30.09.2026

Unternehmen profitieren zunehmend von KI

Immer mehr Unternehmen erzielen mit KI messbare wirtschaftliche Vorteile, investieren deutlich stärker in KI und planen deren umfassenden Einsatz.

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pitinan/123rf.com

Eine wachsende Zahl von Unternehmen zieht mittlerweile einen messbaren Nutzen aus Künstlicher Intelligenz: Rund die Hälfte von ihnen erwirtschaftet signifikanten Wert mit der Technologie – vor einem Jahr waren es lediglich 5 %. Das zeigt der neue „Applied AI Index 2026“ der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), für den 1.330 CEOs und Entscheiderinnen und Entscheider weltweit befragt wurden.

Parallel dazu haben die Unternehmen ihre KI-Investitionen binnen eines Jahres nahezu verdoppelt, auf inzwischen 3,3 % des Umsatzes. Die eigentliche Herausforderung liegt der Studie zufolge nicht mehr darin, ob KI Wert schafft, sondern darin, wie Unternehmen die Technologie kontrollieren und steuern. An der Spitze steht eine kleine Gruppe, die BCG als „future-built“ einstuft: 7,5 % der Unternehmen. Sie liefern eine 2,3-mal höhere Gesamtrendite für Aktionäre (Total Shareholder Return, TSR) als die Nachzügler und wachsen beim Umsatz 2,4-mal so schnell. Auch ihr EBITDA legt 2,8-mal so stark zu.

KI-Investitionen zahlen sich inzwischen aus

Aufschlussreicher für den Gesamtmarkt ist jedoch die zweite, deutlich größere Gruppe: 41 % der Unternehmen skalieren KI bereits und übertreffen Nachzügler ebenfalls, etwa beim Total Shareholder Return, der 1,8-mal höher ausfällt. Zusammen bilden „future-built“- und „scaling“-Unternehmen inzwischen fast die Hälfte des Marktes. Damit lässt sich die These, die Mehrheit der Unternehmen ziehe aus KI keinen Nutzen, anhand der aktuellen Daten nicht mehr halten. „Der Eindruck, KI liefere nicht, hält sich hartnäckig – dabei zeigen unsere Daten ein deutlich differenzierteres Bild“, sagt Nicolas De Bellefonds, der das Thema KI global bei BCG leitet und Co-Autor der Studie ist. „Die eigentliche Aufgabe besteht jetzt darin, diesen Wert in die Breite zu skalieren und gleichzeitig zu steuern, was Unternehmen an KI ausrollen.“

KI wandert aus dem IT-Budget

Das Budget für künstliche Intelligenz ist unter den befragten Unternehmen binnen eines Jahres von 1,7 % auf 3,3 % des Umsatzes gestiegen, mehr als 80 % davon außerhalb des klassischen IT-Budgets. „Wer KI weiterhin ausschließlich als IT-Kosten verbucht, unterschätzt sowohl die tatsächlichen Ausgaben als auch den möglichen Ertrag“, erklärt Michael Grebe, Managing Director und Senior Partner bei BCG und ebenfalls Co-Autor der Studie. „KI ist längst zu einer der größten unternehmerischen Investitionen geworden – und die wenigsten Top-Manager haben das auf dem Schirm.“

Bis 2030 sollen KI-Agenten in 42 % der Unternehmen eigenständig Geschäftsentscheidungen treffen. Aktuell verfügen jedoch nur 5 % über die vollständigen Kontrollmechanismen, die dafür nötig wären – von klaren Aufsichts- und Rollback-Prozessen bis zu Sicherheits-, Audit- und Kostenkontrollen. Der Studie zufolge soll agentische KI bis 2030 rund 40 % des gesamten KI-Werts ausmachen.

„Diese Lücke lässt sich nicht an Regulierungsbehörden oder Technologieanbieter delegieren – die Verantwortung liegt bei den Unternehmen, die diese Systeme einsetzen“, betont Jeff Walters, Managing Director und Senior Partner bei BCG und Co-Autor der Studie. „Genau diese Lücke zwischen Ambition und Kontrolle wird zur zentralen Herausforderung der kommenden zwei Jahre.“

Der Umbruch trifft vor allem die Unternehmensmitte

Unternehmen rechnen bis 2030 mit einem Stellenabbau von rund 10 bis 15 %. Betroffen sind vor allem Koordinationsfunktionen und die mittlere Führungsebene, weniger dagegen fachliche und funktionale Expertenrollen. Die fortschrittlichsten Unternehmen werten diesen Abbau von Koordinationsebenen selbst als Weg zu schlankeren Organisationsstrukturen. Statt Stellen pauschal zu streichen, gestalten „future-built“- und „scaling“-Unternehmen Rollen neu: Sieben von zehn bilden ihre Belegschaft bereits gezielt weiter, und der Anteil dedizierter KI-Rollen soll sich von 7 % im Jahr 2026 auf 22 % bis 2030 verdreifachen. In einer wachsenden Wirtschaft wird laut BCG ein Großteil dieser Verschiebung durch neue Rollen aufgefangen.

„KI verändert die Belegschaft, sie schrumpft sie nicht bloß. Am stärksten trifft es die mittlere Führungsebene, nicht die Fach- und Führungsspitze“, resümiert Amanda Luther, Managing Director und Senior Partnerin bei BCG und Co-Autorin der Studie. „Wie ein Unternehmen Arbeit neu organisiert und seine Belegschaft weiterqualifiziert, entscheidet weit mehr über den Erfolg als die Zahl der gestrichenen Stellen.“

Was die Marktführer unterscheidet

Wo genau der Hebel anzusetzen ist, hängt vom Ausgangspunkt jedes Unternehmens ab: Nachzügler müssen zunächst überhaupt in die Skalierung einsteigen, „scaling“-Unternehmen hingegen den Sprung an die Spitze schaffen. Die Marktführer eint laut BCG, dass sie KI als unternehmensweites Programm steuern. Zunächst schaffen sie strategische Klarheit darüber, wo die Technologie Wert schafft. Anschließend setzen sie KI in besonders wertschöpfungsstarken Bereichen ein und gestalten ganze Arbeitsabläufe neu. Parallel investieren sie in Governance und Belegschaft – und messen die Wirkung der Transformation direkt in der eigenen Gewinn- und Verlustrechnung.

(BCG vom 30.09.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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