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13.10.2021

Verknappung und Preisexplosion dämpfen die wirtschaftliche Erholung

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© djvstock/fotolia.com

Entgegen aller Erwartungen lässt das Tempo der weltweiten wirtschaftlichen Erholung bereits jetzt wieder nach, während die Inflationstendenzen vorerst noch leicht unter den Erwartungen bleiben. Das Vertrauen insbesondere in Westeuropa und Nordamerika sinkt, verharrt aber auf hohem Niveau. Länderübergreifend herrscht eine allgemeine Sorge vor stark steigenden Produktionskosten.

Das sind die zentralen Resultate des aktuellen Global Economic Conditions Survey, der vom Institute of Management Accountants (IMA) und der Association of Chartered Certified Accountants (ACCA) durch die Befragung von rund 1.000 Accountants und CFOs erstellt wurde.

Die aktuellen Versorgungsengpässe – auch jenseits der durch den Brexit verursachten in Großbritannien – gehören zu den derzeit wohl größten Hürden, mit denen die Wirtschaft Deutschlands und Westeuropas zu kämpfen haben. Von Rohstoffmangel und steigenden Preisen bis hin zur Personalknappheit sorgen die direkten und indirekten COVID-Spätfolgen nach den ersten Boom-Effekten nun für ein gebremstes Wachstum. Das gilt insbesondere für Deutschland, wo die Materialknappheit ganze Branchen vor ernste Herausforderungen stellt – auch und vor allem in der Automobilindustrie. Im Bereich der Halbleitertechnik erschwert die Knappheit nicht nur den einzelnen Anbietern ihre Aktivitäten, sondern bremst die gesamte digitale Transformation.

Stabile Aktivitäts-Indikatoren, Wachstumstreiber Tourismus

Dementsprechend fällt auch das Vertrauen in den Ländern Westeuropas. Die Aktivitäts-Indikatoren blieben im dritten Quartal 2021 weitgehend unverändert. Einer der maßgeblichen Wachstumstreiber ist der Tourismus, der in den entsprechenden Ländern an Fahrt aufnimmt. So stieg etwa die Hotelauslastung in Spanien und Portugal im Juli und August deutlich an. Für dieses Quartal scheint in der Eurozone ein Plus von 2,5 Prozent beim BIP durchaus möglich – was nahe an den Wert des vierten Quartals 2019 heranreicht. Auf der anderen Seite steht eine Gesamtinflation von 3 Prozent im August. Das ist der höchste Wert seit November 2011.

Schwächeres Wachstum, aber sinkender Angst-Index

Generell zeigt der Report im Vergleich zum vorangegangenen Betrachtungszeitraum eine leichte Abschwächung der weltweiten wirtschaftlichen Erholung. Das Vertrauen ist weltweit – allerdings auf hohem Niveau – etwas zurückgegangen. Ursächlich hierfür ist trotz hoher Impfraten in entwickelten Märkten vor allem die Situation in Ländern mit niedriger Impfquote und nach wie vor vielen Infektionen.

Einer der Schlüsselindikatoren, der Global Orders Index, zeigt ebenfalls einen leichten Rückgang – auch hier auf vergleichsweise hohem Niveau nach einer starken Zunahme im zweiten Quartal 2021. Insgesamt zeigt der Blick auf die Bestellungen (Order Index) eine zweigeteilte Entwicklung: Während er in Entwicklungsmärkten leicht steigt, sinkt er in den USA und Westeuropa. Dennoch befindet er sich hier immer noch auf einem höheren Niveau – entsprechend besser sind auch die Aussichten für die entwickelten Märkte.

Die so genannten „Two Fear“-Indizes, die Kunden- und Zulieferer-Verhalten in den Fokus stellen, sind im dritten Quartal 2021 ebenfalls gesunken. Damit zeigt sich im weitesten Sinn ein Weg zurück in die Normalität. Die erste, hektische Aufholphase nach den Beschränkungen der Pandemie scheint abgeschlossen, Chancen und Risiken halten sich fortan in der vor der Pandemie üblichen Balance.

Grüne Transformation

Ein besonderes Gewicht legt der Report auf das Thema „Net Zero“, also die Dekarbonisierung der Prozesse, Produkte und Services mithilfe einer entsprechenden Bepreisung. Hier stehen vor allem die Investitionen in eine grünere Infrastruktur durch Unternehmen und die öffentliche Hand sowie die Lenkungswirkung der CO2-Emissionspreise im Zentrum. Dabei kommt gerade dem öffentlichen Sektor eine besondere Bedeutung zu. Laut Report wird dieser Bereich in der kommenden Dekade Investitionen in Höhe von 0,5 bis 4,5 Prozent des BIP ausmachen. Allein ein weltweiter Mindestpreis könnte das Ziel, spätestens 2050 die Emissionen auf Null zu senken, ein gutes Stück näher rücken – und die Verbraucher dazu anregen, eine besonders bewusste Kaufentscheidung zu treffen.

„Der ökologische Aspekt wird immer wichtiger und wird das Investitionsverhalten zunehmend beeinflussen, wenn nicht dominieren. Die aktuelle Erholungsphase sollte auch dazu genutzt werden, die Transformation zu beschleunigen. Gerade die Finanzabteilung in den Unternehmen kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie die digitalen Möglichkeiten gezielt dazu nutzt“, erklärt Bernardin Generalao, Director Regional Partner Relations DACH beim IMA.

Der komplette Report zur Studie findet sich hier.

(Pressemitteilung IMA und ACCA vom 13.10.2021)


Redaktion

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