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04.05.2016

Wirtschaftspolitische Unsicherheiten und die digitale Transformation erhöhen Restrukturierungsbedarf

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Corporate Finance

Geopolitische Unsicherheiten, ein möglicher BREXIT und die Flüchtlingskrise: deutsche Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Die Digitalisierung und Branchenkonsolidierung erhöhen zudem den Druck. Dies steigert zunehmend Anzahl und Komplexität von Restrukturierungsfällen. Besonders betroffen hiervon sind die Energiewirtschaft, Automobilbranche und Konsumgüterindustrie.

Die deutsche Wirtschaft steht trotz Wachstums vor großen Herausforderungen: Chinas lahmende Konjunktur, ein möglicher Austritt der Briten aus der Europäischen Union (BREXIT) und die zunehmende Verunsicherung durch die anhaltende Flüchtlingskrise könnten den Wachstumskurs deutscher Unternehmen bremsen. Nach Ansicht der für die neue „Restrukturierungsstudie 2016“ von Roland Berger befragten Experten steigt darüber hinaus der Druck durch die zunehmende Digitalisierung (34%) und disruptive Innovationen sowie anhaltende Konsolidierungstrends (25%) in vielen Branchen. Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in der Restrukturierungspraxis wider: Anzahl und Komplexität der Restrukturierungsfälle werden weiter steigen, so das Ergebnis der Studie. Befragt wurden über 1.000 Restrukturierungsexperten in Deutschland.

„Der Anpassungsdruck für die Unternehmen hat in den letzten zwölf Monaten enorm zugenommen“, sagt Sascha Haghani, stellvertretender Deutschlandchef von Roland Berger und Leiter des Competence Center Restructuring & Corporate Finance. „Obwohl die Digitalisierung bereits in vollem Gange ist, haben viele Unternehmen noch keine nachhaltige Strategie formuliert. Nun erschweren Instabilitäten und zusätzliche Herausforderungen wie der BREXIT oder die Flüchtlingssituation die weitere Entwicklung der Unternehmen zusätzlich.“

Wirtschaftliche und politische Unsicherheit erhöht Komplexität

Vor diesem Hintergrund erwartet die Mehrheit (67%) der Befragten in den kommenden zwölf Monaten eine steigende Zahl von Restrukturierungen. Über 60% glauben zudem, dass die Komplexität der Restrukturierungsfälle zunehmen wird. „Viele Unternehmen sind durch den schnellen Wandel aufgrund neuer Wettbewerber, zunehmender Digitalisierung und politischer Unsicherheiten herausgefordert“, sagt Gerd Sievers, Senior-Partner von Roland Berger und Autor der Studie. „Daher müssen sie zügig handeln, sonst ist eine Krise vorprogrammiert.“

Digitalisierung als zwingende Voraussetzung für einen erfolgreichen Turnaround

Nachhaltige Restrukturierungskonzepte sind ohne Beachtung der in allen Branchen anstehenden digitalen Transformation kaum noch denkbar. Trotz der Herausforderungen kann eine umfassende Digitalisierungsstrategie aber auch die Chance für einen erfolgreichen Turnaround sein. „Entscheidend ist dabei allerdings, dass in den Firmen das gesamte Geschäftsmodell auf den Prüfstand kommt“, sagt Sievers. Dementsprechend messen auch 39% der Studienteilnehmer strategischen Restrukturierungsmaßnahmen die größte Bedeutung gegenüber operativen und finanziellen Maßnahmen bei.

Insbesondere in der Energiewirtschaft müssen Geschäftsmodelle grundlegend an die Herausforderungen der Energiewende sowie die zunehmende Digitalisierung des Geschäfts mit Privat- und Industriekunden angepasst werden, glauben 26%. Gleiches gilt für die Automobilindustrie (22%), deren künftiger Erfolg maßgeblich von der Umsetzung alternativer Antriebsmodelle und innovativer Mobilitätskonzepte abhängen wird. Auch die Konsumgüterindustrie muss handeln, denn sie kämpft weiterhin mit ständig steigenden Kundenanforderungen und neuen digitalen Wettbewerbern, erklären 12% der Befragten. Bei der Finanzdienstleistungsindustrie sehen die Befragten dagegen weniger Handlungsbedarf als im Vorjahr, obwohl auch diese stark von neuen digitalen Geschäftsmodellen und verschärften Regularien betroffen ist.

Parallel zunehmende Herausforderungen im Restrukturierungsumfeld

Die Beratungsunternehmen sehen sich vor dem Hintergrund eines steigenden Restrukturierungsbedarfs zunehmend mit Anfechtungs- und Haftungsthemen konfrontiert. So gaben 27% der Befragten an, dass die juristische Spezialisierung sowie haftungsbeschränkende Vereinbarungen (22%) und der Versicherungsschutz zur Absicherung der Beratungsunternehmen (14%) zunehmen werden. „Das zunehmende Sicherheitsdenken der Sanierungsberater darf aber der umfassenden Anpassung von Geschäftsmodellen gerade im Kontext der Herausforderungen der Digitalisierung nicht entgegenstehen“, sagt Sievers.

Zudem betreffen die neuen Trends im Restrukturierungsbereich auch die Finanzierer und Banken. So glauben 24% der Studienteilnehmer, dass der zunehmende Kostendruck in den Workout-Abteilungen der Banken zu Anpassungen führen wird. 23% erwarten etwa eine stärkere Fokussierung auf die aktive Betreuung größerer Kreditengagements. 19% erwarten eine Zunahme von Verkäufen notleidender Kredite und 14% eine verstärkte Auslagerung der Betreuung dieser Kredite an Dritte.

Das könnte den bereits bestehenden Trend zu rein finanzwirtschaftlichen Restrukturierungen verstärken, während gleichzeitig die leistungswirtschaftliche und strategische Sanierung aus dem Fokus rückt. Eine problematische Entwicklung, findet Roland Berger-Experte Sascha Haghani: „Dann werden Unternehmen kurzfristig stabilisiert, Kernprobleme aber nicht beseitigt oder neue Geschäftsmodelle für die digitale Wirtschaft nicht oder zu spät entworfen. Es drohen „Boomerang-Restrukturierungen“, Fälle also, die nach kurzer Zeit bereits wieder in den Fokus rücken.“

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung Roland Berger vom 29.04.2016)


Redaktion

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