04.06.2026

Zahlungsverzug setzt Unternehmen unter Druck

Deutsche Unternehmen leiden zunehmend unter Zahlungsverzug und Forderungsausfällen, wodurch Liquidität und Lieferketten unter Druck geraten.

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Späte Zahlungen und steigende Forderungsausfälle setzen deutsche Unternehmen unter Druck. Die schwache Konjunktur verschärft die Situation – mit direkten Folgen für Liquidität und Lieferketten. Das aktuelle Atradius-Zahlungsbarometer für Deutschland zeichnet ein besorgniserregendes Bild der wirtschaftlichen Lage. „Während sich die Kreditbedingungen der Banken in ganz Westeuropa verschärfen, ist der Druck auf deutsche Unternehmen aufgrund ihrer starken Abhängigkeit von Bankfinanzierungen besonders hoch“, sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland beim internationalen Kreditversicherer Atradius.

Zahlungsfristen werden immer mehr begrenzt

Aufgrund der hohen Kosten für Bankkredite rücken Lieferantenkredite in Deutschland weiter in den Mittelpunkt der Unternehmensfinanzierung. Gleichzeitig bleibt der deutsche Markt im europäischen Vergleich zurückhaltend: Nur 35 % der B2B-Verkäufe werden auf Kredit abgewickelt – gegenüber 52 % im westeuropäischen Durchschnitt. „Wenn Käufer ihr eigenes Kapital früher einsetzen müssen, erhöht das den Druck auf das Betriebskapital und schwächt die Liquiditätslage“, betont Frank Liebold. Um die eigene Liquidität zu sichern, begrenzt die Mehrheit der Anbieter Zahlungsfristen auf maximal 30 Tage.

Öfter Zahlungsverzögerungen im B2B-Geschäft

Die Folgen zeigen sich entlang der Lieferketten: 87 % der deutschen Unternehmen berichten inzwischen über Zahlungsverzögerungen im B2B-Geschäft – deutlich mehr als im westeuropäischen Durchschnitt (77 %). Längere Zahlungszyklen erhöhen in mehreren Branchen die Forderungslaufzeit und erschweren eine verlässliche Cashflow-Planung. Mit zunehmendem Liquiditätsdruck wächst zugleich das Insolvenzrisiko – und damit die Gefahr von Forderungsausfällen, besonders für KMU und hoch verschuldete Unternehmen. 10 % der Unternehmen melden Forderungsausfälle von 5 % und mehr ihres gesamten B2B-Rechnungsvolumens – mit erheblichen Auswirkungen auf die Rentabilität. „In dieser Größenordnung zehren Forderungsausfälle stetig am Betriebskapital und belasten die Unternehmensrentabilität“, sagt Frank Liebold. Als häufigste Ursachen für verspätete Zahlungen nennen Unternehmen Cashflow-Probleme beim Kunden, interne Genehmigungsverzögerungen, Verzögerungen bei Banken sowie komplexe Zahlungsprozesse. Rund 21 % der Befragten geben an, aufgrund des Zahlungsrisikos ihrer Kunden selbst Zahlungen an eigene Lieferanten verzögern zu müssen.

Ausblick 2026/2027: Unternehmen erwarten anhaltend hohe Zahlungsrisiken

Das Vertrauen in eine kurzfristige Besserung ist gering – insbesondere in der Industrie und im Handel. Weil Zahlungsverzögerungen in Deutschland inzwischen weiter verbreitet sind als in Westeuropa, rechnen viele Unternehmen nicht mit einer raschen Normalisierung des Zahlungsverhaltens im B2B-Geschäft. Stattdessen erwarten sie, dass sich Liquiditätsengpässe in den kommenden Monaten weiter verschärfen. „Der anhaltende Konflikt in der Ukraine und im Nahen Osten, geopolitische Spannungen im Allgemeinen sowie plötzliche handelspolitische Kurswechsel und Konflikte sorgen für zusätzliche Unsicherheit – besonders für exportorientierte Unternehmen“, sagt Frank Liebold.

Vor diesem Hintergrund dürfte das Zahlungsausfallrisiko bei Kunden in Deutschland weiterhin hoch bleiben – ohne klare Anzeichen dafür, dass sich die Verschlechterung verlangsamt. „Deutschland steht unter erheblichem Druck, da die anhaltend hohe Insolvenzquote das Geschäftsumfeld weiterhin belastet“, betont Frank Liebold. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Insolvenzerwartungen wider: 34 % der befragten Unternehmen rechnen mit einem weiteren Anstieg der Insolvenzen, während 52 % davon ausgehen, dass das Risiko auf dem bereits erhöhten Niveau verbleibt.

Mehr Druck auf Lieferketten

Die Erwartung steigender Unternehmensinsolvenzen erhöht den Druck entlang der Lieferketten zusätzlich. Das würde die Fähigkeit wirtschaftlich schwächerer Unternehmen, Zahlungsverzögerungen zu kompensieren, weiter einschränken und die Notwendigkeit eines konsequenten Cash-Managements unterstreichen. Gleichzeitig begrenzen wirtschaftliche und handelspolitische Unsicherheiten den Spielraum für eine Margenerholung – auch wenn die Nachfrage erste Anzeichen einer Stabilisierung zeigt. Der etwas stärkere Optimismus in Westeuropa deutet darauf hin, dass sich Unternehmen dort unter den aktuellen Bedingungen besser in der Lage sehen, ihre Margen zu sichern.

Den weiteren wirtschaftlichen Abschwung stuft mehr als drei Viertel der Unternehmen als größtes Risiko für den B2B-Zahlungsverkehr ein, gefolgt von Kostendruck und geopolitischer Instabilität. „Unternehmen müssen sich aktuell mehr denn je einer ganzen Bandbreite an Herausforderungen stellen. Das sehen wir bereits in vielen Branchen im starken Anstieg der Nichtzahlungsmeldungen“, so Frank Liebold. „Unternehmen sollten jetzt ihre Liquidität sichern, Kreditlimite konsequent steuern und Forderungen aktiv absichern – denn jede Verzögerung im Zahlungseingang erhöht den Druck für alle“, sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius.

Das Atradius Zahlungsmoralbarometer ist eine jährliche Umfrage zum Zahlungsverhalten im weltweiten Geschäftskundenbereich (B2B). Die aktuelle Ausgabe basiert auf einer Befragung von 210 Unternehmen in Deutschland, die im ersten und zweiten Quartal 2026 durchgeführt wurde.

(Atradius vom 27.05.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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