• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Zahl innovativer Mittelständler in Deutschland sinkt auf Tiefststand

19.02.2020

Zahl innovativer Mittelständler in Deutschland sinkt auf Tiefststand

Beitrag mit Bild

© vizafoto/fotolia.com

Der Anteil der innovativen mittelständischen Unternehmen in Deutschland ist auf einen neuen Tiefststand gefallen: Nur noch 725.000 der etwa 3,81 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen hierzulande haben zuletzt innovative Produkte oder Prozesse eingeführt. Die Innovatorenquote für die Jahre 2016/2018 liegt bei nur noch 19 %, wie der aktuelle KfW-Innovationsbericht zeigt.

Der Anteil der innovativen Unternehmen im Mittelstand hat sich seit seinem Höchststand von 42 % aus den Jahren 2004/2006 damit mehr als halbiert. Die Summe, die der Mittelstand für Innovationen ausgibt, ist 2018 hingegen erstmals seit 2014 wieder angestiegen und beträgt nun 34 Mrd. EUR (2017: 31 Mrd. EUR). Damit konzentrieren sich in Deutschland die Innovationsausgaben auf immer weniger Unternehmen.

Der aktuelle Rückgang der Innovatorenquote ist auf eine negative Entwicklung sowohl bei Produkt- als auch bei Prozessinnovationen zurückzuführen. Der Anteil der Unternehmen, die neue bzw. verbesserte Produkte auf dem Markt brachten, nahm gegenüber der Vorperiode um 2 Prozentpunkte ab und liegt mit 13 % nun auf dem niedrigsten Wert seit Beginn der Messung der KfW im Jahre 2002/2004. Auch die Prozessinnovatorenquote sank auf 13 % (-4 Prozentpunkte).

Blickt man auf die Innovationstätigkeit nach Unternehmensgröße, so sind aktuell in allen Größenklassen Rückgänge zu verzeichnen. Bei den größeren Mittelständlern mit mehr als 10 Beschäftigen fällt das aktuelle Minus etwas geringer aus als bei den kleinen Unternehmen (-2 bis -3 gegenüber -6 bis -7 Prozentpunkte). Auch im langfristigen Vergleich ist der Verlust an Innovatoren umso deutlicher, je kleiner die Unternehmen sind.

Gleichzeitig zeigt sich in der aktuellen Entwicklung ebenso wie im Langzeittrend, dass in Deutschland vor allem die so genannten „nachahmenden Innovationen“ zurückgehen, also solche Innovationen, die ein Unternehmen von einem Wettbewerber – gegebenenfalls mit gewissen Modifikationen – übernimmt. Aktuell dürfte hierfür die schwächere wirtschaftliche Entwicklung der Hauptgrund sein, denn diese Art der Innovation ist sehr konjunkturabhängig. Nachahmende Innovationen stellen die Masse der Innovationstätigkeit im Mittelstand und sind aus gesamtwirtschaftlicher Sicht bedeutend: Durch sie verbreiten sich Neuerungen, der Ressourceneinsatz verbessert sich und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft insgesamt wird gestärkt. Aktuell ist der Anteil der Mittelständler mit Produktnachahmungen um 1 Prozentpunkt auf 11 % gesunken, im Vergleich zu seinem Höchststand in den Jahren 2004/2006 nahm er um knapp zwei Drittel ab. Demgegenüber hält sich der Anteil der Mittelständler mit Marktneuheiten nach mehreren Rückgängen zuletzt bei 3 % stabil.

„Der Mittelstand zieht sich immer mehr aus der Innovationstätigkeit zurück“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Für die Zukunftsfähigkeit und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist das eine gefährliche Entwicklung – schließlich spielen Innovationen eine große Rolle für Beschäftigung, Wachstum und Produktivität“. Auch der Rückgang bei den nachahmenden Innovationen sei ein Problem: „Gesamtwirtschaftliche Effekte von Innovationen stellen sich nur dann ein, wenn ein technologischer Fortschritt in der Breite der Wirtschaft realisiert wird.“ Auf der anderen Seite sei es notwendig, die Entwicklung von Marktneuheiten und neuen Technologien weiterhin zu stärken. „Vor dem Hintergrund der ambitionierten Innovationsstrategien im Ausland sind dazu erhöhte Forschungsanstrengungen hierzulande notwendig. Die deutsche Wirtschaft kann sich nicht auf ihrem technologischen Vorsprung ausruhen, sondern muss ihre Vorreiterrolle sichern und Zukunftstechnologien entwickeln“, so Dr. Fritzi Köhler-Geib.

(Pressemitteilung KfW vom 19.02.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

thodonal/123rf.com

27.07.2026

Unsicherheit erreicht historischen Höchststand

Die wirtschaftliche Unsicherheit erreicht in deutschen Unternehmen ein außergewöhnliches Niveau. Laut einer internationalen CRIF-Umfrage sorgen sich 87 % der Befragten um ihre finanzielle Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten. Damit liegt Deutschland vor allen anderen untersuchten Ländern. 61 % der Unternehmen sprechen sogar von der unsichersten Phase ihrer bisherigen unternehmerischen Laufbahn. Steigende Kosten belasten die

Unsicherheit erreicht historischen Höchststand
Meldung

© Peter38 / fotolia.com

23.07.2026

Strukturkrise der Chemieindustrie verschärft sich

Europas Chemieindustrie läuft seit Jahren im Krisenmodus: Zwischen 2020 und 2025 lag die Auslastung deutlich unter dem Niveau der Vorperiode. Für mehr als 100 Anlagen in Europa wurde in den vergangenen drei Jahren die Schließung oder der Verkauf angekündigt. Es sind vor allem internationale Konzerne, die Europa den Rücken kehren, wie eine neue Analyse der

Strukturkrise der Chemieindustrie verschärft sich
Meldung

©zapp2photo/fotolia.com

22.07.2026

M&A-Aktivität in Transport und Logistik trotzt geopolitischen Unsicherheiten

Die weltweite Transport- und Logistikindustrie bleibt trotz geopolitischer Spannungen auf Wachstumskurs; aber die M&A-Aktivitäten werden deutlich selektiver. Im 1. Halbjahr 2026 wurden laut dem aktuellen „Transport & Logistics Barometer“ von PwC Deutschland und Strategy& weltweit 105 Transaktionen mit einem Volumen von jeweils mindestens 50 Mio. US-Dollar angekündigt. Im Vorjahreszeitraum waren es 108 Deals. Der Gesamtwert

M&A-Aktivität in Transport und Logistik trotzt geopolitischen Unsicherheiten
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)