild

© alexlmx/fotolia.com

Der Boom im europäischen Private-Equity-Markt hält unvermindert an. Insgesamt waren Finanzinvestoren im vergangenen Jahr mit 262,1 Mrd. Euro am Kauf oder Verkauf von Unternehmen beteiligt – der höchste Wert seit 2007. Der Investitionsdruck könnte zu Transformation des PE-Modells führen.

Das Geld verteilte sich dabei auf exakt 2168 Deals, was einem durchschnittlichen Transaktionswert von 120,9 Mio. Euro entsprach, auch das eine der höchsten je erreichten Summen. Allein 414 der Akquisitionen bzw. Exits entfielen auf die DACH-Region, nur knapp weniger als in den bisher aktivsten Jahren seit der Finanzkrise (2016: 431 / 2017: 436). Für die Studie befragte PwC rund 250 europäische Finanzinvestoren nach den aus ihrer Sicht wichtigsten Trends in der Branche.

Das zeigt der „Private Equity Trend Report 2019“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

„Allmählich stellt sich die Frage, ob wir überhaupt noch von einem Boom sprechen sollten – oder ob das, was wir Boom nennen, nicht längst zur Normalität geworden ist“, sagt Steve Roberts, Leiter Private Equity bei PwC Deutschland.

„Unsere Statistiken zeigen, dass es seit dem Frühjahr 2013 kein einziges Quartal mehr gegeben hat, in dem Finanzinvestoren in Europa an weniger als 300 Deals beteiligt waren. Zugleich sehen wir aber auch keine besonderen Ausreißer nach oben. Stattdessen bewegt sich die Zahl der Transaktionen seit Jahren bei leicht steigender Tendenz in einem Korridor von 300 bis 600 Deals pro Quartal. Diese Konstanz verdeutlicht, dass Private Equity inzwischen auch im kontinentalen Europa zum Establishment gehört“, so Roberts.

Der Anlagedruck ist groß – und wird durch Co-Investoren noch größer

Mit dem Erfolg kommen auf die Finanzinvestoren allerdings auch neue Herausforderungen zu. So zeigt der aktuelle PwC Private Equity Trend Report, dass die Branche Ende 2018 weltweit auf nicht investierten Mitteln in Höhe von umgerechnet gut einer Billion Dollar saß. Zur Einordnung: Das ist das Sechsfache dessen, was die Branche im vergangenen Jahr europaweit in Übernahmen von Unternehmen investiert hat (175 Mrd. Euro). Der Anlagedruck wird also immer größer – ein Problem, das durch ein weiteres Phänomen sogar noch verstärkt wird: Die Geldgeber der Private-Equity-Gesellschaften wie Pensionsfonds, Family Offices oder Dachfonds machen bei Transaktionen immer häufiger zur Bedingung, selbst als Co-Investoren aufzutreten.

So gaben über zwei Drittel (71 Prozent) der Befragten an, die Erwartungen der Geldgeber an die PE-Fonds würden immer weiter steigen – wobei gut ein Drittel (35 Prozent) meinte, die Ansprüche hätten in den vergangenen Jahren sogar „signifikant“ zugenommen. Bei der Frage, was genau die Investoren verlangen würden, verwiesen 82 Prozent auf die Forderung, als Co-Investoren auftreten zu dürfen. „Für viele kleine und mittelgroße Finanzinvestoren ist das Modell durchaus sinnvoll, weil sie durch Mitinvestoren überhaupt erst in die Lage versetzt werden, auch größere Übernahmen zu stemmen“, sagt PwC-Experte Steve Roberts. Unter dem Strich habe das Modell allerdings zur Folge, dass noch mehr Geld in den Markt fließe als ohnehin schon vorhanden sei. „Entsprechend wird es für die Beteiligungsfonds immer schwerer, ihr eigenes Kapital anzulegen“, so Roberts weiter.

„Es würde mich nicht wundern, wenn in Zeiten volatiler Aktienmärkte viele Private Equity Manager den Blick in Richtung börsennotierter Unternehmen werfen. Robuste Unternehmen, die gerade unterbewertet sind, könnten einige Public-to-Private-Transaktionen hervorrufen“, meint Roberts.

„Investitionsdruck könnte zu Transformation des PE-Modells führen“

Was hinzukommt: Die Preise im europäischen M&A-Markt sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, selbst in Ländern wie Spanien oder Portugal. Auch wenn es in der Theorie also immer noch genügend attraktive Anlageziele gibt – in der Praxis sind viele Unternehmen schlicht zu teuer, „zumal strategische Investoren häufig Preise bieten, bei den Private-Equity-Fonds nicht mehr mithalten können“, so Roberts. Der PwC-Experte hält es daher sogar für möglich, dass der seit Jahren steigende Investitionsdruck zu einer weiteren grundlegenden Transformation des Geschäftsmodells von Private Equity führen könnte: „Einen tiefgreifenden Wandel hat die Branche ja schon hinter sich als sie begann, sich anstelle von ‚Financial Engineering‘ darauf zu konzentrieren, die eigenen Portfoliounternehmen operativ voranzubringen. Nun sieht es so aus, als würde sich die Private-Equity-Industrie ein weiteres Mal neu erfinden – indem sie sich nämlich alternativen Anlagezielen zuwendet, weil es im klassischen M&A-Geschäft nicht mehr genügend bezahlbare Anlagechancen gibt.“ Tatsächlich planen viele Private-Equity-Manager bereits, in neue Anlageklassen zu investieren, allen voran in Kredite (51 Prozent), Infrastruktur (44 Prozent) und Venture Capital (40 Prozent). Dazu Steve Roberts: „Die Transformation der Private-Equity-Branche ist bereits in vollem Gange.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung PwC vom 25.02.2019)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©zapp2photo/fotolia.com

05.11.2026

Exportfinanzierung im geopolitischen Stresstest

Geopolitische Spannungen, Sanktionen und verschärfte Exportkontrollen erschweren zunehmend die Finanzierung internationaler Geschäfte. Neben der wirtschaftlichen Tragfähigkeit entscheiden heute auch regulatorische Anforderungen und geopolitische Risiken darüber, ob Exportgeschäfte finanzierbar bleiben. MMag. Marta Zuliamis, Counsel bei Baker McKenzie, und Dr. Oliver Socher, Partner bei Baker McKenzie, erläutern, welche Finanzierungsstrukturen unter diesen Bedingungen an Bedeutung gewinnen, welche Rolle

Exportfinanzierung im geopolitischen Stresstest
Meldung

©pitinan/123rf.com

04.11.2026

CFO-Studie: Zwischen großen Zielen und knappen Ressourcen

Laut einer aktuellen CFO-Studie des Beratungsunternehmens RGP erwarten 89% der CFOs eine positive Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten. Allerdings geben 49% an, dass ihre Transformationsvorhaben die verfügbaren Umsetzungskapazitäten übersteigen. Nur 31% berichten, dass mindestens drei Viertel ihrer großen strategischen Initiativen in den vergangenen drei Jahren die angestrebten Ergebnisse fristgerecht erreicht haben. Hohe Verantwortung, wenig

CFO-Studie: Zwischen großen Zielen und knappen Ressourcen
Meldung

©putilov_denis/fotolia.com

03.11.2026

Deutschlands Rechenzentren vor gewaltigem Wachstum

Künstliche Intelligenz (KI) verändert den deutschen Rechenzentrumsmarkt grundlegend. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie werden 2035 bereits 55 % der Kapazitäten für KI und Hochleistungsrechnen (HPC) benötigt. 2026 liegt der Anteil noch bei 20 %. Die gesamte IT-Anschlussleistung soll von 3.300 Megawatt auf rund 9.700 Megawatt steigen. Damit bleibt Deutschland Europas größter Rechenzentrumsstandort. International wächst jedoch der

Deutschlands Rechenzentren vor gewaltigem Wachstum
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)