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08.04.2026

Zahlreiche Branchen durch Lieferketten-Probleme in prekärer Lage

Viele Industriebranchen leiden unter hohen Energie- und Transportkosten, schwacher Nachfrage, Handelshemmnissen und Wettbewerbsdruck.

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©EtiAmmos/fotolia.com

Die Störung der globalen Lieferketten beeinträchtigt Deutschlands Wirtschaft. Krisen, wie die faktisch gesperrte Straße von Hormus im Zuge des Iran-Krieges oder die Vorherrschaft Chinas bei Seltenen Erden, haben gravierende Folgen für die Versorgung der deutschen und europäischen Unternehmen mit Rohstoffen, Energie und Technologie. „Der Iran-Krieg ist ein Bremsklotz für den Aufschwung, der durch sinkende Zinsen und staatliche Investitionspakete eingeleitet werden sollte. Die Resilienz der Unternehmen wird 2026 erneut auf die Probe gestellt“, sagt Dietmar Gerke, Senior Manager Special Risk Management beim internationalen Kreditversicherer Atradius.

Resilienz wird 2026 erneut auf die Probe gestellt

Die jüngsten Inflationszahlen des Statistischen Bundesamtes sind angesichts der Auswirkungen der aktuellen Polykrisen wenig überraschend. Danach liegt die Inflationsrate im März insbesondere aufgrund der gestiegenen Energiepreise bei 2,7 %. Eine rasche Erholung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. „Je nach Fortdauer des Krieges zwischen Israel, den USA und dem Iran kommt die eigentliche Teuerungswelle erst noch. Der Preisdruck wird noch spürbar steigen und die Aussichten auf ein spürbares Wirtschaftswachstum dagegen werden deutlich sinken“, sagt Dietmar Gerke. Das belegen auch die jüngsten Konjunkturprognosen. So rechnen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer traditionellen Frühjahrsprognose in diesem Jahr mit einem Wachstum von mageren 0,6 % und für 2027 von 0,9 %. Im vergangenen Herbst waren sie noch optimistisch von einem Plus von 1,3 % für 2026 ausgegangen. Damit geht Deutschland im vierten Jahr in Folge in ein schwaches Wirtschaftsjahr – 2025 gab es ein winziges Plus von 0,2 %, die beiden Jahre davor gab es sogar ein Minus.

Stark belastete Glieder in den Lieferketten

Der Konflikt im Nahen Osten belastet die Handelswege, insbesondere im Bereich der Schifffahrt durch das Rote Meer. Dies führt zu punktuellen Verzögerungen und höheren Frachtkosten, was die „Just-in-time“-Produktion der Industrie erschwert. Zugleich steigen die Preise für Rohöl oder auch Helium, beides entscheidende Vorprodukte für zahlreiche Branchen. „Vor dem Hintergrund der seit Jahren bestehenden Lieferketten-Problematik ist das Bemühen der Unternehmen nach einer Diversifizierung ihrer Handelswege mittlerweile deutlich erkennbar“, sagt Dietmar Gerke. Das zeigt sich nicht nur in der Umstellung von „Just-in-time“ auf „Just-in-Case“ mit erhöhten Lagerbeständen, sondern auch in der von der Politik unterstützte Erschließung neuer Märkte, wie etwa durch die Handelsabkommen mit Indien, Australien und dem Mercosur.

Viele Branchen müssen kämpfen

Kurzfristig ist die Lage für zahlreiche Branchen noch prekärer geworden. Chemie-, Stahl- und Metallindustrie kämpfen mit den im globalen Vergleich hohen Energiekosten, die durch die Unsicherheit im Iran zusätzlich befeuert werden. Energiekonzerne müssen deutlich teurer einkaufen. Hinzu kommen erhöhte Kosten im Transportwesen. Andere Branchen wie das verarbeitende Gewerbe, die Automobilindustrie oder der Maschinenbau kämpfen zusätzlich mit der schwachen Nachfrage, Handelsbarrieren und dem wachsenden Wettbewerbsdruck.

(Atradius vom 08.04.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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