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17.05.2021

ZEW-Studie zur Einlagensicherung: Finanzexperten erwarten kein Einlenken bei Zinsplattformen

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© beermedia.de/fotolia.com

Nach der Pleite der Greensill Bank sehen Finanzmarktexperten erheblichen Regulierungsbedarf bei Zinsplattformen und der Einlagensicherung von Banken. Die Mehrheit der Befragten erwartet allerdings nicht, dass Zinsplattformen aus eigenem Interesse dafür sorgen werden, Banken mit übermäßig riskantem Geschäftsmodell von ihrer Plattform fernzuhalten. Sie müssten daher zu mehr Risikoaufklärung gegenüber ihren Kunden verpflichtet werden, so die Meinung der Experten. An der Sonderfrage im aktuellen ZEW-Finanzmarkttest hatten sich im Mai 2021 188 Finanzmarktexperten beteiligt.

Die Insolvenz von Greensill im März 2021 hatte eine Lücke von über 3 Mrd. € in die gesetzlichen und freiwilligen Sicherungssysteme der privaten Banken gerissen. Diese muss nun durch die Beiträge der verbleibenden Banken wieder gefüllt werden.

65% der Befragten fordern mehr Risikoaufklärung durch Zinsplattformen

65% der befragten Finanzexperten wollen Zinsplattformen, denen eine Schlüsselposition bei der Vermittlung riskanterer Einlagenangebote zukommt, zu mehr Risikoaufklärung gegenüber ihren Kunden verpflichten. Dass diese aus eigenem Interesse dafür sorgen, dass Anbieter mit übermäßig riskantem Geschäftsmodell nicht auf ihrer Plattform vertreten sind, ziehen 57% der Befragten in Zweifel. Eine Mehrheit von 44% lehnt jedoch ab, dass Zinsplattformen im Entschädigungsfall einen Teil der vermittelten Einlagen ersetzen müssen.

Stärkere Risikoteilung in der Einlagensicherung der privaten Banken empfohlen

Die befragten Finanzexperten raten zu einer Reform der Einlagensicherung. Das Beispiel Greensill bestätigt, was zahlreiche Studien gezeigt haben. Die Einlagensicherung kann Anleger dazu bringen, das Risiko ihrer Einlagen zu unterschätzen. Ein solches Verhalten ist nachvollziehbar, doch sollte der Bankensektor jetzt nachsteuern, um das Schadensfallrisiko im Falle einer Bankeninsolvenz zu mindern bzw. die Schadensfallsumme für die Einlagensicherung einzugrenzen, empfehlen die Experten des ZEW.

Finanzmarktexperten wollen Zinsplattformen zu mehr Verbraucheraufklärung verpflichten

Bei der Reform der Einlagensicherung halten die Finanzmarktexperten besonders eine Risikoteilung zwischen Sicherungssystemen und Einlegern und eine verstärkte Aufsicht durch die Bafin für besonders geeignet. 33% der Befragten sehen es als stark positiv an, wenn Kunden im Entschädigungsfall einen kleinen Selbstanteil von fünf bis 15% tragen. Weitere 36% sehen dies positiv. Eine schärfere Prüfung und Überwachung der Institute durch die Bafin sehen 32% der Befragten stark positiv und weitere 38% positiv. Etwas weniger Zustimmung erhalten die Vorschläge einer schärferen Prüfung und Überwachung durch den Prüfungsverband der deutschen Banken (26% stark positiv, 41% positiv) und einer stärkeren Risikogewichtung der Beitragsprämien von Banken zum Einlagensicherungsfonds (27% stark positiv, 36% positiv). Interessanterweise hat das Vertrauen in die Bafin unter den befragten Finanzmarktexperten nicht gelitten, obwohl die Aufsichtsbehörde in Zusammenhang mit Wirecard häufiger negative Berichterstattung erlebte, stellen die Studienautoren fest.

Mehr Transparenz für öffentliche Geldanlagen nötig

49% der Befragten stimmen zu, dass die öffentlichen Haushalte zu mehr Transparenz bei ihren Geldanlagen verpflichtet werden sollten. 21% der Befragten sind der Ansicht, dass die Anlagemöglichkeiten öffentlicher Haushalte gesetzlich eingeschränkt werden sollten. Lediglich zehn% halten es für ausreichend, dass die öffentlichen Haushalte durch die Wähler sanktioniert werden können. Eine Mehrheit von 54% der Finanzmarktexperten ist zudem der Meinung, dass die Einlagensicherung zukünftig nur noch Privatanleger entschädigen sollte, während 32% dieser Aussage nicht zustimmen, so die ZEW-Umfrage. 14% machen keine Angabe.

(Pressemitteilung ZEW vom 17.05.2021)


Redaktion

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