25.01.2021

Zahlungsmoral von Unternehmen wird schlechter

Beitrag mit Bild

© v.poth/fotolia.com

10,5% der Unternehmen in Deutschland zahlten im Dezember die Rechnungen nicht oder nur verspätet. Der durchschnittliche Zahlungsverzug dieser Unternehmen erreichte mit 35,5 Tagen im Dezember einen neuen Höchstwert im Jahr 2020. Dies zeigen Daten des Informationsdienstleisters CRIF Bürgel, der für die Analyse das Zahlungsverhalten von circa 450.000 Unternehmen analysiert hat.

Die Entwicklung des Zahlungsverhaltens der Unternehmen in Deutschland zeigt, dass zwar der Anteil der Firmen, die ihre Rechnungen verspätet oder nicht zahlen, von 13,1% im Januar 2020 auf 10,5% im Dezember 2020 gesunken ist. Auf der anderen Seite werden aber überfällige Rechnungen in Deutschland derzeit mit einem Verzug von durchschnittlich 35,5 Tagen bezahlt. Im Januar 2020 lag der durchschnittliche Zahlungsverzug noch bei 26,4 Tagen, so die Analyse des Informationsdienstleisters.

Unternehmen, denen es wirtschaftlich noch gut geht, haben eine hohe Zahlungswilligkeit und wollen unter keinen Umständen in Verzug geraten. Rund 10% der Unternehmen haben so starke finanzielle Probleme, dass die Zahlungsfähigkeit eingeschränkt ist. Wenn diese Unternehmen ihre Rechnungen bezahlen, dann nur mit einem deutlichen Zahlungsverzug, kommentieren die Studienautoren.

In der Praxis bedeuten die Zahlen, dass beispielsweise 10 von 100 B2B-Kunden derzeit nicht oder nur mit einer massiven Verspätung die Rechnungen begleichen. Dieser Zahlungsverzug geht oft zu Lasten der mittelständischen und kleingewerblichen Betriebe, denn Liquiditätsmangel, z.B. ausgelöst durch verspätet oder nicht bezahlte Rechnungen, gilt laut CRIF Bürgel als eine der häufigsten Insolvenzursachen. Zudem bedeutet eine durch den Kunden oder Auftraggeber nicht oder zu spät gezahlte Rechnung höheren Verwaltungsaufwand und zusätzliche Kosten. Im schlimmsten Fall entwickelt sich ein Teufelskreis, da Unternehmen durch verspätet gezahlte Rechnungen länger als geplant auf eigene Investments verzichten müssen oder Bestellungen nicht bedienen können, warnen die Autoren der Studie. Kleine Unternehmen könnten bei zögerlichem Zahlungsverhalten ihrer Kunden dadurch selbst in die wirtschaftliche Schieflage geraten.

Unternehmen in Berlin mit dem stärksten Zahlungsverzug

Beim durchschnittlichen Zahlungsverzug der Firmen zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Am stärksten überziehen Unternehmen in Berlin die Zahlungsziele – im Schnitt um 68,4 Tage. Auch in Brandenburg (durchschnittliche Verspätung 56,8 Tage) und in Rheinland-Pfalz (48,7 Tage) zahlen Unternehmen die Rechnungen mit einem starken Verzug. Am besten stellt sich die Situation in Thüringen dar. Unternehmen im Freistaat zahlen im Durchschnitt mit 19,6 Tagen Verspätung.

Zahlungsmoral im Gastgewerbe sowie in der Kunst und der Unterhaltung bricht ein

In der Kultur-, Unterhaltungs- und Freizeitbranche zeigt sich derzeit die schlechteste Zahlungsmoral. Rechnungen von Unternehmen in dieser Branche werden derzeit mit einer Verspätung von 77,6 Tagen Verspätung bezahlt (Januar 2020: 32,8 Tage). Zudem stieg hier der Studie zufolge der Anteil der Unternehmen, die nicht oder nur zu spät zahlen, von 11,5% im Januar auf 17,2% im Dezember. Aber auch die Zahlungsmoral im Gastgewerbe ist stark eingebrochen. Wurden im Januar Rechnungen im Durchschnitt mit 33,5 Tagen Verspätung bezahlt, sind es aktuell bereits 59,4 Tage.

Besser sieht es laut der Analyse beim verarbeitenden Gewerbe aus. Während Rechnungen im Januar mit 17,3 Tagen Verspätung gezahlt wurden, sind es aktuell 22,9 Tage.

Mehr als jedes vierte Berliner Unternehmen zahlt nicht oder verspätet

In Berlin ist die Quote der Nicht- und Spätzahler unter den Unternehmen mit 26,1% am höchsten. Auch in Hamburg ist die Quote mit 17,1% höher als der Bundesdurchschnitt (10,5%). Am besten ist die Zahlungsmoral derzeit in Thüringen – hier zahlen nur 6,5% der Unternehmen die Rechnungen nicht oder verspätet, so die Autoren der Studie.

Die kompletten Zahlen der Analyse finden Sie hier.

(Pressemitteilung CRIF Bürgel vom 25.01.2021)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© furuoda/fotolia.com

10.09.2026

2035 könnte fast jeder zweite Lkw elektrisch sein

Der Markt für elektrische Lkw entwickelt sich weltweit mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit. Während China beim Hochlauf bereits weit vorangeschritten ist, steht Europa vor einer starken Wachstumsphase. Die USA dürften dagegen noch länger von Dieselantrieben geprägt bleiben. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Boston Consulting Group (BCG). China führt bei elektrischen Lkw In China entfielen 2025

2035 könnte fast jeder zweite Lkw elektrisch sein
Meldung

© bluedesign/fotolia.com

09.09.2026

Deutschland mit realistischer Chance auf deutliche Wachstumssteigerung

Deutschland kann nach Einschätzung der KfW seine Wachstumsschwäche überwinden. Eine neue Studie von KfW Research hält im kommenden Jahrzehnt ein dauerhaftes Potenzialwachstum von mehr als 1% pro Jahr für erreichbar. Seit 2015 ist das Potenzialwachstum von knapp 2% auf nur noch leicht über null gesunken. Produktivität als zentraler Hebel Entscheidend für eine Trendwende seien Fortschritte

Deutschland mit realistischer Chance auf deutliche Wachstumssteigerung
Meldung

peshkova/123rf.com

08.09.2026

KI-Investitionen steigen – der CFO kann den ROI oft noch nicht messen

Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Einsatz von KI wirklich, und was bringt ihnen die Technologie wirtschaftlich? Eine Deutschland-Auswertung des McKinsey-Reports „The State of AI in 2026: On the Road to ROI“ zeigt: Zwischen Nutzung und messbarem Geschäftswert liegt noch eine deutliche Lücke. Für die weltweite Studie wurden 1.719 Führungskräfte und Fachleute aus 97 Ländern

KI-Investitionen steigen – der CFO kann den ROI oft noch nicht messen
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)