• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Zahl der Gewinnwarnungen gesunken – CFOs planen konservativer

24.03.2026

Zahl der Gewinnwarnungen gesunken – CFOs planen konservativer

Trotz rückläufiger Gewinnwarnungen im Jahr 2025 stehen viele deutsche börsennotierte Unternehmen weiterhin unter erheblichem Druck.

Beitrag mit Bild

© pichetw/fotolia.com

Die Zahl der Gewinnwarnungen deutscher börsennotierter Unternehmen ist im Jahr 2025 deutlich gesunken. Nach einem Höchststand von 160 Gewinnwarnungen im Jahr 2023 und einem weiterhin hohen Niveau von 153 im Jahr 2024 wurden im vergangenen Jahr insgesamt 118 Gewinnwarnungen registriert. Sinkende Umsätze sind für mehr als die Hälfte der Unternehmen der wichtigste Grund für die Anpassung ihrer Prognosen, wie eine aktuelle Studie der Strategie- und Transaktionsberatung EY-Parthenon zeigt.

Besonders häufig passten Unternehmen aus dem Medien- und Technologiesektor ihre Erwartungen nach unten an, gefolgt von Finanzdienstleistern, Beteiligungsgesellschaften und der Schwerindustrie. Der Rückgang der Gewinnwarnungen dürfte jedoch nicht allein auf die leicht verbesserte wirtschaftliche Lage zurückzuführen sein, sondern vor allem auf konservativere Unternehmensplanungen: „Viele Unternehmen formulieren ihre Prognosen vor dem Hintergrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre zurückhaltender und kalkulieren Unsicherheiten stärker ein“, erläutert Andreas Warner, Performance, Turnaround & Restructuring Lead von EY-Parthenon. Geopolitische Risiken, die Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft und die anhaltende Konsum schwäche bleiben zentrale Herausforderungen.

Konsumzurückhaltung wesentliche Ursache

Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg war ein rückläufiger Umsatz der häufigste Grund für die Korrektur von Unternehmensprognosen. Die schwache globale Nachfrage wird jedoch auch oft von Unternehmen als Begründung genutzt, wenn keine spezifischeren internen Gründe genannt werden. An zweiter Stelle folgten mit 17% die hohen Finanzierungskosten, die vor allem auf die anhaltend hohen Risikoaufschläge der Banken sowie die nach wie vor erhöhte Inflations- und Unsicherheitslage im Jahr 2025 zurückzuführen sind. Lieferkettenprobleme und operative Herausforderungen prägten vor allem das Jahr 2022, gingen danach jedoch mit der schrittweisen Normalisierung der Märkte auf 14% zurück. Auch der Einfluss steigender Personal- und Materialkosten sank seit 2022 von 22% auf zuletzt 14%.

Medien/Tech, Finanzdienstleistungen und Schwerindustrie mit meisten Gewinnwarnungen

Besonders stark unter Druck standen 2025 Unternehmen aus dem Medien- und Technologiesektor. Sinkende Printauflagen und zurückhaltende Werbebudgets belasteten die Umsätze, während gleichzeitig hohe Investitionen in digitale Plattformen und KI-gestützte Content-Strategien erforderlich waren. Insgesamt entfielen 24 Gewinnwarnungen auf diesen Sektor. Das weiterhin vergleichsweise hohe Zinsniveau und eine restriktive Kreditvergabe führten dazu, dass Unternehmen des Finanz- und Beteiligungssektors 20-mal ihre Prognosen senken mussten. Die Schwerindustrie verzeichnete mit 18 Gewinnwarnungen ein ähnlich hohes Niveau. Besonders betroffen waren der Maschinenbau sowie der Elektro- und Anlagenbau. Im Jahresverlauf 2025 wirkte sich vor dort allem die Investitionszurückhaltung in wichtigen Absatzmärkten wie China negativ aus. Hinzu kam der unerwartete Zollkonflikt mit den USA.

Automobil- und Chemieindustrie bleiben stark gefordert

Für die Automobilindustrie war bereits 2024 ein besonders schwieriges Jahr: Zwölf Unternehmen – und damit rund 75% der in den DAX-Indizes gelisteten Automobilunternehmen – veröffentlichten eine Gewinnwarnung. In China verschärfte der intensive Preiswettbewerb mit neuen chinesischen Herstellern den Margendruck; zugleich kühlte sich die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in den USA und Teilen Europas ab, etwa infolge gekürzter Förderprogramme und verunsicherter Konsumenten.

Auch im Jahr 2025 blieb die Lage angespannt. Mit neun Gewinnwarnungen lag die Zahl zwar unter dem außergewöhnlich hohen Vorjahreswert, blieb mit 60% aber weiterhin deutlich erhöht. Neben dem anhaltend intensiven Wettbewerb mit chinesischen Herstellern kamen 2025 neue Belastungen hinzu, allen voran der Zollkonflikt mit den USA. Zusätzlich wirkten strukturelle Kostennachteile am Standort Deutschland sowie die insgesamt schwache Konjunktur belastend. Auch der Chemieindustrie machten hohe Energiekosten, anhaltende geopolitische Unsicherheit und eine weiter rückläufige Nachfrage in Schlüsselbranchen wie Automobil und Bau zu schaffen. Im Jahr 2025 veröffentlichten sechs in den DAX-Indizes gelistete Unternehmen – und damit 50% – Gewinnwarnungen. Das entspricht einer Verdopplung gegenüber 2024. Gemäß dem Verband der Chemischen Industrie lag die Auslastung auf dem geringsten Niveau der letzten 20 Jahre.

(EY vom 23.03.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


Weitere Meldungen


Meldung

©Egor/fotolia.com

23.03.2026

Aktionärsrechte im Rückzug: Krise der Corporate Governance

Die Corporate Governance börsennotierter Unternehmen steht seit Jahren zwischen Reformanspruch und Vertrauenskrise. Obwohl gesetzliche Vorgaben und der Deutsche Corporate Governance Kodex Transparenz, Kontrolle und verantwortungsvolle Unternehmensführung sichern sollen, zeigen sich in der Praxis immer wieder deutliche Defizite. Im Interview erläutert Robert Peres, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Initiative Minderheitsaktionäre, wo die strukturellen Schwächen liegen und warum

Aktionärsrechte im Rückzug: Krise der Corporate Governance
Meldung

©JürgenFälchle/fotolia.com

23.03.2026

Steigende Energiepreise gefährden wirtschaftliche Erholung

Der eskalierende Krieg im Nahen Osten seit Anfang März 2026 erhöht die wirtschaftlichen Risiken für Deutschland deutlich. Eine aktuelle Analyse auf Basis des ZEW-Finanzmarkttests zeigt, dass insbesondere steigende Energiepreise und wachsende Unsicherheit die konjunkturelle Entwicklung belasten könnten. Während die Auswirkungen bei einer kurzen Kriegsdauer begrenzt bleiben, drohen bei einem länger anhaltenden Krieg spürbare Einbußen beim

Steigende Energiepreise gefährden wirtschaftliche Erholung
Meldung

©EtiAmmos/fotolia.com

19.03.2026

Automobilzulieferer vor schwieriger Dekade

Die Kfz-Zulieferindustrie steuert auf eine tiefgreifende Zäsur zu: Bis 2035 wird die Nachfrage nach Automobilkomponenten zwar jährlich um 3,5 % steigen. Davon profitieren aber längst nicht alle Unternehmen. Gewinner sind die Hersteller von Fahrzeugsoftware, Batterien und Elektrofahrzeugkomponenten. Sie können mit Wachstumsraten zwischen 13 und 16 % pro Jahr rechnen. Produzenten von Komponenten für Verbrennungsmotoren verlieren deutlich –

Automobilzulieferer vor schwieriger Dekade
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)