• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Verpflichtendes Nachhaltigkeitsreporting setzt Mittelstand massiv unter Druck

01.03.2023

Verpflichtendes Nachhaltigkeitsreporting setzt Mittelstand massiv unter Druck

Eine Frage der Überzeugung oder reine Pflichterfüllung? Wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, ist Pflichterfüllung auf jeden Fall gefragt. Denn mit der EU-Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), steigen die Reporting-Anforderungen enorm. Und diese setzen 62 Prozent der Mittelständler aus dem verarbeitenden Gewerbe erheblich unter Druck. 60 Prozent der Unternehmen haben zwar erkannt, dass sie sich der grünen Transformation in den kommenden Jahren noch mehr als in der Vergangenheit stellen müssen, aber sie gehen diese noch nicht ganzheitlich an und können die gesetzlichen Anforderungen deshalb noch nicht erfüllen.

Beitrag mit Bild

©tstockwerkfotodesign/de.123rf.com

Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „ESG-Strategie und -Berichterstattung: Chance und Herausforderung für den deutschen Mittelstand“. Gemeinsam mit dem Institut für Management und Innovation (IMI) der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC knapp 160 mittelständische Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe gefragt, wie sie mit dem Thema ESG (Environmental Social Governance) umgehen – von der strategischen Ausrichtung bis zur konkreten Umsetzung.

Herausforderungen: Energie, Fachkräfte, Rohstoffe

Die steigenden regulatorischen Anforderungen treffen die mittelständischen Unternehmen in einer Zeit, in der sie durch zahlreiche Krisen gefordert sind. Dadurch steigt die Gefahr, dass Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsreporting von der Agenda der Geschäftsführung rutschen: Denn als größte Herausforderung in den nächsten Jahren sehen 70 Prozent der Befragten die drastisch gestiegenen Energiekosten im Zuge des Ukraine-Krieges. Mit geringem Abstand folgt mit 66 Prozent der Fachkräftemangel – noch vor den hohen Rohstoffpreisen/der Rohstoffknappheit (63 Prozent). Die Transformation zu einem nachhaltigen Unternehmen landet mit 60 Prozent erst auf dem fünften Platz.

„Offenbar unterschätzen die Unternehmen die Bedeutung einer nachhaltigen Transformation. Sie ist nämlich eine entscheidende Voraussetzung, die anderen genannten Herausforderungen zu meistern: Nachhaltige Unternehmen sind energieeffizient und begegnen so dem Problem der Energieknappheit. Sie gehen sparsam und nachhaltig mit Rohstoffen um und haben daher weniger Probleme bei der Beschaffung. Und sie sind attraktiver für junge Menschen, was der Suche nach Fachkräften zugutekommt“, sagt Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC Deutschland.

Treiber: Die Unternehmen lassen sich von äußerem Druck leiten

Derzeit lassen sich die Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit stärker von äußeren Faktoren als inneren Motiven leiten. Lediglich ein Drittel verfolgt eine nachhaltige Ausrichtung, weil sie dem eigenen Selbstverständnis entspricht. Zu den wichtigsten Treibern zählen neben den gesetzlichen Anforderungen die Energie- und Ressourceneffizienz (76 Prozent) und die Erwartungen des Marktes (69 Prozent).

Von einer konsequent nachhaltigen Unternehmensführung ist der deutsche Mittelstand demnach noch weit entfernt: Das zeigt sich unter anderem darin, dass nur ein Viertel der befragten Unternehmen die Fortschritte ihrer Nachhaltigkeitsinitiativen misst. Auch hat die Mehrheit mit 63 Prozent lediglich erste Analysen durchgeführt, welche regulatorischen Anforderungen künftig auf sie zukommen werden. Dabei sind diese immens: Mit der Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen, der CSRD, und der EU-Taxonomie Verordnung wachsen die Reporting-Pflichten enorm und sind künftig der finanziellen Berichterstattung weitgehend gleichgestellt, auch in der Prüfung durch externe Wirtschaftsprüfer.

Von den ambitionierten Transparenz- und Berichterstattungspflichten fühlen sich zwei Drittel (76 Prozent) der Unternehmen überfordert. Viele sorgen sich ebenso, dass sie Personal einsetzen müssen, das ihnen an anderer Stelle fehlt (62 Prozent).

Gefahr des Greenwashings und einer halbherzigen Umsetzung

Dazu kommt, dass mehr als die Hälfte der befragten Mittelständler (54 Prozent) angesichts des enormen bürokratischen Aufwands eher ein Greenwashing erwartet: Das Risiko einer halbherzigen Umsetzung schätzen die Nachhaltigkeitsbeauftragten unter den Befragten besonders hoch ein – mit 63 Prozent liegen sie neun Prozent über dem Durchschnitt aller Befragten. „Das ist fatal, weil es darauf hindeutet, dass diese Mitarbeitenden den Eindruck haben, als Feigenblatt herhalten zu müssen. Als strategisches Thema muss Nachhaltigkeit aber immer auf höchster Ebene angesiedelt sein“, erklärt Rittmann.

Und Nicolette Behncke, Partnerin im Bereich Sustainability Services bei PwC, ergänzt: „Mittelständische Unternehmen, die die grüne Transformation mit einer ganzheitlichen, kennzahlenbasierten Strategie angehen, verschaffen sich enorme Vorteile: eine Top-Position im Wettbewerb, gesellschaftliche Akzeptanz, eine starke Marke als Arbeitgeber und Glaubwürdigkeit gegenüber Kreditgebern.“

Regulierung: Drei Viertel von Berichtspflichten überfordert

Eine besonders große Hürde für die Erfüllung der neuen Reportingpflichten ist die Qualität der Daten: 73 Prozent geben an, dass sie Schwierigkeiten bei der Erfassung, Qualität, Verarbeitung und Analyse ihrer Daten haben.

„Jetzt macht sich bemerkbar, dass ein Teil der mittelständischen Unternehmen beim Thema Digitalisierung seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Die digitale Transformation ist eine erhebliche Erleichterung, um eine stark datengetriebene Aufgabe wie die Umsetzung der CSRD zu bewältigen. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, neue Prozesse und Technologien zu etablieren. Es wäre ein erheblicher strategischer Fehler, sich auf die bekannten Bordmittel wie Excel zu verlassen, um den neuen Anforderungen Rechnung zu tragen“, so Rittmann.

Das allerdings machen die meisten befragten Unternehmen: Mehr als Drei Viertel (78 Prozent) nutzen excelbasierte Tools für die Verarbeitung von Nachhaltigkeitsdaten.

(Pressemitteilung PwC vom 01.03.2023)


Weitere Meldungen


Meldung

©EtiAmmos/fotolia.com

28.10.2026

Kritische Rohstoffe werden zum Finanzierungsrisiko

Engpässe bei kritischen Rohstoffen bedrohen zunehmend die Industrieproduktion. Laut Boston Consulting Group (BCG) unterschätzen viele Unternehmen ihre Abhängigkeiten und verpassen zugleich Chancen auf staatliche Finanzierungshilfen. Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich Nach Berechnungen der BCG könnte die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Lithium, Kupfer und Graphit bis 2040 bei 120 bis 250 % des

Kritische Rohstoffe werden zum Finanzierungsrisiko
Meldung

©peterschreibermedia/123rf.com

27.10.2026

Kostendruck bremst grüne Transformation

Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland verschiebt Investitionen in Nachhaltigkeit. Gleichzeitig kritisiert eine deutliche Mehrheit die aufwendigen ESG-Berichtspflichten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers Atradius. Nachhaltigkeit bleibt wichtig – doch das Geld fehlt Die schwache Industriekonjunktur, Liquiditätsengpässe und geopolitische Unsicherheiten setzen Unternehmen unter Druck. Laut Atradius-Umfrage räumen 73 % der Befragten Nachhaltigkeit weiterhin eine

Kostendruck bremst grüne Transformation
Meldung

© fotogestoeber/fotolia.com

26.10.2026

So viele Gründungen wie seit 15 Jahren nicht mehr

Das Gründungsgeschehen in Deutschland hat 2025 deutlich an Dynamik gewonnen. Nach einer Erhebung des ZEW Mannheim und Creditreform wurden rund 183.000 neue Unternehmen gegründet. Das sind 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. Besonders stark fällt der Aufschwung bei wachstumsorientierten, innovativen Start-ups aus. Rund 3.100 solcher Unternehmen

So viele Gründungen wie seit 15 Jahren nicht mehr
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)