• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Zahlungsverzögerungen größte Sorge von deutschen Finanzchefs

13.08.2020

Zahlungsverzögerungen größte Sorge von deutschen Finanzchefs

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© pichetw/fotolia.com

Nichts fürchten deutsche und europäische Finanzchefs (CFOs) so sehr wie verspätete Zahlungen ihrer Kunden. Selbst Cyberrisiken fallen aus Sicht der CFOs hinter den beiden Hauptrisiken zurück, ebenso wie Schwierigkeiten in den Lieferketten oder sogar rückläufige Umsätze und Profitabilität. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „DNA of a CFO“ des Kreditversicherers Euler Hermes, die auf einer repräsentativen Umfrage unter Finanzvertretern von Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien basiert – vor und nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie.

Schon vor der Covid-19-Pandemie war laut der Umfrage jedes zweite der befragten deutschen Unternehmen (51%) von Zahlungsverzögerungen betroffen und beinahe jedes dritte (30%) von der Insolvenz eines Abnehmers. Das zeige, welch große Schneeballeffekte Insolvenzen in der gesamten Lieferkette auslösen können. Zahlungsverzögerungen bringen Finanzchefs somit am häufigsten um ihren ruhigen Schlaf, stellen die Studienautoren fest.

Rund 50% der Unternehmen mit säumigen Kunden, fast ein Drittel von Pleiten betroffen

Nach dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie waren in Deutschland mit rund 52% in etwa genauso viele Unternehmen von Zahlungsverzögerungen betroffen wie vor der Krise, im europäischen Schnitt waren es jedoch sogar zwei Drittel (65%) der befragten Unternehmen (vor Covid-19: 47%).

36% der betroffenen deutschen Unternehmen kämpfen täglich mit Zahlungsverzögerungen

Mehr als drei Viertel (76%) der betroffenen deutschen Unternehmen kämpft mindestens einmal pro Woche mit Zahlungsverzögerungen, mehr als ein Drittel (36%) davon täglich und jeder zehnte Finanzchef sogar mehrmals am Tag (13%), so ein Ergebnis der Studie. In Deutschland sind damit zwar insgesamt etwas weniger Unternehmen von Zahlungsverzögerungen durch die Covid-19-Pandemie betroffen als im europäischen Durchschnitt (52% vs. 65%), die betroffenen deutschen Firmen erleben dies dafür wesentlich häufiger (36% täglich vs. 24% in Europa). Nur etwa ein Drittel der befragten Unternehmen in Europa fühlt sich laut der Umfrage darauf wirklich gut vorbereitet. In Deutschland sind es mit 19% sogar noch weniger und mehr als jedes zehnte der befragten Unternehmen in Deutschland fühlt sich sogar gar nicht gewappnet.

Fast jedes dritte Unternehmen in Europa war im vergangenen Jahr Opfer eines Cyberangriffs

Neben Zahlungsverzögerungen (47%) sorgten sich die europäischen Finanzchefs vor Covid-19 vor allem um Insolvenzen (32%) und Cyberangriffe (30%). Knapp ein Drittel der befragten europäischen Unternehmen war im vergangenen Jahr Opfer eines Cyberangriffs. Nicht alle Versuche waren erfolgreich, dennoch hätten CFOs die damit verbundenen Gefahren auf dem Schirm und würden sie sogar noch höher ein als Schwierigkeiten bei der Lieferkette, Umsatz- oder Profitabilitätsrückgänge einschätzen.

Zahlungsverzug auch bei Covid-19 größtes Risiko, gefolgt von Umsatzrückgang

Nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie zeichnet sich eine leichte Verschiebung der Risiken ab: Neben Zahlungsverzögerungen (65%) waren europäische Unternehmen zwischen März und Mai 2020 insbesondere von Umsatzrückgängen (61%, im Vergleich zu 25% in 2019) und geringerer Profitabilität (43%) gezeichnet.

In Deutschland war die Negativentwicklung beim Umsatz etwas moderater. Nur die Hälfte musste Umsatzrückgänge hinnehmen (50% vs. 61% Durchschnitt). Dafür hatten deutsche Unternehmen wesentlich häufiger Probleme bei ihren Lieferketten (Deutschland 50% vs. 39% Durchschnitt).

Zahlungsverzüge sind nach Einschätzung der Studienautoren nach wie vor das größte Problem. Das ist in Verbindung mit rückläufigen Umsätzen natürlich eine große Herausforderung mit vielen Unwägbarkeiten für die Unternehmen und ihre Planungssicherheit – und die Finanzchefs. Es ist entsprechend wenig verwunderlich, dass ihr Stresslevel seit Ausbruch der Pandemie deutlich gestiegen ist. Allerdings haben sich viele auch eine große Zuversicht bewahrt, dass sie diese Krise meistern werden.“

Die Anzahl der europäischen CFOs, die optimistisch in die Zukunft schaut, ist durch die Covid-19-Pandemie von 48% auf 42% gesunken, 36% sind noch zuversichtlich (vorher: 50%). Im Gegenzug ist der Anteil derer, die sich gestresst fühlen von vorher 19% auf 32% gestiegen. Fast jeder vierte Finanzchef macht sich inzwischen sogar sehr große Sorgen 23% (vorher 9%). Die deutschen Finanzchefs sind insgesamt etwas weniger optimistisch und zuversichtlich als ihre europäischen Pendants, dafür sind sie insgesamt aber auch etwas weniger gestresst oder besorgt.

„DNA of a CFO“: Finanzchefs ticken länder- und branchenübergreifend relativ ähnlich

Erstaunlicherweise ticken die Finanzchefs von großen und kleinen Unternehmen in unterschiedlichen Branchen und unterschiedlichen Ländern sehr ähnlich und sind mit vergleichbaren Risiken konfrontiert, stellen die Autoren der Studie fest. Nur in der Finanzbranche würden sich leichte Unterschiede zeigen – hier ist die Furcht vor Cyberangriffen noch größer als in anderen Branchen. Dafür machen sich die Finanzchefs von Bankinstituten etwas weniger Sorgen um Zahlungsverzögerungen und Insolvenzen – vor allem auch, weil viele ihrer Kunden andere Banken und Finanzdienstleister sind, so die Umfrage.

Risikobewusstsein der Finanzchefs ist deutlich gestiegen

Bei der Lösung der bevorstehenden Herausforderungen konzentrieren sich die Finanzchefs der befragten Unternehmen vor allem auf Planungssicherheit und ein möglichst stringentes internes Risikomanagement, eine stärkere Diversifizierung sowie Absicherungslösungen.

Das Risikobewusstsein der Finanzchefs ist insgesamt deutlich gestiegen. Die CFOs machen ihre Hausaufgaben und intensivieren ihr internes Risikomanagement, die Planung von Szenarien und betreiben zunehmend proaktives Cash-Management, stellen die Studienautoren fest. Zudem verstärken sie Maßnahmen, die zur Risikominderung in der Einstiegsphase von Kunden beitragen. Hinzu kommen diverse Initiativen zur Diversifikation, sowohl bei Absatzmärkten und -branchen als auch der Produktpalette sowie Absicherungslösungen für den Fall der Fälle, so das Fazit der Umfrage.

(Pressemitteilung Euler Hermes Deutschland vom 13.08.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


Finanzen, Krise, Verknappung
Meldung

© djvstock/fotolia.com

27.09.2022

Restrukturierungsstudie: Energiekrise, hohe Inflation und steigende Zinsen – Unternehmen sind auf externe Schocks nicht vorbereitet

Pandemie, Ukrainekrieg, Versorgungsengpässe, Inflation – Unternehmen sehen sich parallel mit diversen Krisen konfrontiert. Zudem müssen Firmen ihre Digitalisierung vorantreiben und den gestiegenen ESG-Anforderungen nachkommen. Diese vielfältigen Herausforderungen spiegeln sich auch in der aktuellen „Restrukturierungsstudie 2022“ von Roland Berger wider: 92% der befragten Experten und Expertinnen erwarten eine Zunahme der Restrukturierungsfälle. Mehr als die Hälfte sieht die Unternehmen nur bedingt oder gar nicht auf exogene Schocks vorbereitet.

Restrukturierungsstudie: Energiekrise, hohe Inflation und steigende Zinsen – Unternehmen sind auf externe Schocks nicht vorbereitet
Working Capital Management
Meldung

© Coloures-pic/fotolia.com

27.09.2022

Working Capital Report: Hersteller verbessern Working Capital Management, Zulieferer nicht

Die Automobilindustrie war in den vergangenen Jahren mit gleich mehreren großen Herausforderungen konfrontiert: Lockdowns infolge neuer Corona-Wellen, unterbrochene Lieferketten, starke Nachfrageschwankungen sowie ein Mangel an wichtigen Materialien und Bauteilen – Stichwort Chipkrise – setzten der Branche zu. Trotz dieser widrigen Umstände ist es den Unternehmen gelungen, ihre Umsätze zwischen 2017 und 2021 um 9% zu steigern und die Kapitalbindungsdauer um einen Tag zu verringern. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Herstellern und Zulieferern: Während die Original Equipment Manufacturer die Kapitalbindungsdauer seit 2017 von 19 auf 14 Tage drücken konnten, ist diese Kennzahl bei den Zulieferern in den vergangenen fünf Jahren auf 56 Tage gestiegen (plus sechs Tage).

Working Capital Report: Hersteller verbessern Working Capital Management, Zulieferer nicht
M&A, Fusion, Übernahme
Meldung

©designer491/fotolia.com

26.09.2022

M&A-Aktivitäten in der DACH-Region: Zurückhaltung in der ersten Jahreshälfte 2022

Die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Folge des Russland-Ukraine-Kriegs machen sich im M&A-Markt bemerkbar. Im ersten Halbjahr 2022 fanden in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich weniger Fusionen und Übernahmen statt als im vorangegangenen Halbjahr. Die Anzahl der Transaktionen sank von 1.884 auf 1.436 – ein Rückgang um 23,8%. Davon entfielen 1.061 auf Deutschland, 104 auf Österreich und 271 auf die Schweiz. Die Höhe der Unternehmenskäufe fiel um 34,8% von 107,4 auf 67,3 Mrd. €.

M&A-Aktivitäten in der DACH-Region: Zurückhaltung in der ersten Jahreshälfte 2022
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank