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12.03.2020

Coronavirus: Worauf existenzbedrohte Unternehmen jetzt achten müssen

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© Isleif Heidrikson/fotolia.com

Das Coronavirus droht weltweit der Wirtschaft massiven Schaden zuzufügen, auch in Deutschland. Die Aktienmärkte haben mit kräftigen Verlusten zu kämpfen, Wachstumserwartungen werden erheblich nach unten korrigiert. Für manche Unternehmen könnte die Krise existenzbedrohende Ausmaße annehmen.

Die Restrukturierungs- und Insolvenz-Experten Dr. Heiko Tschauner und Dr. Christian Herweg aus der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells geben eine Einschätzung der Lage und erläutern, worauf Firmen nun achten müssen.

Welche Auswirkungen hat die Verbreitung des Coronavirus für die deutsche Wirtschaft?

Laut der Experten treten die Folgen des Coronavirus am deutlichsten in der Industrie zu Tage. Immer häufiger komme es zu zeitweiligen Produktions- und Transportunterbrechungen, ganze Lieferketten und Logistikabläufe würden ins Stocken geraten. Deutschlands eigentliche Stärken, Handel und Export, würden durch gedrosselte Ausfuhren und globale Lieferengpässe massiv beeinträchtigt. Auch Verbraucher seien zunehmend verunsichert und würden ihr Kaufverhalten ändern. Die allgemeine Nachfrage nach Dienstleistungen sinke. Nach Einschätzung der Fachleute sind viele Unternehmen auf die drohenden wirtschaftlichen Einbußen nicht ausreichend vorbereitet und haben keine funktionierenden Krisenpläne zur Hand. Die könne in besonders stark betroffenen Branchen dazu führen, dass Finanzkennzahlen, die mit Kreditverträgen verbunden sind, nicht erreicht werden. Folge sei, dass solche Finanzierungen restrukturiert werden müssen oder es gar zur Kündigung von Krediten nebst Sicherheitenverwertung und Insolvenzen kommen könne. Die Restrukturierungs- und Insolvenz-Experten gehen davon aus, dass auch die Distressed M&A-Aktivität stark zunehmen wird.

Welche Branchen sehen Sie besonders gefährdet aufgrund der Verbreitung des Corona Virus und einer sich ggf. daraus entwickelnden Rezession?

Alle Bereiche, die auf Lieferketten angewiesen sind, spüren die wirtschaftlichen Folgen durch den Virus besonders, so die Meinung der Fachleute. Vor allem die Automobilindustrie und Life Sciences/Healthcare-Unternehmen, die fast ausschließlich in Asien produzieren, seien gefährdet und warnen schon jetzt vor massiven Gewinneinbrüchen. Auch der Tourismus und Luftverkehr, die Hotel- und Veranstaltungsbranche und – bei weiterer Ausbreitung des Virus – wohl auch der Einzelhandel müssten mit drastischen Einbußen rechnen. Aber auch Branchen, die zunächst nicht betroffen scheinen, wie zum Beispiel die Immobilienbranche oder die Finanzindustrie, sollten sich auf Konsequenzen einstellen. Es wachse die Gefahr einer Abwärtsspirale, die weite Kreise unserer Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen kann. So könne es sein, dass Mieter und Kreditnehmer in Zahlungsschwierigkeiten geraten und fällige Leistungen nicht mehr oder nicht mehr vollständig erbringen können.

Sehen Sie bereits erste Insolvenzen im Markt, die auf das Coronavirus zurückzuführen sind?

Die wirtschaftlichen Gefahren für Unternehmen sind nach Einschätzung der Experten greifbar, die ersten Unternehmen in Deutschland melden bereits Finanzierungs- und Liquiditätsschwierigkeiten. Vor allem die Tourismus- und Luftfahrtbranche werde durch den Ausbruch des Coronavirus immer stärker getroffen. Weil Kunden Reisen zunehmend meiden, mussten z.B. die britische Airline „Flybe“ und der japanische Kreuzfahrtanbieter „Luminous Cruise“ in der ersten Märzwoche Insolvenz anmelden, weitere Tourismus-, Reise- und Veranstaltungsunternehmen könnten folgen.

Gerade Firmen, deren Produktions- und Transportwege beeinträchtigt seien, würden hohe Verluste drohen, die kurz- bis mittelfristig zur Insolvenz führen könnten. Hier könne man mit frühzeitigen Restrukturierungsmaßnahmen gegebenenfalls gegensteuern.

Welche Maßnahmen können Unternehmen jetzt treffen, um sich abzusichern?

Unternehmen sollten ihre Geschäfte einer leistungs- und finanzwirtschaftlichen Prüfung unterziehen, um potenzielle Risiken frühzeitig ausfindig machen und wirtschaftliche Schwierigkeiten zu beheben, bevor es zu einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung kommt, raten die Restrukturierungs- und Insolvenz-Experten. Ganz konkret heiße dies, dass sie Verträge mit wichtigen Partnern, Abnehmern und Kunden genau analysieren und Business Continuity Agreements aufsetzen sollten, also Strategien entwickeln, die im Krisenfall den Fortbestand des Unternehmens sicherstellen könnten. Sofern möglich, sei es außerdem ratsam, Second Sources aufzubauen, also alternative Lieferquellen. Auch Absicherungen, wie z.B. verlängerte Eigentumsvorbehalte, Kreditausfallversicherung, sollten geprüft und mit Finanzierungspartnern frühzeitig besprochen werden.

Woran müssen Unternehmen jetzt unbedingt denken?

Die Restrukturierungs- und Insolvenz-Experten warnen, dass nicht nur das Corona-Virus, sondern auch die Disruption durch den technologischen Wandel den Unternehmen schwer zusetzen könnten. Hier gelte es, einen kühlen Kopf zu bewahren, die wirtschaftliche Entwicklung genau im Auge zu behalten und frühzeitig zu handeln. Laut der Fachleute empfiehlt es sich, im Rahmen einer „Insolvenz Compliance“ Lieferketten und Absicherungsmöglichkeiten gründlich zu prüfen, das Gespräch mit Kunden und Lieferanten zu suchen, einen Krisenplan aufzustellen und falls nötig Restrukturierungsmaßnahmen zu prüfen und einzuleiten. Auch Informationspflichten und sonstige Verpflichtungen unter Finanzierungsdokumenten sollten geprüft und wenn nötig, frühzeitig mit den Banken das Gespräch gesucht werden.

(Pressemitteilungen Hogan Lovells vom 09.03.2020)


Redaktion

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