09.02.2018

Ansprüche an Corporate Reporting nehmen zu

Beitrag mit Bild

© vege/fotolia.com

Die Ansprüche an das Corporate Reporting von Unternehmen werden immer größer. Mehr als die Hälfte der Unternehmen müssen elf oder mehr Reporting-Standards- oder Reporting-Systeme beachten. Schließlich ist die Zahl der Finanzberichte bei sechs von zehn Unternehmen gestiegen, wie aus dem vierten Global Reporting Survey der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht. Für die Studie wurden 1020 CFOs und weitere Verantwortliche aus den Finanzabteilungen befragt. Davon stammen 40 aus Deutschland.

Der steigende Aufwand bleibt nicht ohne Folgen: 71 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass die zunehmende Komplexität zu Lasten der Effektivität der Berichterstattung geht. „Unternehmen stehen vor der Aufgabe, ihr Reporting den gewachsenen Aufgaben anzupassen“, sagt Dr. Karsten Füser, Partner und Global Financial Accounting Advisory Markets Leader bei EY. „Data Analytics, Blockchain und andere innovative Ansätze bieten Lösungen, doch die Unternehmen tun sich mit der Umsetzung schwer.“

Reporting-Systeme sind häufig nicht verknüpft

Die Unternehmen haben das Problem erkannt. 87 Prozent wollen in den nächsten zwei Jahren ihre Investitionen in moderne Technologien für das Reporting erhöhen. Im Vordergrund stehen dabei moderne IT-Konzepte und der Einsatz von Data Analytics. Das ist auch dringend geboten. Denn häufig nutzen die Unternehmen die Chancen eines modernen Corporate Reporting nicht aus. In Konzernen mit Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern kommen nicht selten unterschiedliche Technologien zum Einsatz. „Oft sind die Systeme nicht miteinander verknüpft, sondern laufen parallel. Das erschwert die schnelle Auswertung von Daten und erhöht die Risiken“, betont Füser. Ein modernes Reporting ist ein zentrales Steuerungsinstrument für die tägliche Arbeit von Unternehmen und liefert Informationen für Entscheidungen des Managements. „Data Analytics, künstliche Intelligenz und weitere innovative Ansätze sind der Schlüssel, um das Reporting zukunftsgerecht auszurichten“, betont Füser. Eine neue Governance-Ära hat begonnen. Finance 4.0 bietet die Chance, Daten mit smarten Technologien zu verknüpfen. Grundlage ist ein Datenmanagement, das homogen über das gesamte Unternehmen aufgebaut wird und Daten mit einem einheitlichen Ansatz erhebt und aufbereitet. Anschließend geht es darum, Daten auszuwerten und in das Reporting zu integrieren.

Fehlende Zusammenarbeit zwischen IT und Finanzabteilung

Die Sorge um Datensicherheit, mangelnde Unterstützung durch den Vorstand sowie fehlende Kompetenzen sind Hemmnisse für die Umsetzung. „Deutsche Finanzchefs sind besonders für die Sicherheit der Daten sensibilisiert. Datenschutz auf allen Ebenen zu gewährleisten, hat für sie oberste Priorität“, betont Füser. Das bestätigt auch die Studie. 53 Prozent der deutschen Unternehmen betrachten die Erfüllung von Compliance-Vorgaben und Sicherheitsstandards rund um den Datenschutz in den einzelnen Ländern als die größte Herausforderung im derzeitigen Reporting-Umfeld. Weltweit sehen im Schnitt nur 35 Prozent diesen Aspekt als wichtigstes Thema.

58 Prozent der deutschen Unternehmen sehen gegenwärtig die größte Priorität darin, ein integriertes Datenmanagement für den Umgang mit Daten einzurichten, während weltweit nur 42 Prozent dieser Auffassung sind. Fehlende Fähigkeiten im Bereich Data Analytics sind für 45 Prozent der Befragten deutschen Unternehmen das größte Hindernis für die Einführung innovativer Technologien innerhalb der Finanzfunktion (weltweit 38 Prozent). Aber auch die fehlende Zusammenarbeit zwischen der Finanzabteilung und der IT erschwert für 43 Prozent der befragten deutschen Unternehmen die Einführung innovativer Technologien (weltweit 38 Prozent).

Neue Aufgaben für Aufsichtsräte

Auf die Aufsichtsräte kommen mit dem stärkeren Einsatz von Künstlicher Intelligenz oder Data Analytics neue Aufgaben zu. „Mit den wachsenden sozialen, politischen und technischen Risiken verändert sich ihre Arbeit. In einer Welt im permanenten Wandel wird es immer wichtiger, Risiken frühzeitig zu erkennen“, sagt Füser. Deswegen gehen die Befragten davon, dass Aufsichtsräte in Zukunft ihr Know-how erweitern müssen, um ihren Kontrollauftrag erfüllen zu können. Besonders wichtig sind für 75 Prozent der deutschen Unternehmen Kompetenzen und Verständnis der rechtlichen Rahmenbedingungen für die externe Bearbeitung von Daten, gefolgt von Datenschutzrisiken mit 70 Prozent. Eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen internen und externen Prüfern wünschen sich 55 Prozent der Verantwortlichen. Weltweit sind 82 Prozent der Befragten überzeugt, dass sich Aufsichtsgremien in Zukunft stärker um die Unternehmenskultur und ihren Folgen für die Prävention von Kriminalität und die Einhaltung von Compliance-Vorgaben kümmern müssen.

(Pressemitteilung EY vom 01.02.2018)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© Zerbor - Fotolia.com

15.10.2026

Cyberrisiken und KI setzen CEOs unter Druck

Die schwache Konjunktur bleibt für CEOs weltweit das größte Risiko. Laut dem aktuellen CEO Outlook Survey von EY-Parthenon nennen 44 % die wirtschaftliche Unsicherheit als zentrale Belastung. Cyberrisiken und Datenschutzbedrohungen folgen mit 40 %, technologische Umbrüche einschließlich KI mit 34 %. In Deutschland stehen Konjunktur- und Cyberrisiken mit jeweils 40 % gleichauf. Für die Studie

Cyberrisiken und KI setzen CEOs unter Druck
Meldung

© Erwin Wodicka /fotolia.com

14.10.2026

Steigende Kreditkosten: UKs CFOs setzen auf Sparkurs statt Expansion

Seit mehr als drei Jahren stehen geopolitische Konflikte an der Spitze der Risikoliste britischer Finanzchefs, zeigt die aktuelle Deloitte UK CFO Survey. Besonders die Eskalation des US-Iran-Konflikts und Ölpreise von über 100 US-Dollar je Barrel verstärken die Sorge vor Inflation und steigenden Zinsen. Finanzierungskosten auf Zweieinhalbjahreshoch Die Finanzchefs erwarten binnen zwölf Monaten eine Inflationsrate von

Steigende Kreditkosten: UKs CFOs setzen auf Sparkurs statt Expansion
Meldung

© weerapat1003/fotolia.com

13.10.2026

Klimaschutz als Milliardenchance für Unternehmen

Deutschlands Klimatransformation erfordert bis 2045 Investitionen von sechs Billionen Euro. Für Finanzvorstände wird die Finanzierung zum strategischen Thema. Entscheidend sind Kapitalkosten, Investitionsprioritäten und die Mobilisierung privaten Kapitals. Unternehmen müssen Investitionen deutlich steigern Laut einer Prognos-Studie im Auftrag der KfW sind jährlich 290 Milliarden Euro für die Klimaneutralität erforderlich. Knapp die Hälfte davon, rund 140 Milliarden

Klimaschutz als Milliardenchance für Unternehmen
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)