• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Biotechnologie in Deutschland: Entwicklung dynamisch, Finanzierung schwierig

29.04.2020

Biotechnologie in Deutschland: Entwicklung dynamisch, Finanzierung schwierig

Beitrag mit Bild

© Sondem / fotolia.com

Die Biotechnologie-Branche in Deutschland hat sich 2019 deutlich dynamischer entwickelt als in den Vorjahren. Fast in allen Bereichen erreichten die Unternehmen zweistellige Wachstumsraten: Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 4,87 Milliarden Euro, die Zahl der Beschäftigten um 16 Prozent auf 33.706 Beschäftigte und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sogar um 21 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro.

Getragen wurde die Entwicklung vor allem durch die börsennotierten Unternehmen, die den Umsatz um 18 Prozent, die Zahl der Beschäftigten um 26 Prozent und die F&E-Ausgaben um 58 Prozent steigerten. Bei den Zahlen macht sich allerdings auch bemerkbar, dass BioNTech seit vergangenem Jahr an der Börse gelistet ist – und zusammen mit Qiagen und Evotec allein für 40 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich ist.

Das sind Ergebnisse des Deutschen Biotechnologie-Reports 2020 der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY in Kooperation mit dem Branchenverband BIO Deutschland.

Der Studienautor und Leiter des deutschen Life Science Centers von EY, Dr. Siegfried Bialojan, kommentiert die Zahlen: „Insbesondere die enorme Steigerung der F&E-Ausgaben ist ein gutes Zeichen. Denn in der Vergangenheit ist es der deutschen Biotechnologie-Branche zu selten gelungen, die vorhandenen Pferdestärken auf die Straße zu bringen. Sprich: Innovative Ideen in konkrete Anwendungen umzusetzen. Gerade die aktuelle SARS-CoV-2-Pandemie zeigt, wie wichtig es ist, vielversprechende Ansätze effizient und schnellstmöglich zum Patienten zu bringen.“

Der Präsident des Branchenverbandes BIO Deutschland e.V., Oliver Schacht, hofft auf eine weitere Bestätigung des Positivtrends in den kommenden Jahren: „Um das volle Potenzial der Biotechnologie wirklich zu heben, brauchen wir ein nachhaltiges, gesundes und innovatives Wachstum der deutschen Biotechnologiebranche. Das heißt aber auch, dass wir verbesserte Rahmenbedingungen für die Finanzierung über Eigenkapital und insbesondere Venture Capital benötigen, sowie insgesamt ein funktionierendes Ökosystem für nachhaltigere Unternehmensfinanzierung.“

Finanzierung erreicht zweithöchsten Wert aller Zeiten – 61 Prozent allein für BioNTech

Nach dem Rekordjahr 2018 erreichte die Finanzierung den zweithöchsten Wert aller Zeiten. So konnten die deutschen Biotechs nach dem starken Jahr 2018 erneut deutlich mehr Risikokapital einwerben: Das Gesamtvolumen stieg um knapp ein Viertel auf 479 Millionen Euro – allerdings machte davon allein die 290 Millionen-Euro-Finanzierung von BioNTech 61 Prozent aus. Im Gegensatz zum Vorjahr trugen 2019 zudem zwei Börsengänge im Gesamtwert von 191 Millionen Euro zum Finanzierungsvolumen bei – auch hier war BioNTech mit seinem 141 Millionen Euro schweren IPO maßgeblich für die Summe verantwortlich.

Bialojan: „Wieder einmal zeigt sich das alte Problem, dass Kapital vor allem einzelnen Leuchttürmen zu Gute kommt – nach Abzug der Ausnahmefinanzierungen bleibt für die Gesamtbranche nur ein eher bescheidener Betrag übrig. Die beiden Börsengänge fanden zudem in den USA statt und nicht in Deutschland. Nach wie vor fehlt hierzulande ein in der Breite funktionierendes Kapitalökosystem. Insbesondere in den USA können Biotech-Unternehmen mit einer höheren Visibilität auf mehr Risikokapital und bessere Börsenverläufe hoffen.“

Professionelle Translation soll Risiken reduzieren und Finanzierung verbessern

Um die Finanzierungssituation in Deutschland zu verbessern, spricht sich Bialojan neben den seit langem geforderten verbesserten Rahmenbedingungen zur Eigenkapitalmobilisierung auch für eine professionellere Translation aus: „Die professionell begleitete Umsetzung von Ideen aus der Forschung in marktfähige Produkte kann die Risiken des Scheiterns reduzieren und damit gleichzeitig die Chancen auf Finanzierung erhöhen. Die Entwicklung von Wirkstoffen und Therapien ist teuer und langwierig. Umso wichtiger ist es, schon in der Frühphase unternehmerisch zu denken. Helfen können hierbei beispielsweise Inkubatoren oder Plattformen, die Forschungsabteilungen mit potenziellen Geldgebern in Verbindung bringen. Gelingt es so, das unternehmerische Risiko zu minimieren, könnte dies einen weiteren wichtigen Nebeneffekt bewirken: einen Anstieg der eher verhaltenen Gründungsdynamik in der Branche.“

Globale Allianzen mit Dominanz deutscher Biotech-Innovationen

Bei den Fusionen und Übernahmen spielten deutsche Biotechs 2019 eher eine Nebenrolle. Zwar stieg – vor allem dank sechs Mega-Deals, die zusammen 147 Milliarden US-Dollar ausmachten – das M&A-Gesamtvolumen im Biotech-Sektor in Europa und den USA um 28 Prozent auf 189 Milliarden US-Dollar. Allerdings taucht in der M&A-Statistik (Deals ab 100 Millionen US-Dollar) nur ein einziges deutsches Biotech-Unternehmen auf: Breath Therapeutics aus München wurde für knapp 500 Millionen Euro vom italienischen Konzern Zambon übernommen.

„Während das M&A-Geschehen US-dominiert bleibt“, so Bialojan, „sind europäische und gerade auch deutsche Biotechs aufgrund ihrer starken Ausrichtung auf innovative Technologieplattformen weniger im Fokus als mögliche Übernahmekandidaten. Stattdessen nehmen vor allem deutsche Biotech-Unternehmen wie Immatics, CureVac, Medigene und Evotec herausragende Positionen bei den internationalen Allianzen ein. Dies untermauert ihre globale Sichtbarkeit und die Attraktivität ihrer Plattformen.“

Die aktuelle Corona-Krise könnte die Internationalisierung der heimischen Biotechnologie weiter begünstigen: „Viele deutsche Biotech-Unternehmen arbeiten derzeit mit Hochdruck an Diagnostika, Impfstoffen und Therapien gegen das neuartige Corona-Virus. Sollte einem deutschen Unternehmen tatsächlich der Durchbruch gelingen, wird dies sicherlich zu einer noch höheren internationalen Visibilität führen – und könnte der Branche zu einem weiteren Wachstumsschub verhelfen“, ergänzt Oliver Schacht von BIO Deutschland.

(Pressemitteilung EY vom 27.04.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

thodonal/123rf.com

13.02.2025

DIHK-Konjunkturumfrage: 2025 droht drittes Krisenjahr in Folge

Nach zwei Jahren Rezession droht der deutschen Wirtschaft auch 2025 ein Krisenjahr. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor, an der sich rund 23.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen in Deutschland beteiligt haben. Für das Gesamtjahr rechnet die DIHK aufgrund der Ergebnisse damit, dass das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 %

DIHK-Konjunkturumfrage: 2025 droht drittes Krisenjahr in Folge
Meldung

©tstockwerkfotodesign/de.123rf.com

12.02.2025

ESG Trends 2025: CO2-Preis als transitorisches Risiko

Höhere CO2-Preise und strenge Regulierungen treiben die Transformation. „Unternehmen müssen mehr denn je in energieeffiziente Technologien investieren, um Emissionen und damit auch Kosten zu reduzieren“, sagt Sabrina Kremer, Analystin des LBBW Research. Zudem erweitere sich ab 2025 der Kreis der Unternehmen, die von der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) betroffen seien. Damit steigen laut Kremer

ESG Trends 2025: CO2-Preis als transitorisches Risiko
Meldung

© tashatuvango/fotolia.com

11.02.2025

Stimmung von Wagniskapitalgebern erhält Dämpfer

Nachdem das Stimmungstief auf dem deutschen Venture-Capital-Markt weitestgehend überwunden schien, hat das Geschäftsklima im vierten Quartal 2024 wieder einen Dämpfer erhalten. Der Geschäftsklimaindikator für den Markt für Wagniskapital (Venture Capital) verlor 3,7 Zähler auf nun minus 4,1 Punkte – wobei die Nulllinie den langjährigen Durchschnitt markiert. Die Venture-Capital-Investoren beurteilten vor allem die aktuelle Geschäftslage deutlich

Stimmung von Wagniskapitalgebern erhält Dämpfer

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank