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08.08.2022

CHRO-Studie: Die Rolle der Personalchefs hat in der Pandemie an Bedeutung gewonnen

Autokonzerne auf der Überholspur

© Robert Kneschke/fotolia.com

Die Funktion der obersten Personalverantwortlichen in den großen börsennotierten Konzernen hat über die vergangenen Jahrzehnte viele Aufs und Abs erlebt. Ursprünglich in den deutschen Aktiengesellschaften auch in der Rolle als Arbeitsdirektor regelmäßig im Vorstand verankert, kämpften viele Human Ressource-Chefs (HR) über die Jahre um die Relevanz ihrer Ressorts in ihren Unternehmen. Auch durch die Pandemie ausgelöst gibt es derzeit in vielen Unternehmen eine Aufwertung der Personalverantwortlichen, beobachtet eine Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles. Die Studie "Profile und Karrieren deutscher Personalverantwortlicher" stellt fest, dass immer häufiger ein Dreierkonstrukt aus CEO, CFO und Personalchef gemeinsam strategisch wichtige Entscheidungen trifft.

Vor diesem Hintergrund hat die Studie „Profile und Karrieren deutscher Personalverantwortlicher“ deren Lebensläufe genauer unter die Lupe genommen. 85 CVs der obersten Personalverantwortlichen aus DAX40 und MDAX wurden einbezogen und durch Intensivinterviews mit mehreren CHROs ergänzt.

In einer wachsenden Anzahl von Konzernen habe sich ein modernes Verständnis des Beitrages des Personalressorts zum Unternehmenserfolg etabliert und trägt in vielen Firmen höchst spannende Früchte. Talent Management, Nachfolgeregelungen für Top-Positionen, eine fundierte Führungskräfteentwicklung, der Aufbau einer starken Marke auf dem Arbeitsmarkt, DE&I-Initiativen, die Unterstützung von Transformationsprozessen – das Tätigkeitsfeld zukunftsorientierter Personalchefs kann breit, anspruchsvoll und von großer Bedeutung sein.

Während der Pandemie gewannen viele HR-Verantwortliche zudem an Profil. Ihre Ressorts organisierten neue Arbeitsformen – Stichwort Homeoffice, virtuelles Arbeiten – und sicherten so die operative Handlungsfähigkeit ihrer Unternehmen. New Work, Fach- und Führungskräftemangel, mehr Diversität und Gendergerechtigkeit sowie der Kampf gerade um junge Talente, die nicht mehr automatisch zu den großen Konzernen drängen, sind nur einige der zentralen Zukunftsaufgaben moderner HR-Arbeit.

Frauen besetzen inzwischen die Mehrheit der CHRO-Positionen in DAX40 und MDAX

Bei CHROs liegt der Anteil der Frauen inzwischen bei über 50%, die Gender-Parität ist damit bei den obersten Personalverantwortlichen in den analysierten Börsensegmenten erreicht. Laut der Studienautoren ist dies ein großer Fortschritt, der auch symbolischen Charakter besitzt. Es gebe jedoch möglicherweise bei einzelnen Unternehmen die Gefahr, dass die Leitung des Personalressorts als „Feigenblatt“ der Diversität missbraucht werde.

Der hohe Frauenanteil unter den CHROs kommt auch zustande, weil weibliche Besetzungen gerade in jüngerer Zeit an Dynamik gewonnen haben. Von den 28 Berufungen in den vergangenen zwei Jahren (Stichtag Oktober 2021) erfolgten 18 mit Frauen. Allein die sieben CHRO-Besetzungen im DAX40 im Jahr 2021 erfolgten ausschließlich mit Managerinnen. Frauen besetzen inzwischen die Mehrheit der CHRO-Positionen in DAX40 und MDAX

Die Lebensläufe der obersten Personalverantwortlichen werden zunehmend komplexer und internationaler

Nicht-Deutsche sind mit 13% in der CHRO-Position unterrepräsentiert, wobei vor allem der MDAX mit lediglich 7% Ausländeranteil sehr „deutsch“ besetzt ist. Laut der Analyse könnte dies ein Erbe der Vergangenheit sein, als sich das Personalressort in höherem Maße als Verwaltungsaufgabe oft auch über arbeitsrechtliche Fragestellungen definiert hat.

Knapp die Hälfte der obersten Personalverantwortlichen gehen ihrer Aufgabe im Rang eines Vorstands nach, beim DAX40 sind es immerhin 56%. „Reine“ Personalvorstände fand Heidrick & Struggles nur zu 16%. Die restlichen Personalvorstände betreuen oft weitere Funktionen, ohne dass sich klare Häufungen von Aufgaben ergeben würden. Die CHROs auf Bereichsleiterebene berichten zum weitaus größten Teil an den CEO, in Ausnahmefällen an den CFO.

Überdurchschnittlich viele Neubesetzungen in jüngerer Zeit

In den vergangenen Jahren erlebte die Neubesetzung der obersten Personalposition eine große Dynamik. 36% der Personalchefs war zum Stichtag dieser Analyse erst zwei Jahre oder kürzer im Amt. HR-Chefs, die mehr als fünf Jahre diese Rolle bekleiden, sind heute eine seltene Ausnahme.

Im Vergleich zu anderen Top-Positionen im Management finden sich unter Personalchefs tendenziell mehr Psychologen, Sozialwissenschaftler und Politologen sowie Absolventen „sonstiger“ Studien und Juristen. Knapp ein Drittel der obersten Personalverantwortlichen im DAX40 besitzen eine Promotion oder haben ein Doppelstudium absolviert, im MDAX sind es deutlich weniger.

CHROs haben im Laufe ihrer Karrieren erstaunlich viele Unternehmenswechsel vollzogen. Nur 12% arbeiten heute in der Firma, in der sie ihre berufliche Laufbahn einst starteten.

Die Komplexität der Karrieren der analysierten CHROs ist erheblich. 63% haben im Laufe ihres Berufslebens die Branche gewechselt, 38% haben neben HR eine weitere Funktion ausgeübt, 15% (beim DAX40 24%) blicken auf eine berufliche Station bei einer zumeist namhaften Consultingfirma zurück, 25% (beim DAX40 39%) erwarben Linienerfahrung, 35% haben Auslandserfahrung (beim DAX40 41%). Claudia Schneider erläutert: „Es gibt eine erhebliche Anzahl an CHROs mit Lebensläufen, die zahlreiche verschiedene Erfahrungsbereiche abdecken.“

Und auch jene Personalverantwortlichen, die in erster Linie im Personalressort tätig waren („Schornsteinkarrieren“), haben zu einem guten Teil zumindest einmal die Branche gewechselt sowie oft Auslandserfahrung gesammelt.

In mehreren Analysekategorien sieht Heidrick & Struggles ein erhebliches Gefälle zwischen DAX40 und MDAX: Anteil an Ausländern, Anteil der CHROs im Vorstandsrang, Anteil an Promotionen und Doppelstudien, Anteil mit zusätzlicher Funktionserfahrung, Anteil mit Consultingerfahrung, Anteil mit Linienerfahrung, Anteil mit Auslandserfahrung. Gerade im DAX40 wird die Mehrzahl der Personalressorts von HR-Verantwortlichen mit sehr hohem Kompetenzniveau geführt, deren Arbeitsschwerpunkt auf strategische Fragestellungen zielt, fassen die Studienautoren zusammen.

(Pressemitteilung Heidrick & Struggles vom 08.08.2022)


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