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18.03.2021

M&A-Markt: Zunahme von Distressed-Transaktionen erwartet

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© adiruch na chiangmai/fotolia.com

Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Corona-Auswirkungen befürchten viele Firmen, in die roten Zahlen zu rutschen. Als Konsequenz bleibt häufig nur der Notverkauf oder die Insolvenz. Aktuell ist die Anzahl der Insolvenzen noch rückläufig – die im Rahmen einer Deloitte-Studie befragten Experten erwarten hier jedoch eine deutliche Trendumkehr.

„Transaktionen in unsicheren Zeiten“, so der Titel der neuen Ausgabe der jährlich erscheinenden Studie „Distressed M&A“, untersucht die Konjunktur- und Branchenentwicklung im Distressed M&A-Markt und hat dafür über 2.000 Experten aus den Bereichen Beratung, Finanzierung (Eigen- und Fremdkapital), Management, Restrukturierung und Insolvenz befragt. Die Untersuchung gibt einen Überblick über die an den deutschen Distressed M&A-Markt gerichteten Erwartungen der Experten und mögliche Trends und Veränderungen.

Insolvenzdelle anstatt einer Insolvenzwelle: Bislang kein Anstieg der Distressed M&A-Transaktionen

Die meisten Marktteilnehmer sind derzeit verwundert, dass die COVID-19-Krise bislang nicht zu einem Anstieg der Distressed M&A-Transaktionen geführt hat, stellen die Autoren der Studie fest. Insolvenzverwalter berichten von einer Insolvenzdelle anstatt einer Insolvenzwelle. Die wesentlichen Gründe hierfür dürften der Studie zufolge insbesondere das weiterhin äußerst positive Finanzierungsumfeld, die teilweise Aussetzung der Insolvenzantragsgründe sowie die staatlichen Fördermaßnahmen sein. Wie die Mehrheit der Befragten gehen auch die Studienautoren davon aus, dass die Anzahl der Distressed-Transaktionen in den kommenden Monaten ansteigen wird. Die Experten rechnen aber nicht mit einem rasanten Anstieg im ersten und zweiten Quartal 2021.

Mehr Distressed M&A-Transaktionen auf dem deutschen Markt

83% der Teilnehmer erwarten infolge der Pandemie deutlich mehr Distressed M&A-Transaktionen auf dem deutschen Markt, lediglich 7% prognostizieren einen Rückgang. Wenig verwunderlich: 94% der Experten sehen dabei die Pandemie als das Hauptrisiko für die deutsche Wirtschaft – weit vor anderen Risiken wie dem späten E-Umstieg der Automobilindustrie (46%) oder dem Brexit (29%), Protektionismus (27%) oder drohende Handelsstreitigkeiten (23%).

Steigende Aktivität von Finanzinvestoren und Family Offices erwartet

Die Teilnehmer der Studie erwarten, dass die Aktivität von Finanzinvestoren und Family Offices deutlich zunehmen wird. Der Anteil, den Private Equity-Unternehmen unter den Käufern auf dem Distressed M&A-Markt ausmachen, liegt im laufenden Jahr auf einem historischen Höchststand. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Experten eine stärkere Beteiligung von Family Offices bei Distressed M&A-Transaktionen erwarten.

Chinesische Investoren kamen bei deutschen Distressed Assets seltener zum Zuge

Käufer deutscher Distressed Assets werden, nach Einschätzung der Befragten, überwiegend aus Deutschland, Europa und China kommen. Bei der Frage nach der Herkunft der Investoren zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den früheren Erwartungen der Befragten und den tatsächlichen Ist-Zahlen: So kamen chinesische Investoren in den vergangenen zwölf Monaten wesentlich seltener zum Zuge, als es von den im Jahr 2019 Befragten für 2020 erwartet worden war.

Krisenbranchen Automobilindustrie, Tourismus und Handel

Die Studienteilnehmer erwarten, dass die Automobilindustrie gefolgt von Tourismus und Handel besonders im Fokus von Distressed M&A-Transaktionen stehen wird. Die Liste der „Krisenbranchen“ hat sich im Vergleich zum Vorjahr, mit Ausnahme der besonders von der COVID-19-Krise betroffenen Branchen Tourismus, Transport- und Logistik nicht wesentlich verändert. Erneut wurden hier am häufigsten die Automobil-, Handels- sowie Textil- und Bekleidungsbranche genannt.

Datenaufbereitung und schnelle Investorenansprache die wichtigsten Erfolgsfaktoren

Für die Befragten gehören eine umfassende Datenaufbereitung und die schnelle Investorenansprache zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für Distressed M&A-Transaktionen. Daneben werden der Studie zufolge die Branchenexpertise der Berater als wichtiger Aspekt sowie die internationale Investorenansprache genannt. Letzteres deckt sich mit der Meinung der Befragten, dass ein hoher Anteil der Investoren im Distressed M&A-Markt aus dem Ausland kommt. Dabei kann sich die Bewertung einzelner Faktoren je nach Hintergrund der Befragten unterscheiden. Für Insolvenzberater und -verwalter ist eine schnelle Investorenansprache besonders wichtig, während diese von Geschäftsführern und Private Equity-Investoren als ein bedeutender Erfolgsfaktor angesehen.

Viele Unternehmen hatten schon vor der Corona-Krise mit strategischen Herausforderungen zu kämpfen

Die Hoffnung vieler Investoren ruht auf einem Qualitätsanstieg jener Distressed Assets, die ein gesundes Geschäftsmodell haben und lediglich von der COVID-Krise betroffen sind, stellen die Studienautoren fest. In der Realität seien jedoch derzeit viele Fälle am Markt, die schon vor der COVID-Pandemie mit strategischen und strukturellen Herausforderungen zu kämpfen hatten. Vor diesem Hintergrund sei es möglich, dass nicht alle Distressed Assets einen Käufer finden. Nichtsdestotrotz kann aus Sicht der Experten ein gut vorbereiteter Verkaufsprozess durchaus auch ein erfolgreicher Neubeginn in der Unternehmenskrise sein.

Die „Deloitte Distressed M&A-Studie 2021“ finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Deloitte vom 18.03.2021)


Redaktion

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