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15.08.2022

DAX-Konzerne im zweiten Quartal mit Rekordumsatz aber Gewinnrückgang

Autokonzerne auf der Überholspur

© fotogestoeber/fotolia.com

Mit einem Umsatzwachstum von 13,7% haben die DAX-Konzerne das zweite Quartal 2022 erneut auf Rekordniveau abgeschlossen. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 kletterte der Umsatz sogar um 26%. Beim Gewinn konnte allerdings – anders als im ersten Quartal – kein neuer Höchstwert erreicht werden: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Gesamtgewinn aller DAX-Konzerne um 19,3% auf knapp 39,6 Mrd. € – immerhin der zweithöchste je in einem zweiten Quartal erzielte Wert. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der derzeit im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

Gewinnrückgang um fast ein Fünftel

Während die meisten Unternehmen beim Umsatz zulegen konnten – nur drei DAX-Konzerne verzeichneten niedrigere Umsätze als im Vorjahreszeitraum – war die Gewinnentwicklung bei der Mehrheit der Unternehmen rückläufig: 18 Unternehmen konnten ihren operativen Gewinn erhöhen, bei 22 Unternehmen ging der Gewinn hingegen zurück.

Operativer Cashflow deutlich zurückgegangen

Laut der Analyse war die Geschäftsentwicklung bei der Mehrzahl der Unternehmen auch im zweiten Quartal bemerkenswert gut – vor allem vor dem Hintergrund des extrem herausfordernden Umfelds. Allerdings mehren sich die Zeichen, dass die Rekordjagd für die deutschen Top-Konzerne bald vorüber ist: Immer mehr Unternehmen spüren die sehr hohen Energie- und Rohstoffpreise und die zunehmende Zurückhaltung der Verbraucher, stellen die Studienautoren fest. Zudem sei der operative Cashflow im zweiten Quartal in Summe deutlich – um 17% – zurückgegangen.

Unsichere Aussichten – Stimmung ist schlechter als die Lage

Zahlreiche DAX-Konzerne wiesen bei der Präsentation ihrer Quartalszahlen auf den enorm hohen Grad an Unsicherheit hin. Trotz der aktuell insgesamt guten Geschäftslage ist die Stimmung in den Chefetagen äußerst angespannt, erklären die Studienautoren. Es sei derzeit völlig unklar, wie sich die weltweite Konjunktur im Herbst und Winter entwickeln werde. Derzeit schwebe das Damoklesschwert einer schweren Gas-Krise über der deutschen und europäischen Wirtschaft. Eine mögliche weitere Drosselung der Gaszufuhr könnte in einigen Branchen zu einem Produktionsstillstand führen und Dominoeffekte in anderen Branchen auslösen.

Bislang gelingt es vielen Unternehmen, steigende Material-, Logistik und Energiepreise weiterzureichen, weshalb die Umsätze steigen. Zudem ist die Nachfrage in vielen Branchen trotz Inflation, Zinswende und zunehmender Rezessionssorgen bemerkenswert hoch geblieben. Das muss aber nicht so bleiben, warnen die Autoren der Studie. Wenn im Herbst und Winter stark steigende Energiekosten die Budgets der Konsumenten massiv belasten, könnte die Stimmung rasch umschlagen. Darauf müssten sich die Unternehmen vorbereiten.

Starkes Wachstum auf dem US-Markt – schwacher Euro gibt Rückenwind

Derzeit erzielen die deutschen Unternehmen vor allem in den Vereinigten Staaten hohe Wachstumsraten: In Nordamerika stiegen die Umsätze der Studie zufolge in Summe um 23%. Die Nachfrage hat sich in den Vereinigten Staaten zuletzt sehr stark entwickelt – trotz der auch dort nicht einfachen Rahmenbedingungen. Hinzu kommen allerdings auch Währungseffekte: Der Wertverlust des Euro lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung wachsen – wovon vor allem stark internationalisierte Unternehmen profitieren, die erhebliche Umsätze außerhalb des Euroraums erwirtschaften.

In Asien wurde ein Umsatzwachstum von 7% erzielt, in Europa lag das Wachstum hingegen nur bei 4%. Laut der Studienautoren ist der hohe Internationalisierungsgrad vieler Unternehmen nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs der deutschen Top-Konzerne. Weiterhin gelte, dass die deutschen Unternehmen von ihrer internationalen Aufstellung unter dem Strich enorm profitieren. Rückgänge in einzelnen Märkten könnten durch Wachstum in anderen Ländern kompensiert werden. Die zahlreichen geopolitischen Krisen erschweren zwar das Geschäftsmodell der stark internationalisierten deutschen Konzerne. Bis auf Weiteres aber bleiben die Märkte in Übersee die Wachstumsmotoren für Deutschlands Top-Konzerne, so die Prognose der Studienautoren.

Mercedes schiebt sich vor Volkswagen im Gewinnranking

Die gewinnstärksten Unternehmen waren im zweiten Quartal die Autokonzerne und der Versicherungskonzern Allianz. Dabei gab es an der Spitze des Gewinnrankings im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres eine Veränderung: Vor Volkswagen mit einem operativen Gewinn von 4,5 Mrd. € schob sich Mercedes mit 4,6 Mrd. €. Auf den Rängen drei und vier konnten sich im abgelaufenen Quartal Allianz (3,5 Mrd. €) und BMW (3,4 Mrd. €) platzieren.

Den in absoluten Zahlen stärksten Gewinnanstieg verzeichnete Bayer: Der Chemie- und Pharmakonzern erhöhte den operativen Gewinn um knapp 2,5 Mrd. €. Das prozentual stärkste Gewinnplus erzielte Brenntag mit einem Wachstum von 113%. Das stärkste Umsatzplus erwirtschaftete hingegen die beiden Energieversorger RWE und Eon mit 120 bzw. 59%.

Bei der Beschäftigung reichte es bei den DAX-Konzernen in Summe immerhin für ein Plus von 2,1% – das allerdings auch auf Zukäufe zurückzuführen ist. Acht Unternehmen meldeten eine niedrigere Beschäftigtenzahl als im Vorjahr.

Die Beschäftigung steigt zwar immer noch, aber wir werden vermutlich im weiteren Jahresverlauf ein Abflauen der Dynamik sehen – und das auch beim Umsatz, so die Einschätzung der Studienautoren. Auch wenn viele Unternehmen zuletzt ihre optimistischen Jahresprognosen bestätigt oder sogar erhöht haben, müsse man die weitere Konjunktur- und Geschäftsentwicklung doch mit einem großen Fragezeichen versehen. Laut der Analyse fahren die Unternehmen auf Sicht und versuchen, sich für alle erdenklichen Szenarien zu wappnen. Denn selbst wenn die Lage derzeit insgesamt noch gut ist, besteht doch das ernstzunehmende Risiko eines Nachfrageeinbruchs – es geht daher in den kommenden Monaten vor allem um Versorgungssicherheit, Belastbarkeit der Lieferketten und Widerstandskraft, so das Fazit der Studienautoren.

(Pressemitteilung EY vom 15.08.2022)


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