28.03.2019

Flaute auf dem deutschen IPO-Markt

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Im ersten Quartal 2019 hat kein einziges deutsches Unternehmen den Sprung aufs Parkett gewagt. Eine komplette IPO-Flaute erlebte die deutsche Börse zuletzt im ersten Quartal 2014. Im turbulenten Schlussquartal 2018 gingen immerhin noch vier deutsche Unternehmen an die Börse, im ersten Quartal des Vorjahres waren sechs Neuemissionen zu verzeichnen.

Zu diesen Ergebnissen kommt die vierteljährliche Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“ des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PwC.

„Emittenten halten sich aktuell stark zurück mit Transaktionen. In dem äußerst schwierigen Marktumfeld Ende 2018 starteten verständlicherweise nur sehr wenige Unternehmen einen IPO-Prozess,“ sagt Nadja Picard, IPO-Expertin und Capital Markets Leader für PwC Europe.

Mit Spannung war unter anderem der Börsengang von Traton, der LKW-Sparte von VW, in der ersten Jahreshälfte erwartet worden. Kürzlich gab VW jedoch bekannt, den Börsengang aufgrund des aktuellen Marktumfelds auf Eis zu legen.

Europäische Konjunktur als größter Unsicherheitsfaktor

„Die große Unsicherheit, wann, wie und ob überhaupt das Vereinigte Königreich aus der EU austritt, sorgt für Unruhe. Dazu kommt, dass sich die konjunkturelle Lage in Deutschland und Europa weiter eintrübt und sich das Wirtschaftswachstum in China verlangsamt. Nicht zuletzt belastet der Handelskonflikt zwischen den USA und China die Erwartungen deutscher Unternehmen“, so die Einschätzung von Nadja Picard.

Schon das Jahr 2018 endete turbulent mit deutlichen Korrekturen an den Börsen, die ebenfalls der konjunkturellen Abkühlung und den politischen Unsicherheiten geschuldet waren. Der Start ins Börsenjahr 2019 verlief grundsätzlich hoffnungsvoll. „Die positive Entwicklung der Märkte war jedoch eher technisch getrieben und basierte zum Teil auf geringen Handelsvolumina“, bremst Nadja Picard den Optimismus. Die Volatilität liege zwar auf einem für Transaktionen günstigen Niveau, dennoch blieben Investoren skeptisch: „Wir beobachten seit dem vergangenen Jahr regelmäßig massive Mittelabflüsse aus europäischen Aktien. Investoren stehen europäischen Aktien also nach wie vor zurückhaltend gegenüber“, resümiert Nadja Picard.

Kapitalerhöhungen dienen vor allem der M&A-Finanzierung

Auch mit Blick auf Kapitalerhöhungen fiel das 1. Quartal 2019 durchwachsen aus: 13 Unternehmen entschieden sich in diesem Zeitraum für eine Kapitalerhöhung. Im ersten Quartal 2018 waren es 16, in Q4 2018 dann 19. Das Volumen lag mit 704 Millionen Euro jedoch deutlich unter dem des Auftaktquartals 2018 (1,1 Milliarden Euro), aber über dem letzten Quartal 2018 (526 Millionen Euro). Den Großteil des Volumens erzielten der Chemiekonzern Symrise sowie das Touristikunternehmen IFA Hotel & Touristik mit ihren Kapitalerhöhungen. „Vielen der erfolgreich durchgeführten Kapitalerhöhungen europäischer Unternehmen ist gemeinsam, dass sie einem ganz konkreten Zweck dienen, etwa der Finanzierung einer Akquisition. Für Investoren sind solche Transaktionen daher äußerst transparent“, erläutert Nadja Picard.

Licht und Schatten bei den Fremdkapitalemissionen

Einen Lichtblick bietet die Analyse der Fremdkapitalemissionen: Mit einem Emissionsvolumen von rund 25 Milliarden Euro entwickelte sich der Markt für Investment-Grade-Anleihen im ersten Quartal 2019 deutlich stärker als im vorigen Quartal und auch besser als im ersten Quartal 2018 (plus 15 Prozent im Vergleich zu Q1 2018). Der Markt für High-Yield-Anleihen startete dagegen verhalten ins neue Jahr. Die Emissionsvolumina blieben mit 1,5 Milliarden Euro deutlich hinter dem Vorjahreswert von 3,3 Milliarden Euro zurück.

Ausblick: Solides zweites Halbjahr durchaus noch möglich

„Ich gehe davon aus, dass sich die Unsicherheiten rund um den Brexit und den Handelskonflikt zwischen den USA und China bis zur Jahresmitte auflösen und sich die Märkte erholen werden. Dann liegt ein solides zweites Halbjahr, in dem wir wieder einige deutsche Börsengänge, etwa durch Spin-offs großer Konzerne, erleben werden, durchaus im Bereich des Möglichen“, so das Fazit von Nadja Picard. Ein erster Test für die Aufnahmebereitschaft des Marktes für Neuemissionen sind dabei die unmittelbar bevorstehenden IPOs von Medacta und Stadler Rail aus der Schweiz sowie des Online Zahlungsdienstleisters Nexi aus Italien. Positive Impulse für das weitere Jahr könnten auch aus Übersee kommen: In den USA arbeiten etliche große Tech- und Plattform-Anbieter wie Pinterest, Airbnb, Uber und Lyft mit Hochdruck an ihrem Börsengang.

(Pressemitteilung PwC vom 28.03.2019)


Redaktion

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