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22.04.2020

Weltweite Wertschaffung von Banken ist im dritten Jahr in Folge rückläufig

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© BillionPhotos.com / fotolia.com

Die Wertschaffung von Banken ist weltweit im dritten Jahr in Folge rückläufig – und dies bereits vor COVID-19. Die Krise setzt Banken zusätzlich unter Druck.

Das zeigt der Report Global Risk 2020: It’s Time for Banks to Self-Disrupt der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Die Studie analysiert sowohl die aktuellen Belastungen durch COVID-19 als auch die vorher existierenden Herausforderungen auf Basis der Wertschaffung – das heißt des Gewinns abzüglich der Risiko- und Kapitalkosten – und umfasst 80 Prozent des weltweiten Bankenmarktes.

Europäische Banken mit negativer Wertschaffung bereits vor Corona-Krise

„Europäische Banken konnten in den vergangenen zehn Jahren keine positive Wertschaffung erreichen“, erklärt Studienautor Gerold Grasshoff, BCG-Senior-Partner und Leiter der Beratung im Bankensektor für die Region Deutschland und Österreich. „Durch Verbesserungen der Kapitalquoten in den letzten Jahren sind sie jedoch stabiler geworden“, sagt Grasshoff. Banken in Nordamerika waren hin-gegen in den letzten fünf Jahren profitabel. Die Wertschaffung stieg auf ein Fünf-jahreshoch von 60 Milliarden Euro, während in Europa Werte in Höhe von 48 Milliarden Euro vernichtet wurden.

„Die wesentlichen Unterschiede zwischen der Entwicklung in Europa und in den USA sind erstens eine konsequente Rekapitalisierung der US-Banken nach der Finanzkrise, zweitens eine schnellere Abschreibung der notleidenden Kredite und drittens eine stärkere Konsolidierung des Bankenmarktes. Des Weiteren operieren US-Banken in einem integrierten Kapitalmarkt, und die Bankengröße wird von US-Regulatoren weniger kritisch gesehen, da diese auch die Bankenprofitabilität im Sinne von Skalenvorteilen im Blick haben“, sagt Grasshoff. „Die Anzahl der europäischen Banken ist im Vergleich zu den USA etwa zweieinhalb Mal so hoch. Durch reine Kostensenkung lässt sich das Profitabilitätsproblem nicht lösen. Es müssen auch andere Ertragsansätze gefunden und neue Technologien konsequent genutzt werden, um eine Transformation wesentlicher Prozesse zu erreichen.“

Starkes Risikomanagement und beschleunigte Digitalisierung als Schlüssel­faktoren zur Bewältigung der Krise

In der Aufarbeitung der Corona-Krise kommt dem Risikomanagement besondere Bedeutung zu, da sich sowohl finanzielle als auch nicht finanzielle Risiken stärker materialisieren. „Die Sicherstellung der Betriebskontinuität war zu Beginn der Corona-Krise das wichtigste Thema in den Banken. Dies hat durch Aktivierung der Notfallpläne und schnelle Kreditvergabe bisher auch gut funktioniert. Banken positionieren sich als Teil der Lösung“, sagt Grasshoff.

Jetzt sollten Banken ihr Risikomanagement für die nächsten Monate neu aus­richten. Hierfür empfiehlt er die schnelle Umsetzung von Maßnahmen in drei Bereichen: Sicherung von Liquidität und Finanzierung, Neuausrichtung des Kredit­risikomanagements unter Nutzung von Szenarioplanung sowie Anpassung der Compliance-Funktion und -Prozesse an das neue Umfeld. Entscheidend sei hierfür die Digitalisierung: „Durch die Corona-Krise wird der Digitalisierungsdruck auf Banken erhöht, da die Digitalisierung zur Resilienz von Banken beigetragen hat. Durch die konsequente Anwendung digitaler Lösungen und automatisierter Prozesse können Banken Kosten und Risiken für das Geschäft deutlich senken, ein integriertes Bilanzmanagement ermöglichen und Compliance modernisieren.“

Compliance aufgrund hoher Strafzahlungen und Corona-Krise weiterhin relevant

Die Bedeutung von Compliance zeigt sich bei der Betrachtung der Strafzahlungen. 2019 leisteten europäische und nordamerikanische Banken zehn Milliarden US-Dollar Strafzahlungen, während es 2018 noch 27 Milliarden US-Dollar waren. Niedriger waren die Strafzahlungen pro Jahr zuletzt 2010. Insgesamt belaufen sie sich nunmehr auf 381 Milliarden US-Dollar seit der Finanzkrise. Aber Grasshoff erklärt: „Auch wenn es einen Rückgang der Strafzahlungen gab – der Druck zu regulatorischer Compliance bleibt bestehen. Gleichzeitig ergeben sich durch krisen­bedingt veränderte Arbeitsprozesse wie Remote Working zusätzliche Herausfor­derungen für die Sicherstellung von Compliance.“ Zudem betont er, dass sich nun Chancen ergeben: „Spätestens jetzt ist es an der Zeit, Datenbestände und Techno­logien wie Cloud-Anwendungen und Machine-Learning sowie agile Arbeits­weisen zu nutzen. Denn sie können auch dabei helfen, Compliance-Prozesse zu verbessern und Kosten zu senken.“

(Pressemitteilung BCG vom 21.04.2020)


Redaktion

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