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18.08.2016

Zahl der Umsatz- und Gewinnwarnungen steigt im ersten Halbjahr auf Rekordhoch

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

Die starken Schwankungen auf den weltweiten Absatz- und Finanzmärkten führen dazu, dass immer mehr deutsche Unternehmen ihre Umsatz- oder Gewinnprognosen nach unten korrigieren müssen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es insgesamt 26 Gewinn- oder Umsatzwarnungen, im Vorjahreszeitraum lag die Zahl bei 25.

Die starken Schwankungen auf den weltweiten Absatz- und Finanzmärkten führen dazu, dass immer mehr deutsche Unternehmen ihre Umsatz- oder Gewinnprognosen nach unten korrigieren müssen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es insgesamt 26 Gewinn- oder Umsatzwarnungen, im Vorjahreszeitraum lag die Zahl bei 25. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2011 gab es zwölf derartige Warnungen.

Besonders häufig enttäuschten Groß- und Einzelhändler sowie Chemieunternehmen – jedes vierte Unternehmen aus diesen beiden Branchen musste im ersten Halbjahr eine Gewinnwarnung herausgeben.

Auf der anderen Seite übertrafen im ersten Halbjahr aber auch viele Unternehmen ihre ursprünglichen Prognosen: Insgesamt 43 sogenannte Gewinn- oder Umsatzerwartungen wurden veröffentlicht – das waren zwar deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum, als 61 derartige Prognosekorrekturen veröffentlicht wurden, aber erheblich mehr als z. B. im ersten Halbjahr 2014, als es nur neun Gewinn- oder Umsatzerwartungen waren.

Im Vergleich der Indizes im Prime Standard erweisen sich die Prognosen der DAX-Konzerne als besonders unzuverlässig: Insgesamt 13 Prognosekorrekturen wurden im ersten Halbjahr von den 30 DAX-Unternehmen veröffentlicht. In acht Fällen korrigierten die Unternehmen ihre Erwartungen nach oben, in fünf Fällen nach unten.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die veröffentlichungspflichtige Korrekturen an Gewinn- und Umsatzprognosen in den Jahren 2011 bis 2015 untersucht hat. Für die Analyse wurden alle 305 Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse betrachtet.

Trend zu mehr Prognosekorrekturen

„Die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen hinterlassen zunehmend Spuren im operativen Geschäft vieler deutscher Unternehmen; zudem führte der starke Euro im ersten Halbjahr bei stark internationalisierten Unternehmen zu kräftigen Einbußen aufgrund von negativen Währungseffekten. Entsprechend mussten zahlreiche Unternehmen ihre – vielfach ohnehin nicht allzu optimistischen – Ziele nach unten korrigieren“, kommentiert Marc Förstemann, Partner bei EY in der operativen Restrukturierungsberatung, die Analyseergebnisse. „Auf der anderen Seite sehen wir aber auch viele Unternehmen, die sich besser entwickeln als prognostiziert und teilweise sogar mehrfach im Halbjahr ihren Ausblick angehoben haben.“

Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY, ergänzt: „Der Trend geht eindeutig zu immer mehr Prognosekorrekturen. Angesichts eines extrem volatilen Umfelds schaffen es die Unternehmen vielfach nicht, ihre Prognosen tatsächlich einzuhalten – einige sind zu Jahresbeginn zu vorsichtig, andere werden im Jahresverlauf von der schwachen Marktentwicklung überrascht.“ Im Gesamtjahr 2015 mussten 44 Prozent der im Prime Standard gelisteten Unternehmen mindestens einmal ihre eigene Prognose kassieren – für das laufende Jahr rechnet Steinbach mit einem ähnlich hohen Anteil. Üblicherweise wird das Gros der Gewinnwarnungen oder -erwartungen in der zweiten Jahreshälfte veröffentlicht.

Unterm Strich überwogen im ersten Halbjahr noch die positiven Prognosekorrekturen – allerdings deutete sich zuletzt womöglich bereits eine Trendwende an: Während im ersten Quartal noch 26 Gewinnerwartungen und nur zehn Gewinnwarnungen publiziert wurden, gab es im zweiten Quartal mit jeweils elf Korrekturmeldungen genauso viele Gewinnwarnungen wie Gewinnerwartungen. „In den vergangenen Wochen haben sich die konjunkturellen Aussichten spürbar eingetrübt“, beobachtet Förstemann. „Brexit-Votum, Währungsturbulenzen, Terrorangst: Immer wieder sorgen Hiobsbotschaften für Verunsicherung.“ Die Hauptrisiken sind aus seiner Sicht die Konjunkturentwicklung in Großbritannien – einem sehr wichtigen Exportmarkt für deutsche Unternehmen – sowie die anhaltend schwache Entwicklung in vielen wichtigen Schwellenländern.

Gewinnwarnungen lassen Kurse fallen

Im Durchschnitt sanken die Kurse der betroffenen Unternehmen am Tag der Gewinnwarnung um sechs Prozent und konnten sich auch in der Folgewoche nicht wieder erholen – im Gegenteil: Eine Woche nach Bekanntgabe der Gewinnwarnung lag der Aktienkurs im Durchschnitt um acht Prozent niedriger als vor der Ad-hoc-Meldung. Wenn hingegen Unternehmen ein Übertreffen ihrer Gewinnprognosen ankündigten, führte das im Schnitt zu einem unmittelbaren Anstieg des Aktienkurses um fünf Prozent – der allerdings sieben Tage später auf ein Plus von nur noch vier Prozent schrumpfte. „Gewinnwarnungen werden an der Börse stärker bestraft, als Anhebungen der Prognosen belohnt werden“, erklärt Steinbach.

Zu komplexe Strukturen und mangelhafte Prognosemodelle

Dass Unternehmen immer häufiger ihre Ziele verfehlen, führt Förstemann auch auf nach wie vor unzureichende Prognosemodelle der Unternehmen zurück: „Viele Unternehmen sind damit überfordert, in ihren Prognosemodellen die komplexen Realitäten abzubilden, etwa Währungsschwankungen, immer komplexere Lieferketten sowie die steigende Bedeutung ausländischer Absatzmärkte und Produktionsstandorte.“ Vielfach habe die Unternehmensleitung allerdings auch keinen vollständigen Überblick über die aktuelle Lage im Konzern – was auch mit veralteten und fragmentierten IT-Systemen zusammenhänge. „Gerade weit entfernte Vertriebs- bzw. Produktionsstandorte sowie jüngst zugekaufte Konzernteile entziehen sich vielfach dem Zugriff der Zentrale und führen mitunter ein gefährliches Eigenleben“, stellt Förstemann fest.

(Pressemitteilung EY vom 18.08.2016)


Redaktion

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