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27.01.2017

Versicherer erkennen Digitalisierungsdruck und planen Zukäufe

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Die Versicherungsbranche versucht mit Hochdruck, den bestehenden Rückstand bei der Digitalisierung ihres Geschäftsmodells im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Bereichen des Finanzdienstleistungssektors zu verringern. Das zeigt die aktuelle Digitalisierungsstudie von Willis Towers Watson und Mergermarket.

Die Versicherungsbranche versucht mit Hochdruck, den bestehenden Rückstand bei der Digitalisierung ihres Geschäftsmodells im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Bereichen des Finanzdienstleistungssektors zu verringern. Das zeigt die aktuelle Digitalisierungsstudie von Willis Towers Watson und Mergermarket, die unter 200 Führungskräften von Versicherungen in Amerika, Asien und EMEA (Europa, naher Osten und Afrika) durchgeführt wurde.

Fast 50 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden drei Jahren mit einem oder mehreren Zukäufen im Segment neuer Technologien. Fast 75 Prozent sagen, dass es dem Versicherungssektor in der Vergangenheit nicht gelungen ist, die digitale Transformation prägend mitzugestalten.

Regulierung und Kosten sind Hauptgründe für Verzögerungen

Als Hauptgrund für die langsame digitale Entwicklung gilt neben der komplexen Regulierung, die 42 Prozent als Hürde angeben, vor allem der Kostenfaktor: 32 Prozent der Befragten identifizieren den langen Entwicklungszeitraum bis zur Kommerzialisierung von neuen Technologien als Hindernis. 24 Prozent geben an, dass vor allem das Gesamtvolumen der benötigten Investitionen beim Umsetzen von digitalen Innovationen eine wichtige Rolle spielt.

Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson in Deutschland, fügt hinzu: „Außerdem hatten Banken in der Vergangenheit engeren Kontakt zu ihren Kunden und sind den Versicherern deshalb voraus. Die Qualität und Quantität des Informationsaustausches von Versicherern und ihren Kunden, die möglicherweise nur einmal im Jahr ihren Vertrag verlängern, ist einfach nicht vergleichbar und gilt ebenfalls als Hürde.“

Nutzen für Kundendialog

Die Versicherer erkennen jedoch, wie wichtig eine nachhaltige digitale Infrastruktur ist, um besser mit Kunden interagieren zu können. „Zugleich verstehen sie, dass eine digitale Infrastruktur zukünftig auch ein essenzieller Vertriebskanal sein wird, der entweder durch eigene interne Innovation, Joint Ventures oder aber auch M&A-Aktivitäten, also Zukäufe und Übernahmen, umgesetzt werden kann. Diejenigen, die noch zögern, laufen immer mehr Gefahr, hinter der Entwicklung zurückzufallen und insbesondere die jüngeren Generationen an innovativere Wettbewerber zu verlieren“, ergänzt Klüttgens.

Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten erwarten mindestens eine Akquisition in den kommenden drei Jahren, da sie sich auf diese Weise digitale Technologien aneignen wollen. 14 Prozent gehen sogar von mehr als einer Akquisition aus. „Ein Zukauf von Unternehmen, die über innovative Technologien beziehungsweise Lösungen verfügen, ist ein essentieller strategischer Baustein, um die digitale Transformation zu meistern“, erklärt Carsten Hoffmann, Head of Innovation & Business Development für die Versicherungsberatung von Willis Towers Watson in Deutschland. „Dabei geht es nicht nur um die Beschleunigung von Innovationen, sondern auch um einen wichtigen Perspektivwechsel, den die jungen Unternehmen in erfrischender Form mitbringen: Sie stellen den Kunden kompromisslos in den Mittelpunkt und beschleunigen so den internen Kulturwandel im Versicherungsunternehmen.“

Vertrieb ist zentraler Punkt bei der Digitalisierung

Das größte Potenzial für digitale Technologien sehen 94 Prozent der Studienteilnehmer für die nächsten fünf Jahre im Vertrieb. Die Schadensabwicklung und -regulierung sowie das Kundenmanagement haben ebenfalls hohe strategische Priorität in der Digitalisierung.

Die Versicherer wägen Möglichkeiten und Risiken der Digitalisierung genau ab, um Betriebsabläufe effizienter zu gestalten, nicht nur hinsichtlich der Kosten, sondern auch um das Kundenerlebnis zu stärken. Hoffmann ergänzt: „Die derzeit neu entstehenden Tools und Technologien sind häufig Neuland für die Versicherer. Der Zukauf von technologischem Know-how ist in vielen Fällen die einzige Möglichkeit, nicht den Anschluss zu verlieren und diese Technologien auch im eigenen Unternehmen zu integrieren. Man kann davon ausgehen, dass dies in den kommenden Jahren eine Welle von M&A-Aktivitäten auslösen wird.“

Big Data auf dem Vormarsch

Die Entwicklung von Daten- und Analysetools wird von den Studienteilnehmern ebenfalls im Zusammenhang mit digitalen Innovationen betont. Neun von zehn der Befragten geben an, zu untersuchen, wie sie mehr Informationen direkt von ihren bestehenden Kunden sammeln könnten. 79 Prozent recherchieren demnach Daten aus sozialen Netzwerken, 53 Prozent suchen nach neuen Wegen, um an öffentlich zugängliche Daten zu gelangen.

Wer gewinnt das digitale Rennen?

Als „digital disruptiv“ in den kommenden Jahren schätzen 45 Prozent der Studienteilnehmer die Versicherungsunternehmen selber ein, ebenfalls 45 Prozent sehen die Start-up-Firmen aus der Versicherungsszene als Treiber für starke Veränderungen. Lediglich acht Prozent geben an, dass neue Marktteilnehmer den Markt durchbrechen werden. Die Gefahr, dass die Branche von großen Playern wie Google und Facebook aufgerüttelt wird, wird als weniger kritisch angesehen.

Klüttgens kommentiert: „In der derzeitigen Niedrigzinsphase müssen Versicherer Nischen finden, in denen sie ihre Geschäftstätigkeiten ausführen und ihren Kundenstamm ausbauen – und das mit Hilfe von digitalen Technologien. ,Disruption‘ ist – genauso wie die Interaktion mit den zukünftigen Kundengenerationen – die Voraussetzung für Produktinnovation. Nur so können Customer Lifetime Value (Kundenwert) und Gewinnspanne für die Unternehmen optimiert werden.“

(Pressemitteilung Willis Towers Watson vom 26.01.2017)


Redaktion

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