• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Women in Work Index 2022: COVID-19-Pandemie wirft Frauen auf dem Weg zu beruflicher Gleichstellung deutlich zurück

08.03.2022

Women in Work Index 2022: COVID-19-Pandemie wirft Frauen auf dem Weg zu beruflicher Gleichstellung deutlich zurück

Autokonzerne auf der Überholspur

© contrastwerkstatt / fotolia.com

Die COVID-19-Pandemie hat die erzielten Fortschritte auf dem Weg zur beruflichen Gleichstellung von Frauen um mindestens zwei Jahre zurückgeworfen. Deutlich gestiegen sind unter anderem die geschlechtsspezifische Arbeitslosigkeit und der Anteil von Frauen, die aufgrund der Pandemie aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sind. Und: Beim Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft sind Arbeitgeber und Regierungen gefordert, die Weichen so zu stellen, dass Frauen ebenfalls von dem Wandel profitieren, so die Ergebnisse des „Women in Work Index 2022“ von PwC.

Der PwC Women in Work Index basiert auf den aktuellsten verfügbaren Daten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) von 2020 und bewertet die Beschäftigungssituation von Frauen in 33 OECD-Ländern. In den Index fließen fünf Kategorien ein: die Frauen-Erwerbstätigenquote, die Differenz zwischen der Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern, die geschlechterspezifische Arbeitslosenquote, der Anteil von Frauen in Vollzeitbeschäftigung und das Lohngefälle von Männern zu Frauen (Gender Pay Gap).

Bei gleichem Tempo verdienen Frauen erst in 63 Jahren so viel wie Männer

PwC erhebt den Women in Work Index inzwischen seit zehn Jahren. Seither war die Frauenerwerbstätigkeit in den OECD-Ländern langsam, aber stetig gestiegen. Im aktuellen Erhebungsjahr 2020 indes ist der Index erstmals gesunken, in den einzelnen Kategorien unterschiedlich stark: Die Frauen-Erwerbstätigenquote sank gegenüber 2019 um einen Prozentpunkt auf 69%, die geschlechtsspezifische Arbeitslosenquote stieg um einen Prozentpunkt auf 7%. Demgegenüber ist die Lohnlücke im ersten Pandemiejahr 2020 im Durchschnitt aller OECD-Länder von 15 auf 14% zurückgegangen.

Gender Pay Gap: 63 Jahre bis zur Schließung der Lohnschere

Wenn die Angleichung der beruflichen Bedingungen von Männern und Frauen genauso weitergeht wie in den vergangenen zehn Jahren, dauert es 33 Jahre, bis die Frauen-Erwerbstätigenquote das Niveau der Männer erreicht, haben die Studienautoren errechnet. Die Erwerbstätigenlücke wäre erst in 30 Jahren geschlossen, die geschlechterspezifische Arbeitslosigkeit in neun Jahren auf demselben Niveau angelangt. Dieselbe Vollzeitbeschäftigungsrate wie Männer würden Frauen sogar erst in 67 Jahren erreichen. Besonders auffällig: Bis Frauen dasselbe Lohnniveau wie Männer erreichen, würden laut der Studie bei gleichbleibendem Tempo noch 63 Jahre vergehen.

Gender Pay Gap in Deutschland wächst

Die Spitzengruppe des PwC Women in Work Index bilden 2020 dieselben fünf Länder wie im Vorjahr, allerdings in veränderter Reihenfolge: Der neue Spitzenreiter ist Neuseeland (2019: Platz 4), gefolgt von Luxemburg, Slowenien, Schweden und Island, dem Top-Platzierten von 2019. Deutschland liegt mit Rang 19 nach wie vor im unteren Mittelfeld (2019: Rang 19).

Auch hierzulande drückte die Pandemie den Gesamtindex erstmals nach unten. Mit Blick auf die Einzelkategorien ist die Frauen-Erwerbstätigenquote für Deutschland im ersten Pandemiejahr 2020 mit 0,9 Prozentpunkten leicht gestiegen, auf 75,8%. Die Erwerbstätigenlücke sank von 8,6 auf 6,8%. Gestiegen ist hingegen die Frauen-Arbeitslosenquote (2,8 auf 3,4%), und der Anteil an Frauen in Vollzeitbeschäftigung sank von 63,7 auf 60,6%. Im Gegensatz zum Durchschnitt der betrachteten OECD-Länder wuchs in Deutschland das Lohngefälle von Männern zu Frauen um 0,9 Prozentpunkte auf 20,1%. Die Zahlen belegen, dass auch in Deutschland die Frauen einen Großteil der pandemiebedingten Belastungen tragen, so die Einschätzung der Studienautoren. Dabei seien berufliche Gleichstellung und mehr Frauen im Beruf auch hierzulande ein wichtiger Standortfaktor.

Neben Gender Pay Gap droht ein ‚Green Job Gap‘

Enorme Chancen für Volkswirtschaften und Arbeitskräfte weltweit bietet die Transformation hin zur Klimaneutralität. In allen OECD-Ländern entstehen künftig neue, „grüne“ Arbeitsplätze – allerdings vorwiegend in wenigen Sektoren, insbesondere in Versorgungsunternehmen, im Bau- und verarbeitenden Gewerbe. In diesen Sektoren sind fast 31% der männlichen Arbeitskräfte in der OECD beschäftigt, gegenüber nur elf% der weiblichen Beschäftigten. Ohne Gegenmaßnahmen droht sich die Beschäftigungslücke zwischen Männern und Frauen beim Übergang zu Netto-Null bis 2030 um 1,7 Prozentpunkte zu vergrößern. Um neben dem Gender Pay Gap einen zusätzlichen ‚Green Job Gap‘ zu verhindern, sind Wirtschaft und Politik gefordert, innerhalb der aktuellen ESG-Transformation die Gleichberechtigung und Repräsentation von Frauen in der Arbeitswelt deutlich zu verbessern, fordern die Autoren des „PwC Women in Work Index 2022“.

Mehr Diversity in Vorständen kann entscheidende Vorteile bringen

Dazu müssten zunächst Einstiegshindernisse für Frauen in grünen Wachstumssektoren präzise ermittelt werden. Erforderlich seien zudem gezielte Weiterqualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen, ebenso ein vereinfachter Zugang zu Finanzmitteln für Unternehmerinnen. Unternehmen sollten zudem in Trainings- und Mentoringprogramme investieren. Konkret verweist die Studie auf bestehende Instrumente wie das deutsche Kurzarbeitsprogramm. Gerade im Energiesektor seien Frauen auch in der Unternehmensleitung deutlich unterrepräsentiert. Diverse Teams insbesondere auf Vorstandsebene würden Innovation ermöglichen und könnten Unternehmen bei den aktuellen Herausforderungen entscheidende Vorteile bringen.

Fortschritte bei der Geschlechtergleichstellung rechnen sich auch auf Länderebene: Eine Erhöhung der Frauenbeschäftigungsquote in der gesamten OECD auf das Niveau Schwedens würde nach Berechnungen von PwC das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der OECD um sechs Billionen USD pro Jahr steigern. Gleichzeitig könnte die Beseitigung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles das Einkommen von Frauen in der gesamten OECD um zwei Billionen USD pro Jahr steigern.

Den „PwC Women in Work Index 2022“ (in englischer Sprache) finden Sie hier.


Weitere Meldungen


Finanzen, Krise, Verknappung
Meldung

© djvstock/fotolia.com

29.05.2024

Industriesterben: Unternehmensschließungen nehmen zu

Alleine 2023 sind 176.000 Unternehmen geschlossen worden. Insbesondere der Maschinenraum Deutschlands – die Industrie und die Bauwirtschaft – ist betroffen. Im verarbeitenden Gewerbe hatten zuletzt 2004 so viele Betriebe aufgegeben. Das ist u. a. das Ergebnis der neuesten Auswertung des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Creditreform Wirtschaftsforschung. Zuerst sieht man es in den

Industriesterben: Unternehmensschließungen nehmen zu
Trend, Prognose, Aufschwung
Meldung

©alphaspirit/123rf.com

28.05.2024

KfW-Research: Deutsche Wirtschaft wächst wieder

Im ersten Quartal 2024 hat die Wirtschaftsleistung wieder leicht zugenommen, nachdem sie am Ende von 2023 geschrumpft ist und im Gesamtjahr praktisch stagniert hat. Die bisher verfügbaren Frühindikatoren deuten für das zweite Quartal 2024 ebenfalls auf ein leichtes Wachstum hin und in der zweiten Jahreshälfte dürfte der Aufschwung an Breite gewinnen. Insgesamt erwartet KfW Research

KfW-Research: Deutsche Wirtschaft wächst wieder
Startup on Display of Vending Machine.
Meldung

© tashatuvango/fotolia.com

28.05.2024

Startups: Zwischen Hoffen und Bangen

Steigende Zinsen, Nullwachstum und globale Krisen: Die schwierige Konjunktur geht auch an den deutschen Startups nicht spurlos vorbei. Aktuell befürchtet aufgrund der konjunkturellen Entwicklung rund jedes zehnte Startup (11 %) eine Insolvenz in den kommenden zwölf Monaten. Fast die Hälfte (45 %) sagt, in den vergangenen zwei Jahren habe sich die Situation allgemein für Startups in Deutschland

Startups: Zwischen Hoffen und Bangen
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank