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26.01.2026

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bremsen Offshore-Ausbau

Der Offshore-Ausbau kommt zu langsam voran. Zur Erreichung des Ziels von 120 Gigawatt Offshore-Windleistung bis 2030 müsste sich das Tempo versiebenfachen.

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© Kara / fotolia.com

Der Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee kommt langsamer voran als politisch geplant. Das zeigt eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG). Zwar haben sich die neun Anrainerstaaten auf ein gemeinsames Ziel von 120 Gigawatt (GW) Offshore-Windleistung bis 2030 verständigt, doch aktuell sind erst rund 34 GW installiert. Um das Ziel zu erreichen, müsste sich das Ausbautempo etwa versiebenfachen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Ziele werden derzeit nicht in ausreichendem Maß in konkrete Projekte überführt. Probleme entstehen an mehreren Stellen der Projektkette – von der Auktion über die Investitionsentscheidung bis zur Umsetzung. „Erfolgreiche Auktionen führen heute immer seltener automatisch zu Investitionen“, sagt Frank Klose, Senior Partner und Managing Director bei BCG und Studienautor. „Der entscheidende Engpass liegt nicht mehr in der Flächenvergabe, sondern in der Frage, ob Projekte unter veränderten Marktbedingungen überhaupt realisierbar sind.“

Kritik an Auktionsdesigns

Die Ursachen dafür liegen unter anderem in Auktionsdesigns, die nicht an die aktuellen Marktbedingungen angepasst sind. Höhere Finanzierungskosten, Risiken und Unsicherheit in Bezug auf zukünftige Erlöse führen dazu, dass viele Projekte trotz Zuschlags nicht zur Investitionsentscheidung gelangen. Wo die Rahmenbedingungen angepasst wurden – etwa im Vereinigten Königreich – kommt es hingegen wieder zu Investitionsentscheidungen.

Kosten für Offshore-Wind müssen wieder sinken

Hohe Investitionsrisiken führen zu steigenden Kapitalkosten und verteuern Projekte bereits vor Baubeginn erheblich. Gleichzeitig sorgen eine noch nicht ausreichend industrialisierte Lieferkette, knappe Fertigungs- und Installationskapazitäten sowie steigende Kosten für Netzanbindung und Infrastruktur für zusätzlichen Kostendruck. Solange Skaleneffekte, Standardisierung und Produktivitätsgewinne nicht konsequent realisiert werden, bleibt die Stromerzeugung aus Offshore-Wind teuer – und viele Projekte wirtschaftlich nur eingeschränkt darstellbar.

„Die Stromgestehungskosten im Offshore-Wind müssen wieder sinken“, sagt Malte Hippe, Partner and Associate Director bei BCG und Experte für Offshore Wind. „Verlässliche Rahmenbedingungen, koordinierte Projektpipelines und eine stärkere Industrialisierung sind entscheidend, um Kosten zu senken und Fertigungskapazitäten bei den Zulieferern aufzubauen.“

Sicherung der Erlösseite: Voraussetzungen für Skalierung

Die Studie zeigt zudem, dass viele Offshore-Windprojekte mit rein marktbasierten Erlösmodellen derzeit wirtschaftlich nur begrenzt tragfähig sind. Steigende Kosten und eine schwächere Stromnachfrage als erwartet, verschieben das Risiko zunehmend auf die Projektentwickler – und bremsen Investitionsentscheidungen.

Stand Ende 2025 sind lediglich rund 60 % der angestrebten 120 GW in Betrieb oder durch Differenzverträge oder langfristige Abnahmeverträge mit Industriekunden abgedeckt. Für den verbleibenden Anteil fehlt die notwendige Planungssicherheit bei Preisen und Einnahmen. Zweiseitige Contracts for Difference (CfDs) bleiben daher ein zentrales Instrument, um Investitionen auszulösen und Risiken zu begrenzen. Ergänzend können standardisierte Power Purchase Agreements (PPAs) und hybride Modelle private Nachfrage mit öffentlicher Absicherung verbinden. Das kann dazu beitragen, Projekte schneller zur Investitionsreife zu führen.

KPI-Monitoring als Voraussetzung für wirksame Steuerung

Für die Studie hat BCG ein KPI-basiertes Monitoring-System mit zehn Frühindikatoren entlang der Offshore-Wertschöpfungskette entwickelt – von Auktionen über Projektlaufzeiten und Lieferketten bis hin zu Finanzierung und Regulierung. Das Ergebnis ist eindeutig: Keiner der Indikatoren befindet sich aktuell auf einem Pfad, der die Zielerreichung bis 2030 sicherstellt. „Ohne ein gemeinsames, transparentes Monitoring laufen wir Gefahr, strukturelle Probleme erst zu erkennen, wenn sie nicht mehr korrigierbar sind“, so Klose, der den Bereich Erneuerbare Energien bei BCG leitet. „Ein regelmäßiges KPI-Tracking kann helfen, früh gegenzusteuern und politische sowie industrielle Maßnahmen besser zu verzahnen.“

(BCG vom 26.01.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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