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29.08.2016

Unternehmer spüren immer noch die Nachwirkungen der Finanzkrise

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Obwohl neue Quellen für Unternehmensfinanzierung, wie Crowdfunding, an Popularität gewinnen, sind, nach einem neuen Bericht über Entrepreneurial Finance des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) zufolge, Unternehmer mehr als zuvor auf Eigenfinanzierung angewiesen.

Obwohl neue Quellen für Unternehmensfinanzierung, wie Crowdfunding, an Popularität gewinnen, sind, nach einem neuen Bericht über Entrepreneurial Finance des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) zufolge, Unternehmer mehr als zuvor auf Eigenfinanzierung angewiesen.

Die globale Finanzkrise hat, was das Unternehmertum angeht, weltweit Spuren hinterlassen. Eine neue Studie zeigt, dass sich die Mehrheit der Unternehmer (95 Prozent) für Neugründungen auf ihre eigenen finanziellen Mittel verlassen muss.  Trotz der Tatsache, dass die durchschnittlichen Gründungskosten für ein Unternehmen gesunken sind, erklären die Autoren, dass der Zugang zu Finanzmitteln in vielen Ländern für Unternehmen ein großes Problem darstellt. Kleine und mittlere Unternehmen haben hierbei am meisten zu kämpfen.

Der Global Entrepreneurship Monitor 2015-2016 Special Report on Entrepreneurial Finance (ein Sonderbericht über Unternehmensfinanzierung) untersuchte unternehmerische Finanzmodelle auf der ganzen Welt. „Die jüngste Finanzkrise, die schlimmste der vergangenen 80 Jahre, hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage und die ganze Unternehmenslandschaft“, erklären die Autoren Dr. Caroline Daniels, Mike Herrington, und Penny Kew.

Rund sechzig Länder nehmen jährlich an dem globalen Forschungsprojekt Global Entrepreneurship Monitor (GEM) teil. Der vorherige Sonderbericht über Entrepreneurial Finance (Unternehmensfinanzierung) wurde vor zehn Jahren veröffentlicht. Seitdem haben sich Faktoren, wie Gründungskosten, Verfügbarkeit von Finanzmitteln und von Finanzierungsquellen, weiterentwickelt.

Unternehmer nutzen eigene Mittel zur Gründung

Für die Neugründung eines Unternehmens wurden im Jahr 2004 im Durchschnitt 54.000 USD und im Jahr 2006 rund 65.000 US-Dollar benötigt. Der Medianbetrag im Jahr 2015 liegt bei nur 13.000 USD.
„Trotz der Tatsache, dass im Jahr 2015 ein Medianwert, anstatt der zuvor berechneten Durchschnittswerte, verwendet wurde und ein direkter Vergleich demnach eigentlich nicht möglich ist, erkennen wir aus diesen Zahlen, dass Unternehmer von heute immer mehr bereit sind ein Unternehmen mit weniger Mitteln zu gründen. Die Ergebnisse zeigen, dass sie dazu fähig sind, was unserer Meinung nach mit dem Einfluss des Internets zu tun haben kann“, erklärt Herrington.

Aus einer globalen Perspektive nutzen 95 Prozent der Unternehmer zur Gründung eines Unternehmens eigene finanzielle Mittel. In Deutschland liegt dieser Wert bei 90 Prozent. In Israel und Spanien wird der niedrigste Durchschnittswert verzeichnet, nur 79 Prozent der Unternehmer nutzen eigene finanzielle Mittel zur Gründung ihres Unternehmens.

Der Anteil der erforderlichen Gesamt(eigen)investitionen für Unternehmensgründungen variiert stark: 47 Prozent in Burkina Faso sowie im Senegal, bis zu 91 Prozent in China beziehungsweise 98 Prozent in Indonesien. In Deutschland müssen rund 72 Prozent der gesamten Gründungsinvestitionen aus eigener Kasse bezahlt werden. Im Durchschnitt steigt der Eigeninvestmentanteil weltweit – im Jahr 2004 lieferten Unternehmer durchschnittlich 66 Prozent ihres Startkapitals, im Jahr 2015 sind es bereits 72 Prozent.

„Im gegenwärtigen wirtschaftlichen Klima deutet das alles auf ein immer stärker werdendes Gefühl der Eigenständigkeit hin“, erklärt Herrington. Er betont, dass die Unternehmer häufig aus der Not Eigenmittel verwenden, da sie keine Fördermittel erhalten. „Dies gilt vor allem für Unternehmerrinnen, die von traditionellen Kreditgebern oft ungleich behandelt werden – sowohl in Industrie- und Entwicklungsländern.“

Frauen benötigen weniger Gründungsmittel

Mit Ausnahme von nur zwei Ländern benötigen Unternehmerinnen in allen anderen Ländern weniger Geld als Männer, um ein Unternehmen zu gründen. In Kanada stellt sich heraus, dass Männer 8,5-mal so viel Gründungsmittel benötigen wie Frauen – der höchste geschlechtsspezifische Unterschied. In Deutschland benötigen Männer 2,5-mal so viel Starthilfe wie Frauen.

Für viele Unternehmer spielen die eigenen Ersparnisse, sowie die Beiträge von Nachbarn, Familie und Freunden eine wichtige Rolle; Unterstützung von Fremden kommt seltener vor. „Wenn man aus privilegierten Lebensumständen kommt, vor allem in Afrika und Nordamerika, wo die Anteile an informellen Investitionen am höchsten sind, verschafft einem das natürlich einen günstigen Vorsprung“, betont Kew.

Banken bleiben wichtigste Finanzierungsquelle

In allen Regionen bleiben die Banken eine wichtige Finanzierungsquelle – in Afrika, Asien und Ozeanien stellen die Banken für circa ein Viertel der Unternehmer Finanzierungsbeiträge bereit. In Nordamerika erreichen die Finanzierungen rund ein Drittel der Unternehmer. Staatliche Förderung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, am höchsten ist sie in Nordamerika (27 Prozent) und Europa (23 Prozent). In Afrika (17 Prozent) sind steigende Tendenzen bezüglich der staatlichen finanziellen Unterstützung festzustellen.

Der Bericht zeigt, dass die traditionellen Formen der Unternehmensfinanzierung zunehmend durch weitere Mittel ergänzt werden: Peer-to-Peer-Kredite, Crowdfunding, Mikro- und Genossenschaftsfinanzierung. Gleichzeitig werden Industrie, Geschäftsmodelle und das Konzept der „Marktplätze“ von der Mobilfunktechnologie neu definiert.

Studienautorin Daniels erklärt, dass die Globalisierung und die Rolle der Technologie – einschließlich die der sozialen Medien – vor allem in den stärker entwickelten Nationen nicht unterschätzt werden dürfen. „Unternehmer in Nordamerika haben häufig zu mehr Finanzierungsquellen, wie Venture-Capital und Crowdfunding, Zugang.“ „14 Prozent der nordamerikanischen Unternehmer sind durch Crowdfunding finanziert. In Afrika, Asien und Ozeanien, liegt dieser Wert bei zwei Prozent, in Europa bei fünf Prozent. „Die Geschäfte weiten sich global immer mehr aus“, so Daniels. „Da das Bewusstsein für den Zugang zu Ressourcen wächst, erforschen die Akteure Wege, um die Finanzierungsmöglichkeiten in allen Volkswirtschaften zu verbessern.“

(Quelle: Global Entrepreneurship Monitor)


Redaktion

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