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22.04.2022

Banken suchen nach neuen Ertragsquellen: Kredite sollen teurer werden, Bankgebühren steigen

Kredite für Firmenkunden und Häuslebauer dürften in den kommenden Monaten teurer werden: 52 Prozent der Banken in Deutschland gehen davon aus, in diesem Jahr die Konditionen bei Firmenkrediten nach oben anpassen zu können, bei Immobilienkrediten sollen die Zinsen sogar nach Meinung von 57 Prozent der Bankmanager steigen. Kaum ein Bankmanager rechnet hingegen mit sinkenden Zinskosten für die Kunden.

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Kredite für Firmenkunden und Häuslebauer dürften in den kommenden Monaten teurer werden: 52 Prozent der Banken in Deutschland gehen davon aus, in diesem Jahr die Konditionen bei Firmenkrediten nach oben anpassen zu können, bei Immobilienkrediten sollen die Zinsen sogar nach Meinung von 57 Prozent der Bankmanager steigen. Kaum ein Bankmanager rechnet hingegen mit sinkenden Zinskosten für die Kunden.

Zudem soll die Vergabe von Krediten an Unternehmen insgesamt restriktiver gehandhabt werden: 30 Prozent der Bankmanager erwarten eine restriktivere Kreditvergabe, nur sechs Prozent sehen eine gegenteilige Entwicklung. Dennoch bleiben die Aussichten im Geschäft mit Firmenkunden gut: 86 Prozent der Bankmanager bezeichnen die Geschäftsperspektiven in diesem Segment als gut oder eher gut.

Die Welle von Gebührenerhöhungen für Privatkunden wird wohl nicht abebben: 15 Prozent der Institute haben in diesem Jahr bereits Gebühren für Girokonten erhöht, weitere 34 Prozent planen dies derzeit. Überweisungen sind bereits bei 12 Prozent der Banken teurer geworden, bei 28 Prozent steht dieser Schritt noch bevor. Die Gebühren für Abhebungen sind ebenfalls bei 12 Prozent der Banken gestiegen, 21 Prozent planen Gebührenerhöhungen für diese Dienstleistung.

Das sind Ergebnisse des aktuellen „Bankenbarometers“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden Befragung von 120 Finanzinstituten in Deutschland befragt, davon 109 Banken und elf FinTechs.

„Die Institute in Deutschland mussten in den vergangenen Jahren lernen, sich in einem Niedrigzinsumfeld zurechtzufinden und mit deutlich geringeren Zinseinnahmen auszukommen als in früheren Zeiten“, beobachtet Thomas Griess, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY. „Gleichzeitig zieht die Regulierung an. Unterm Strich wurde es damit immer schwieriger, profitabel zu wirtschaften. Also denken die Banken weiter intensiv über neue Ertragsquellen nach.“

Während höhere Gebühren und steigende Zinsen zusätzliche Einnahmen generieren sollen, versuchen die Banken weiter, bei Verwaltungskosten den Rotstift anzusetzen. Dabei wird vor allem das Filialnetz ins Visier genommen. 80 Prozent der befragten Bankmanager rechnen damit, dass die Zahl der Bankfilialen in Deutschland bis 2025 um mindestens 20 Prozent sinken wird.

„Corona hat das Filialsterben nochmal beschleunigt“, sagt Robert Melnyk, Leiter des Bereiches Banken und Kapitalmärkte bei EY. „Die Digitalisierung hat infolge der Pandemie auch im Retailbanking einen großen Sprung gemacht, die Transformation wurde deutlich vorangetrieben. Entsprechend stehen inzwischen bei vielen Banken erhebliche Teile des Filialnetzes auf dem Prüfstand.“ Die Befragungsergebnisse zeigen, dass bei 25 Prozent der befragten Banken coronabedingt Filialen geschlossen werden sollen. „Eine Lehre aus der Pandemie ist: Es geht auch digital. Die Kunden sind immer mehr bereit, ihre Bankgeschäfte online zu tätigen.“

Gehälter sollen wieder steigen

Kostensenkungen stehen bei den deutschen Banken nach wie vor weit oben auf der Agenda: Für 58 Prozent der Institute haben entsprechende Maßnahmen derzeit eine große Bedeutung. Und auch der Personalabbau soll vorerst tendenziell weitergehen: Bei 29 Prozent der befragten Banken wird mir einem Rückgang der Beschäftigtenzahl in den kommenden sechs Monaten gerechnet – dem stehen 25 Prozent mit einer steigenden Anzahl an Beschäftigten gegenüber. „Es gibt keinen generellen Stellenabbau mehr in der Bankenbranche“, konstatiert Griess. Während einige Institute noch stark mit Restrukturierungsmaßnahmen beschäftigt seien, gingen andere in die Offensive und bauten sogar Stellen auf.

Neue Stellen entstehen derzeit allerdings wohl in erster Linie in Zentralbereichen wie dem Risikomanagement oder der IT-Abteilung – in diesen Unternehmensbereichen werden nach Ansicht von 55 Prozent der Befragten auch künftig neue Stellen geschaffen. „Für Banken ist die Einhaltung der immer umfangreicheren aufsichtsrechtlichen Vorgaben und der Schutz der IT-Infrastruktur überlebenswichtig – demensprechend wird hier nicht gespart“, sagt Griess. Bei der direkten Kundenbetreuung regiert hingegen nach wie vor der Rotstift: 41 Prozent der Befragten erwarten Stellenkürzungen im sogenannten „Front Office“ – nur 18 Prozent der Bankmanager rechnen in diesem Bereich mit Neueinstellungen.

Insgesamt dürften die Gehälter von Bankmitarbeitenden in den kommenden Monaten steigen: Gut jeder dritte Bankmanager (34 Prozent) rechnet in Bezug auf das eigene Institut mit einer steigenden Gesamtvergütung, nur sieben Prozent gehen vom Gegenteil aus. „Offenbar sehen immer mehr deutsche Banken Erfolge beim Erschließen neuer Ertragsquellen, und sie haben trotz des anhaltenden Niedrigzinsumfelds positive Ergebnisse mit bisherigen Sparmaßnahmen erzielt“, sagt Melnyk. „Da werden auch wieder Gehaltssteigerungen möglich – nicht mit der Gießkanne, aber punktuell in den Bereichen, wo der Bedarf besonders groß ist. Denn auch die Bankenbranche bleibt vom Fachkräftemangel nicht verschont – wer motivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit besonders gesuchten Qualifikationen haben und halten will, muss derzeit tief in die Tasche greifen.“

Banken entdecken Nachhaltigkeit als strategischen Wettbewerbsvorteil

Einer der Bereiche, in denen die Banken mehr Expertise benötigen und voraussichtlich verstärkt investieren, ist ESG – also die Berücksichtigung von Kriterien aus den Bereich Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance).

„Die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien spielt in der Finanzbranche eine stetig wachsende Rolle“, beobachtet Melnyk. „Die Einführung einer Taxonomie durch die Europäische Union und die damit verbundene Klarstellung, welche Aktivitäten als nachhaltig gelten, aber auch der wachsende Druck von Regulierungsbehörden stellen die Banken vor die Aufgabe, nachvollziehbare und nachprüfbare Angaben zu ESG-Themen auch in Bezug auf das eigene Kreditportfolio zu machen.“

Es setze sich die Erkenntnis durch, dass Banken einen wesentlichen Beitrag zum Strukturwandel in der Realwirtschaft und zur Erreichung der Pariser Klimaziele leisten können, allerdings fehlt es derzeit vielfach noch an einer praxisnahen Ausgestaltung der Regulatorik, an einheitlichen ESG-Standards und transparenten Kennzahlen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Greenwashing-Vorwürfe gegenüber der Finanzbranche. 84 Prozent der befragten Bankmanager bezeichnen strenge regulatorische Auflagen durch Aufsichtsbehörden als große Herausforderung für das eigene Unternehmen. Und 82 Prozent berichten von Problemen mit fehlenden Daten und Erfahrungswerten hinsichtlich möglicher Risiken und Kosten im Zusammenhang mit der Verankerung von ESG in der eigenen Bank. „Für Banken besteht derzeit die große Herausforderung darin, einerseits den Erwartungen der Aufsichtsbehörden, der Kunden, Investoren und anderer Stakeholder gerecht zu werden und einen klaren Kurs beim Thema ESG zu fahren. Andererseits fehlen derzeit noch weitgehend etablierte Standards, an denen die Institute sich orientieren können“, beschreibt Griess das Dilemma, mit dem sich Banken konfrontiert sehen.

Immerhin: An Aufmerksamkeit in den Chefetagen mangelt es inzwischen nicht mehr: Bei 74 Prozent der Institute liegt die Zuständigkeit für ESG auf Vorstandsebene. Und die Branche ist sich einig, dass ESG dauerhaft ein bedeutendes Thema für die Branche sein wird: Immerhin 48 Prozent der befragten Bankmanager sind der Meinung, dass ESG den Finanzmarkt grundlegend und dauerhaft verändern wird.

„Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, dass die Banken ESG mit ihrer Strategie in Einklang bringen – nur dann können sie dauerhaft profitabel sein und gleichzeitig den steigenden Anforderungen, die von außen an sie gerichtet werden, gerecht werden“, sagt Melnyk.

Risikomanagement und Cybersicherheit sind weitere Top-Themen

Die Bankenbranche sieht sich derzeit mit einer Vielzahl von Risiken konfrontiert, von denen Cyberangriffe offenbar als ganz besonders gefährlich eingeschätzt werden. 65 Prozent der Bankmanager sagen, dass Cyberrisiken eine große Bedeutung für ihr Institut haben. Noch relevanter sind aus Sicht der Branche nur die Mindestanforderungen an das Risikomanagement, abgekürzt MaRisk. Dieses Thema spielt bei 83 Prozent der Banken derzeit eine große Rolle.

Für Banken gehören Cyberangriffe und andere Sicherheitsvorfälle im IT-Umfeld inzwischen zum Alltag, beobachtet Melnyk. „Die Anzahl und die Komplexität von Cyberangriffen auf Banken steigen seit Jahren – gerade in geopolitisch schwierigen Zeiten ist die Finanzbranche ein beliebtes Ziel. Umso wichtiger ist es, dass Banken sich als Teil der kritischen Infrastruktur begreifen und sich bestmöglich vorbereiten und ihre Daten und ihre IT-Infrastruktur gegen Attacken absichern.“

(Pressemitteilung EY vom 11.04.2022)


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