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29.11.2021

Autobauer mit Rekordgewinnen trotz Absatzeinbruch

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© habrda/ fotolia.com

Trotz stillstehender Fabriken und massiver Absatzeinbußen haben die 16 größten Autokonzerne der Welt im dritten Quartal 2021 mehr Gewinn erwirtschaftet als je zuvor. Der operative Gewinn kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11% auf 23,1 Mrd. EUR und erreicht damit ein neues Rekordniveau. Beim Umsatz ging es hingegen leicht bergab: Der Gesamtumsatz der Unternehmen schrumpfte um 1,6% auf 371 Mrd. EUR, wobei jeweils die Hälfte der Unternehmen ein Umsatzplus bzw. -minus auswies. Noch deutlich kräftigere Einbußen – um 16% – wurden beim Absatz verzeichnet: 13 Unternehmen verkauften weniger Pkw als im Vorjahreszeitraum, nur drei Konzerne konnten ihren Absatz steigern. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY quartalsweise erstellt.

Dank der insgesamt guten Gewinnentwicklung stieg die durchschnittliche Marge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 6,2% auf 7,0%. Mit einer Marge von 14,6% konnte sich der US-amerikanische Elektroautohersteller Tesla an die Spitze des Margenrankings setzen – gefolgt von BMW (10,5%), Toyota (9,9%) und Daimler (9,2%).

Mehrzahl der Autokonzerne mit steigendem Börsenwert

Trotz des Umsatz- und Absatzrückgangs konnte die Mehrheit der Unternehmen ihren Börsenwert im Verlauf dieses Jahres steigern: In Summe kletterte die Marktkapitalisierung der 16 untersuchten Unternehmen seit Jahresbeginn um 41% auf 2 Billionen USD – wovon 1 Billion USD auf Tesla entfallen. Am stärksten stieg der Börsenwert von Ford, Mitsubishi und General Motors. Nur zwei Konzerne – Suzuki und Renault – verzeichneten einen gesunkenen Börsenwert.

Sehr gute Preisdurchsetzung bei den Top-Autokonzernen

Laut der Studienautoren haben die Top-Autokonzerne die Halbleiterkrise bislang insgesamt bemerkenswert gut überstanden – der Absatz ist zwar bei fast allen Unternehmen rückläufig, die Gewinnsituation ist hingegen teils hervorragend. Die knappen Mikrochips werden prioritär in hochpreisige und margenstarke Fahrzeuge eingebaut, zudem ist die Nachfrage deutlich größer als das Angebot – mit Rabatten müssen die Hersteller ihre Fahrzeuge derzeit also eher nicht an den Mann bringen. Eine derartig gute Preisdurchsetzung hat die Branche der Analyse zufolge schon sehr lange nicht erlebt. Selbst wenn sich die Halbleiterkrise im Lauf des kommenden Jahres entschärft, dürften die Preise noch eine Weile oben bleiben.

Keine Feierstimmung trotz guter Gewinnentwicklung

Trotz der bei vielen Unternehmen guten Gewinnentwicklung – Feierstimmung kommt in der Branche nicht auf, erklären die Studienautoren. Im Gegenteil: Selbst Unternehmen, die bislang noch ausreichend Chips zur Verfügung hatten, dürften die Materialknappheit und Preissteigerungen zunehmend zu spüren bekommen. Zudem stelle die aktuelle Situation die Zulieferer vor enorme, teils existenzielle Schwierigkeiten – und letztlich sitzen Hersteller und Zulieferer im selben Boot, denn die Hersteller seien auf solvente Zulieferunternehmen angewiesen. Zudem warnen die Autoren der Studie, dass es durchaus möglich sei, dass im vierten Quartal noch stärkere Auswirkungen der aktuellen Lieferengpässe auftreten könnten. Die stark steigenden Infektionszahlen in einigen Ländern und harte Gegenmaßnahmen könnten erneut zu größeren Verwerfungen, weiteren Produktionsausfällen und Logistikstörungen führen.

Starker Absatzrückgang in China

Alle wichtigen Märkte lagen im dritten Quartal deutlich im Minus – besonders deutlich abwärts ging es auf dem gerade für die deutschen Autobauer so wichtigen chinesischen Absatzmarkt: Insgesamt schrumpfte der China-Absatz der analysierten Unternehmen um 26%, die deutschen Konzerne verzeichneten dort in Summe sogar ein Minus von 31%. In China ist die Lage derzeit sehr schwierig, hier sehen die Studienautoren derzeit besonders deutliche Auswirkungen der Chipkrise. Der Anteil Chinas am gesamten Pkw-Absatz der deutschen Autobauer schrumpfte erstmals seit 2015: von 39,4 auf 38,2%.

Autobranche muss aus aktueller Krise lernen

Die Autokonzerne können derzeit nur noch bedingt auf die Materialknappheit reagieren – langfristige Verträge und unterschiedliche Bevorratungsstrategien lassen wenig kurzfristigen Handlungsspielraum. Jetzt sollten die Unternehmen mit Hochdruck daran arbeiten, ihren Produktionsverbund und ihre Lieferketten krisenfest zu machen, raten die Studienautoren. Und es sei wichtig, dass die Branche aus der aktuellen Krise lerne. Zukünftig sollte es weniger darum gehen, das letzte Quäntchen an Kostenoptimierung herauszuholen. Stattdessen stehen verlässliche und langfristige Partnerschaften mit Lieferanten, eine langfristige Planung und eine faire Verteilung der Wertschöpfung im Vordergrund – die aktuellen Turbulenzen auf den Weltmärkten könnten dafür als Katalysator fungieren, so ein Ergebnis der Studie.

Neue Angreifer formieren sich

Der Elektroautobauer Tesla belegt zwar im Ranking der umsatzstärksten Autokonzerne (Stand 15.11.2021) nur Rang zwölf, liegt aber mit einer Marktkapitalisierung von 1 Billion USD mit großem Abstand an der Spitze der Rangliste der höchstbewerteten Automobilunternehmen. In dieser Liste spielen auch andere junge Unternehmen eine immer größere Rolle: So belegt der Elektroautohersteller Rivian, der erst im November die Produktion der ersten Serienfahrzeuge startete, mit einem Börsenwert von 130 Mrd. USD den vierten Rang – knapp hinter Volkswagen und vor Daimler und General Motors. Auch andere Angreifer aus dem Elektrosegment kommen auf beachtliche Börsenwerte, ohne bislang nennenswerte Umsätze erwirtschaftet zu haben: Der US-amerikanische Hersteller Lucis liegt mit einer Marktkapitalisierung von 74 Mrd. USD unter anderem vor BMW (69 Mrd. USD), der chinesische Elektroautohersteller NIO liegt mit 66 Mrd. USD nur knapp hinter dem bayerischen Autokonzern.

Junge kapitalstarke Angreifer machen den etablierten Konzernen das Leben schwer

Laut der Analyse befindet sich die Automobilindustrie mitten in einem Umbruch, in dem Investoren den jungen, mit viel Kapital ausgestatteten Angreifern zutrauen, den etablierten Konzernen das Leben schwer zu machen und sich im stark wachsenden Elektrosegment ein großes Stück des Kuchens zu sichern. Für die etablierten Hersteller stellen diese Unternehmen, die mit unkonventionellen Produktionsmethoden, modernen Fertigungsstätten und der Konzentration auf nur eine Antriebstechnologie punkten können, eine echte Herausforderung dar, so das Fazit der Studienautoren.

(Pressemitteilung EY vom 29.11.2021)


Redaktion

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