• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Banken brechen bei Firmenkunden die Gewinne weg

01.01.1970

Banken brechen bei Firmenkunden die Gewinne weg

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

Trotz der Corona-Krise ist die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland in den vergangenen Monaten rückläufig gewesen. Doch die Banken stellen sich auf härtere Zeiten ein. Allein wegen der aktuell ausgesetzten Insolvenzantragspflicht ist noch nicht absehbar, wann und in welchen Sektoren Unternehmen verstärkt zahlungsunfähig sein werden. Deshalb erhöhten die Institute hierzulande ihre Kreditrisikovorsorge für Firmenkunden im ersten Halbjahr 2020 drastisch – ähnlich wie 2008 und 2009 während der globalen Finanzkrise.

Trotz der Corona-Krise ist die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland in den vergangenen Monaten rückläufig gewesen. Doch die Banken stellen sich auf härtere Zeiten ein. Allein wegen der aktuell ausgesetzten Insolvenzantragspflicht ist noch nicht absehbar, wann und in welchen Sektoren Unternehmen verstärkt zahlungsunfähig sein werden. Deshalb erhöhten die Institute hierzulande ihre Kreditrisikovorsorge für Firmenkunden im ersten Halbjahr 2020 drastisch – ähnlich wie 2008 und 2009 während der globalen Finanzkrise. In der Folge hat der aktuelle Corporate-Banking-Index der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company in der Dimension Profitabilität einen neuen Tiefststand erreicht. Die Erträge sind dagegen stabil geblieben.

„Das Kreditgeschäft ist für die Banken momentan Fluch und Segen zugleich“, betont Bain-Partner Dr. Christian Graf. „Zum einen profitieren die Geldhäuser von der dynamisch wachsenden Kreditnachfrage seitens der Firmenkunden. Doch zum anderen laufen sie Gefahr, dass Unternehmen bedingt durch die Corona-Krise ihre Kredite nicht fristgerecht bedienen können.“

Kreditmarge erholt sich

Die seit Jahren äußerst niedrigen Zinsen führen dazu, dass das Volumen an Krediten, die an Firmenkunden vergeben werden, immer mehr wächst. Mit knapp 1,3 Billionen Euro erreichte es im ersten Halbjahr 2020 erneut einen Höchststand. Nach langem Sinkflug zeigte sich zuletzt auch die Kreditmarge wieder erholt. Nutznießer dieser positiven Trends sind allerdings nicht alle Institutsgruppen. Während Sparkassen und private Banken ihre Marktanteile mittelfristig werden ausbauen können, verlieren die Landesbanken an Gewicht.

Auch agieren Banken unterschiedlich, selbst wenn sie derselben Institutsgruppe angehören. So erhöhen Geldhäuser, die über ein breites Produktspektrum verfügen, die Kreditvergabe selbst noch in der Corona-Krise. Andere wiederum halten sich in Rezessionen zurück oder müssen dies auf Druck ihres Risikomanagements tun. Stefanie Jacobsen, Associate Partner bei Bain und Bankenexpertin, stellt fest: „Je konsequenter sich Kreditinstitute in der Vergangenheit auf ein Krisenszenario vorbereitet haben, desto vielfältiger sind jetzt ihre Handlungsoptionen.“

Bei Digitalisierung ist noch Luft nach oben

Gut aufgestellte Banken haben in der Regel ihre Kostenstruktur bereits optimiert. Branchenweit indes gibt es hier zum Teil noch erhebliche Defizite. Die Verwaltungsaufwendungen nahmen in den vergangenen Jahren sogar zu. „Die bisherigen Kosten- und Effizienzprogramme entfalten entweder noch nicht ihre vollumfängliche Wirkung oder reichen nicht weit genug“, erklärt Bain-Partner Graf. „Ist Letzteres der Fall, müssen die betroffenen Kreditinstitute dringend nachlegen.“

Hinzu kommt, dass die Kosten für Regulatorik und Digitalisierung weiter steigen werden. „Die Erwartungen der Kunden an die Digitalisierung werden immer größer, ganz gleich, in welcher Branche sie tätig sind. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch einmal beschleunigt“, so Jacobsen. „Zahlreiche Kreditinstitute haben zwar ihre Bemühungen zur Digitalisierung von Abschlussstrecken in den letzten Monaten deutlich forciert, Nachholbedarf besteht aber nach wie vor.“

Handlungsdruck nimmt zu

Wie prekär die Situation mancherorts ist, unterstreicht die Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität im Firmenkundengeschäft. Diese sank im ersten Halbjahr 2020 auf minus 2 Prozent – selbst in der globalen Finanzkrise war sie nicht unter minus 1 Prozent gefallen. „Dieser Rückgang ist allerdings nicht allein auf die Corona-Krise zurückzuführen“, weiß Branchenexperte Graf. „Schon 2019 hat die Eigenkapitalrentabilität im Corporate-Banking unter den Eigenkapitalkosten gelegen. Nun zeigen sich die bestehenden Schwächen in ihrem ganzen Ausmaß, was den Handlungsdruck noch einmal erhöht.“

Vor diesem Hintergrund sollten Banken in Deutschland vorrangig an zwei Stellen ansetzen. In puncto Kostensenkung und Steigerung der Kapitaleffizienz gilt es weiter voranzukommen. Zugleich müssen die Institute in ausgewählte Kundenbeziehungen investieren und so ihre Abhängigkeit vom Kreditgeschäft reduzieren. Trotz des Ausbaus des Provisionsgeschäfts in jüngster Zeit machen die Zinsüberschüsse hierzulande noch 70 Prozent der Erträge im Corporate-Banking aus – ein im internationalen Vergleich hoher Wert. Für Graf steht fest: „Je stärker sich Banken vom reinen Kreditgeber hin zum Berater von Unternehmen wandeln, desto höher ist ihr Provisionsanteil – und desto stabiler ist damit ihr Geschäftsmodell.

(Pressemittelung Bain & Company vom 15.02.2021)


Redaktion

Weitere Meldungen


IPO
Meldung

© moomsabuy/fotolia.com

08.12.2022

Markt für Börsengänge 2022 eingebrochen – Belebung im Jahresverlauf 2023 erwartet

In Deutschland sind im Jahr 2022 so wenige Unternehmen an die Börse gegangen wie zuletzt während der Finanzkrise 2009. Der Börsengang der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG war der einzige im Prime Standard. 2021 waren es noch zwölf Börsengänge, von denen drei ein Emissionsvolumen in Milliardenhöhe erzielten. Dennoch stieg das Gesamtemissionsvolumen um 6% auf rund 9,1 Mrd. € (2021: 8,6 Mrd. €). Nach dem Börsengang der Deutschen Telekom war der Porsche-IPO der größte Börsengang, der jemals in Deutschland durchgeführt wurde.

Markt für Börsengänge 2022 eingebrochen – Belebung im Jahresverlauf 2023 erwartet
©stockwerkfotodesign/123rf.com
Meldung

©stockwerkfotodesign/123rf.com

08.12.2022

Biodiversität rückt auf die Agenda des Finanzsektors

Das weltweite Artensterben und die Zerstörung von Ökosystemen kann sich zunehmend auch zum finanziellen Risiko für deutsche Finanzunternehmen entwickeln. Zwar misst die Branche dem Schutz von Biodiversität und Ökosystemen eine hohe bis sehr hohe Relevanz zu, doch ist der Umsetzungsgrad für die Integration von Biodiversitätsaspekten in interne Prozesse und Risikostrategien bislang gering. Auch wird der Wissensstand zu dem Thema innerhalb der Branche von den Befragten als eher gering eingeschätzt. Bur ein Bruchteil der Befragten hat bereits Prozesse zum Risiko- und Chancenmanagement von Biodiversitätsaspekten implementiert.

Biodiversität rückt auf die Agenda des Finanzsektors
KI, Künstliche Intelligenz, Roboter, Zukunft, Industrie 4.0
Meldung

©Alexander Limbach/fotolia.com

07.12.2022

Einsatz von künstlicher Intelligenz in Unternehmen in Deutschland noch halbherzig

Weltweit wächst der Markt für Anwendungen Künstlicher Intelligenz rasant, und doch räumen Unternehmen in Deutschland der Bedeutung des Themas für ihre wirtschaftliche Zukunftsrelevanz noch nicht den Stellenwert ein, der in anderen Ländern vorherrscht. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „State of AI in the Enterprise“, die untersucht, wie Unternehmen sich einen Weg in eine Zukunft voller unerschlossener Wertquellen bahnen.

Einsatz von künstlicher Intelligenz in Unternehmen in Deutschland noch halbherzig
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank