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03.07.2018

Unternehmensranking: Digitalriesen überholen Industrie

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© fotomek/fotolia.com

US-amerikanische und chinesische Digitalkonzerne dominieren das Ranking der teuersten Unternehmen. Der Börsenwert der sechs teuersten Unternehmen der Welt, erstmals allesamt Digitalkonzerne, ist um gut 500 Milliarden Euro gestiegen – ein Plus von 13 Prozent.

Gleichzeitig sank der kumulierte Wert aller Top 100 Unternehmen seit Jahresbeginn leicht – um 0,3 Prozent – auf 20,0 Billionen US-Dollar. Die US-amerikanischen Unternehmen vereinen derzeit 64 Prozent des Gesamtvolumens auf sich, die asiatischen machen 19 Prozent aus, europäische nur 16 Prozent.

Das wertvollste Unternehmen der Welt ist wie schon zu Jahresbeginn Apple – der Marktwert liegt zurzeit bei 905 Milliarden US-Dollar. Auf dem zweiten Platz liegt Amazon – der Online-Händler konnte im Vergleich zum Jahresbeginn zwei Plätze aufrücken und hat seinen Börsenwert um 43 Prozent auf 806 Milliarden US-Dollar gesteigert. Das ist ein Wertzuwachs von gut 240 Milliarden US-Dollar in einem halben Jahr – und so viel wie die beiden teuersten deutschen Konzerne SAP und Siemens derzeit zusammen wert sind.

Die Plätze drei bis fünf belegen mit Alphabet, Microsoft und Facebook ebenfalls US-Digitalkonzerne, gefolgt von Alibaba, einem chinesischen Internetkonzernen. Auf dem achten Rang liegt mit Tencent ebenfalls ein chinesischer Internetkonzern.

Nicht nur in den Top 10 der wertvollsten Konzerne der Welt dominieren inzwischen Digitalkonzerne – auch im Top-100-Ranking haben Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen im vergangenen Halbjahr massiv an Bedeutung gewonnen: Ihre Zahl stieg von 18 auf 22 – während gleichzeitig die Zahl der Banken und Versicherungen von 22 auf 16 zurück ging.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die die Marktkapitalisierung der 100 am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit halbjährlich untersucht.

„Investoren setzen derzeit vor allem auf Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen, die bei vergleichbaren Umsätzen und Gewinnen zum Teil drastisch höhere Börsenwerte erzielen als Unternehmen aus traditionellen Branchen“, beobachtet Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY in Deutschland. „Offenbar trauen die Anleger Digitalunternehmen derzeit deutlich größere Wachstumschancen zu. Und sie rechnen damit, dass die Digitalkonzerne Strukturen in anderen Branchen aufbrechen und ihrerseits die Regeln diktieren können, wie es einige der führenden Internetkonzerne bereits geschafft haben.“

Europäische Konzerne verlieren an Bedeutung

Die Zahl der europäischen Unternehmen im Top 100 Ranking sank seit Jahresbeginn von 24 auf 22 – Nordamerika ist mit 57 Unternehmen vertreten (Jahresbeginn: 55), Asien nach wie vor mit 21. Allerdings sind die europäischen Top-Konzerne insgesamt deutlich weniger wert als die Konkurrenz aus Nordamerika und China. Insgesamt kommen alle europäischen Unternehmen auf einen Börsenwert von 3,1 Billionen US-Dollar, drei Prozent weniger als vor einem halben Jahr. Die asiatischen Unternehmen sind 3,8 Billionen US-Dollar wert (minus fünf Prozent) und die nordamerikanischen Konzerne kommen auf 12,8 Billionen US-Dollar (plus zwei Prozent).

Als teuerstes europäisches Unternehmen platziert sich der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch Shell mit einem Marktwert von 293 Milliarden US-Dollar auf Rang 13. Der Softwarekonzern SAP ist mit 137 Milliarden US-Dollar auf Platz 58 das erste deutsche Unternehmen in den Top 100. Siemens (110 Milliarden, Platz 73) und Bayer (103 Milliarden, Platz 84) haben es ebenfalls unter die 100 teuersten Unternehmen der Welt geschafft. Zu Jahresbeginn waren noch sechs deutsche Unternehmen im Ranking vertreten gewesen.

„Die Digitalisierung ist derzeit der wichtigste Megatrend – und europäische Konzerne scheinen eher zu den Gejagten als zu den Jägern zu gehören“, beobachtet Barth. „Sie konnten im vergangenen Halbjahr nicht vom Aufwärtstrend an den internationalen Börsen profitieren, sondern verloren an Wert. Das gilt auch für die deutschen Top-Konzerne: Statt sechs sind nur noch drei deutsche Unternehmen unter den Top 100 vertreten.“

Die Dominanz der Konzerne aus den USA und zunehmend auch aus China gibt Barth zu denken: „Obwohl die europäische Wirtschaft sich derzeit erholt und gerade die deutschen Konzerne eine gute Umsatz- und Gewinnentwicklung vorweisen können, spielen Europas und auch Deutschlands Top-Konzerne an den Weltbörsen nur eine untergeordnete Rolle. US-Konzerne dominieren nach wie vor – und wenn überhaupt scheinen eher die asiatischen als die europäischen Konzerne in der Lage zu sein, ihnen Paroli zu bieten. Offenbar schaffen es europäische Unternehmen zu selten, den Investoren ein überzeugendes Zukunftsmodell zu vermitteln. Umso wichtiger ist, dass die europäische Wirtschaft neuen Schwung bekommt und den Beweis antritt, dass sie auch in der digitalen Wirtschaft von morgen ein wichtiges Wort mitzureden hat.“

(Pressemitteilung EY vom 29.06.2018)


Redaktion

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