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17.04.2023

Auslandsinvestitionen: „Kostenersparnis“ auf dem Vormarsch

Bei den Auslandsinvestitionen gewinnt das Motiv „Kostenersparnis“ wieder stark an Bedeutung, zeigt eine aktuelle DIHK-Sonderauswertung.

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©pitinan/123rf.com

Aufgrund der gestiegenen Energiepreise und der gebremsten Weltkonjunktur investieren deutsche Industrieunternehmen derzeit im Ausland weniger. Zugleich will fast jeder dritte Industriebetrieb mit Investitionsplänen im Ausland vor allem Kosten sparen. Das zeigt eine aktuelle DIHK-Sonderauswertung.

„Starke Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen sind grundsätzlich eine gute Sache. Denn sie sichern bei der international eng vernetzten deutschen Wirtschaft auch die Standorte im Inland“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Allerdings sehen wir aktuell zwei bedenkliche Entwicklungen: Mit nur noch 41 % der Industriebetriebe wollen derzeit so wenige Unternehmen im Ausland investieren wie zuletzt 2009. Und bei den Motiven ist neben den klassischen Beweggründen wie Kundenbindung und Markterschließung die Kostenersparnis wieder auf dem Vormarsch.“

Anzeichen einer schleichenden Produktionsverlagerung

Von den Industrieunternehmen mit Investitionsplänen im Ausland nannten 32 % „Kostenersparnis“ als Motiv – ein sprunghafter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (26 %). „Einen solch hohen Wert hatten wir zuletzt 2008“, so Treier. „Bei den kleineren Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten ist dieser Anteil mit gut einem Drittel fast so hoch wie im Jahr 2004, als Deutschland noch als ‚kranker Mann Europas‘ galt. Deshalb sollten wir diese Zahlen sehr ernst nehmen. Es sind Anzeichen einer schleichenden Produktionsverlagerung.“

Bei kleineren Unternehmen unter 500 Beschäftigten geben der Auswertung zufolge 33 % nach 27 % im Vorjahr Kostenersparnis als Investitionsgrund an, fast so viele wie 2004 (36 %). Auch bei großen Unternehmen (mehr als 1.000 Beschäftigte) wird das Kostenmotiv bedeutender (30 % nach zuvor 26 %), liegt allerdings noch weit unter dem Rekordwert von 44 % im Jahr 2004.

Auslandsinvestitionen insgesamt rückläufig

Insgesamt gaben die Unternehmen an, dass zu Jahresbeginn 2023 nur noch 41 % der Industriebetriebe im Ausland investieren wollen. Das ist der niedrigste Wert seit 2009 mit damals 40 %. „Den Unternehmen setzen dabei insbesondere der russische Krieg in der Ukraine und die deutlich gestiegenen Energiepreise, aber auch die schwierigen Jahre der Corona-Pandemie sehr zu. Diese aktuellen Krisen haben die Investitionsbudgets insgesamt belastet und wirken sich stark auf die Auslandsinvestitionen aus“, bewertet Volker Treier die Ergebnisse.

Auch beim Auslandsengagement tun sich vor allem kleinere Unternehmen derzeit schwer. Nur 33 % der Betriebe bis 500 Beschäftigte planen Investitionen außerhalb Deutschlands. Das ist ein neuer Tiefstwert. Besonders stark rückläufig ist die Auslandsaktivität bei Ge- und Verbrauchsgüterherstellern, mit 33 % (nach 38 % im Vorjahr) wollen so wenige wie noch nie im Ausland investieren.

Bei der Ausweitung ihrer bestehenden Auslandsinvestitionen halten sich die Unternehmen ebenso zurück. Nur noch 31 % nach 39 % im Vorjahr möchten ihre Auslandsinvestitionsbudgets erhöhen. Hingegen sieht fast jeder fünfte Betrieb (18 % nach 11 % im Vorjahr) Kürzungen vor. Insbesondere die vor allem im Inland hohen Energiepreise machen der deutschen Industrie zu schaffen. 43 % der Unternehmen, die unter den Energiepreisen leiden, müssen ihre Auslandsinvestitionen beschneiden.

„Insgesamt lassen die Ergebnisse der Umfrage nichts Gutes erwarten. Im In- und Ausland wird bei den Investitionen gebremst agiert“, so das Resümee von Volker Treier. „Hohe Energiekosten, lange Genehmigungsverfahren, Fachkräftemangel und eine häufig unzulängliche Infrastruktur belasten die Position der Unternehmen in Deutschland. Die Politik muss diese strukturellen Probleme angehen, sonst beginnt das industrielle Fundament in Deutschland zu bröckeln.“

Neue Hürden im In- und Ausland

Zu den sich abschwächenden Auslandsinvestitionen kommen zunehmend internationale Handelshemmnisse, wie die kürzlich veröffentlichte DIHK-Umfrage „Going International“ ergab. Mit 56 % sehen so viele Unternehmen wie noch nie Handelshemmnisse. Dabei handelt es sich unter anderem um zusätzliche Prüfungen als lokale Zertifizierungsanforderungen, verstärkte Sicherheitsanforderungen und Local-Content-Bestimmungen, etwa der Inflation Reduction Act in den USA.

Aber auch inländische Anforderungen an das grenzüberschreitende Wirtschaften, wie zum Beispiel das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, werden von den Unternehmen als solche neuen Kostenfaktoren wahrgenommen. Sie streuen zusätzlich Sand ins Getriebe des internationalen Geschäftes. Dadurch könnten nicht nur Kapitalbewegungen deutscher Unternehmen, sondern auch der Handel ins Stocken geraten.

(DIHK vom 13.04.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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