21.12.2017

Weltweite Megadeals gehen deutlich zurück

Beitrag mit Bild

Nach zwei Rekordjahren bei weltweiten Fusionen und Übernahmen 2015 und 2016 geht die Entwicklung im auslaufenden Jahr in die entgegengesetzte Richtung. Der gleitende Zwölf-Monatsdurchschnitt des ZEW-ZEPHYR M&A-Volumen-pro-Deal-Indexes lag im November 2017 bei 113 Punkten, dem geringsten Wert seit April 2015.

Nach zwei Rekordjahren bei weltweiten Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) 2015 und 2016 geht die Entwicklung im auslaufenden Jahr in die entgegengesetzte Richtung. Der gleitende Zwölf-Monatsdurchschnitt des ZEW-ZEPHYR M&A-Volumen-pro-Deal-Indexes lag im November 2017 bei 113 Punkten, dem geringsten Wert seit April 2015. Der Zwölf-Monatsdurchschnitt ist somit elf Monate in Folge gefallen, was zuletzt während der ausgehenden Finanzkrise 2009 der Fall war.

Zu diesem Ergebnis kommen Untersuchungen des ZEW auf Basis der Zephyr-Datenbank von Bureau van Dijk.

Während die Anzahl an Transaktionen im Jahr 2017 nahezu konstant geblieben ist, verringerte sich das durchschnittliche Volumen pro Deal signifikant. Auffällig ist hierbei, dass vor allem die ganz großen Zukäufe zurückgegangen sind. So gab es 244 Transaktionen im Jahr 2017 mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro und 18 Deals mit einem Transaktionsvolumen von mehr als zehn Milliarden Euro. Im Vergleich dazu waren es im Jahr zuvor noch 315 Transaktionen und 350 Transaktionen im Jahr

2015 mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro sowie 34 Deals (2016) beziehungsweise 37 Deals (2015) mit einem Volumen von mehr als zehn Milliarden Euro. Der größte Deal im Jahr 2017 wurde in der Chemiebranche abgewickelt und wäre mit einem Volumen von 51 Milliarden Euro nur auf Platz vier gelandet, hätte er im Jahr 2016 stattgefunden.

Mit der Fusion der beiden US-amerikanischen Chemieriesen Dow Chemical und E.I. DuPont konsolidiert sich die Chemie- beziehungsweise Agrarbranche weiter, was größere Bedenken der Kartellbehörden beidseits des Atlantiks auslöste. Der Zusammenschluss war bereits Ende 2015 angekündigt worden, doch durch die eingehende Prüfung konnte der Deal erst dieses Jahr vollzogen werden. Außerdem wurde der Zusammenschluss nur unter Auflagen gewährt. DuPont musste demnach Teile seiner Produktpalette verkaufen.

Die Gründe für die rückläufige Entwicklung

Der Grund für die rückläufige Entwicklung bei weltweiten Fusionen und Übernahmen sind einerseits die Unternehmensbewertungen, andererseits die Geschäftsentwicklungen in den USA. „Nach Jahren des ‚billigen Geldes‘ in den Vereinigten Staaten sowie Europa sind viele Mittel in Aktien und Unternehmensanleihen geflossen. Das hat dazu geführt, dass sich potenzielle Übernahmeziele für Investoren deutlich verteuert haben. Daher haben sich diese Investoren mit einer Kaufentscheidung auch zurückgehalten“, sagt Niklas Dürr, Wissenschaftler in der ZEW-Forschungsgruppe „Wettbewerb und Regulierung“. Gleichzeitig prüfen die US-Kartellbehörden geplante Unternehmensübernahmen nun doch strenger, als ursprünglich erwartet. „In den USA wird schon von einer ‚Post-Trump-Nervosität‘ gesprochen“, erklärt Dürr.

Zunächst wurde davon ausgegangen, dass unter der Trump-Administration die M&A-Regularien laxer ausgelegt würden. „Dies hat sich aber im ersten Jahr seiner Amtszeit nicht bewahrheitet“, so Dürr. Vor allem die geplante Übernahme in der US-Medienbranche von Time Warner durch AT&T in Höhe von 85 Milliarden US-Dollar kommt wohl aufgrund von juristischen Streitpunkten mit dem US-amerikanischen Justizministerium vorerst nicht zustande.

„Probleme bei einer derart großen Übernahme können bei führenden Managern vor allem in den USA mit Blick auf Deals in ähnlichen Dimensionen zu Zurückhaltung führen. Gerade hier könnte sich also die Trump-Administration als Verhinderer und nicht als Möglichmacher großer Deals erweisen“, erläutert Niklas Dürr.

Anstehende Mega Deals im neuen Jahr

Für das neue Jahr stehen zwei große Übernahmen im Raum. Im amerikanischen Gesundheitsmarkt plant CVS Health Corp. die Übernahme von Aetna Inc. für geschätzte 67 Milliarden US Dollar, um damit zum größten Spieler in der Branche zu werden. Der fusionierte Konzern würde von Krankenversicherungen bis zur Apothekenkette im Gesundheitsbereich alles abdecken. Die noch deutlich größere Übernahme, von der zuletzt viel die Rede war, betrifft die Hersteller von Computerchips. Hier plant das im Großraum Los Angeles ansässige Unternehmen Broadcom seinen Konkurrenten Qualcomm, den weltweit größten Hersteller von Handychips, für schätzungsweise 103 Milliarden US Dollar zu schlucken. Ein erstes Angebot wurde jedoch von Qualcomm zurückgewiesen. Möglicherweise steht hier nun 2018 eine feindliche Übernahme an.

(Pressemitteilung ZEW vom 21.12.2017)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© anyaberkut/fotolia.com

25.06.2026

Der deutsche Mittelstand überschätzt seine Cyber-Abwehrkräfte

Mittelständische Unternehmen bewerten ihre Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe deutlich positiver als objektive Prüfungen. In vielen Fällen sind zudem die Investitionen in IT-Sicherheit zu niedrig, um die Komplexität aktueller IT-Landschaften und regulatorischer Anforderungen angemessen zu berücksichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt die PwC-Studie „Trügerische Sicherheit: der Mittelstand überschätzt seine Cyber-Resilienz“, der eine Befragung von 400 Führungskräften aus mittelständischen

Der deutsche Mittelstand überschätzt seine Cyber-Abwehrkräfte
Meldung

©fotomek/fotolia.com

24.06.2026

EU-Stresstest 2027: Mehr Proportionalität, neue Klimarisiken

Die Europäische Bankenaufsicht (European Banking Authority – EBA) konsultiert den überarbeiteten EU-weiten Stresstest. Dieser ist stärker risikoorientiert. Bei der Methodik, den Templates und Anleitungen, die bei dem Stresstest 2027 angewendet werden sollen, sind zum Beispiel die Datenanforderungen an die beaufsichtigten Unternehmen gesunken. Zudem sollen die Anforderungen des Stresstests mit aufsichtlichen Standards harmonisiert werden. Dadurch sinkt

EU-Stresstest 2027: Mehr Proportionalität, neue Klimarisiken
Meldung

©7razer/fotolia.com

23.06.2026

10 Jahre Brexit bremst britische Wirtschaft und deutschen Export

Zehn Jahre nach dem Brexit zeigt sich die britische Wirtschaft insgesamt robust, bleibt aber deutlich hinter ihrem Potenzial zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade. Das hat auch Folgen für Deutschland und die Europäische Union (EU), die mit einer dauerhaft geringeren Handelsdynamik, stärkerem Wettbewerb und hoher Unsicherheit durch

10 Jahre Brexit bremst britische Wirtschaft und deutschen Export
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)